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Internet : „Unsere Online-Redakteure sind eher Produkt-Manager“

  • -Aktualisiert am

Peter Würtenberger Bild: dpa

Bild.T-Online.de macht in diesem Jahr knapp 30 Millionen Euro Umsatz und erzielt eine zweistellige Umsatzrendite. Der scheidende Chef Peter Würtenberger erklärt, wie Bild-Leser zu Internet-Nutzern und dann zu Kunden wurden.

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          Bild.T-Online.de, der gemeinsame Internetauftritt der Bild-Zeitung und des Zugangsdienstes T-Online, ist in einen Grenzbereich zwischen Journalismus und Werbung vorgestoßen. "Die Herausforderung hieß, Leser der Bild-Zeitung zu Internetnutzern und dann zu Kunden unserer Partner zu machen", sagt Peter Würtenberger, scheidender Vorstandsvorsitzender von Bild.T-Online.de, im Gespräch mit dieser Zeitung. Der wirtschaftliche Erfolg spricht für sein Modell: Nach drei Jahren konsequenter Kommerzialisierung erzielt Bild.T-Online.de in diesem Jahr 80 Prozent seiner knapp 30 Millionen Euro Umsatz mit dem Verkauf von Produkten: "40 Prozent des Umsatzes erwirtschaften wir in den werberelevanten Themenkanälen wie Auto, Reise, Spiele oder Finanzen. Weitere 40 Prozent steuert der Verkauf der Volksprodukte bei. Die restlichen 20 Prozent entfallen auf die Online-Werbung", sagt Würtenberger. Der Umsatz sei gegenüber dem Vorjahr um ein Drittel gestiegen. "Die Gewinnzone haben wir erstmals im vierten Quartal 2003 erreicht. In diesem Jahr erwirtschaften wir eine zweistellige Umsatzrendite", sagt Würtenberger.

          Online-Werbung und Paid-Content waren Fehlschläge

          Beim Start hatte das Gemeinschaftsunternehmen noch ganz andere Pläne: "Das ursprüngliche Geschäftsmodell baute auf die vorhergesagten Zuwächse der Online-Werbung auf. Marktforschungsunternehmen hatten für 2004 weit mehr als eine Milliarde Euro Online-Werbeerlöse in Deutschland vorausgesagt. Diese Zahlen sind aber bei weitem nicht erreicht worden. Auch der Versuch, Nachrichten zu verkaufen, ist nicht aufgegangen. Man kann für eine Schlagzeile kein Geld verlangen, wenn sie von anderen Online-Medien kostenlos zur Verfügung gestellt wird. Damit tat sich eine Lücke in unserem Geschäftsplan auf. Wir mußten uns alternative Geschäftsmodelle überlegen. Der Schlüssel hieß Cross-Media", sagt Würtenberger, der vom amerikanischen Internet-Portal Yahoo zu Bild.T-Online.de gewechselt war.

          Ein Handelsarm für ein Medienhaus

          Der neue Plan war schnell gefunden, stellte aber einen Drahtseilakt dar: Journalismus s Hebel für den Handel im Internet. "Die Strategie, ein Medienhaus durch einen Handelsarm zu ergänzen, lag früher nicht nahe. Aber in Zeiten, in denen die Zeitungen nicht mehr dynamisch wachsen und nach neuen Geschäftsmodellen gesucht wird, bietet sich das Internet als Transaktionsmedium einfach an", sagt Würtenberger. Keine andere Plattform habe in der Kombination aus drei Millionen Internetnutzern und zwölf Millionen Zeitungslesern eine größere Cross-Medialität als Bild.T-Online.de.

          Um attraktive Inhalte anzubieten, erledigen 15 Online-Redakteure die tagesaktuelle Berichterstattung und übernehmen die Artikel aus der Bild-Zeitung für das Internet. "Wir basieren ganz klar auf den Inhalten, die von der Bild-Zeitung erstellt werden. Am Anfang gab es den Anspruch, eine eigenständige Chefredaktion aufzubauen, die unabhängig von der Bild-Zeitung recherchiert. Aber Bild-Chefredakteur Kai Diekmann und ich haben schnell festgestellt, daß das keinen Sinn macht. Die inhaltliche Hoheit für die Bereiche Nachrichten, Politik, Sport und Unterhaltung liegt bei Kai Diekmann", sagt Würtenberger.

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