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Internet : „T-Online hat sich einen Vampir ins Haus geholt“

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Bild: F.A.Z.

„T-Online macht gerade einen schweren strategischen Fehler - den dritten in Folge“, sagt Manfred Klaus, Geschäftsführer von Overture. „Erst Fireball, dann Infoseek und nun Google: T-Online treibt die Nutzer in die Hände seiner Suchmaschinen.“

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          "T-Online macht gerade einen schweren strategischen Fehler - den dritten in Folge", sagt Manfred Klaus. "Erst Fireball, dann Infoseek und nun Google: T-Online treibt die Nutzer in die Hände seiner Suchmaschinen. Aus kurzfristigem Gewinnstreben vergißt T-Online sein langfristiges Ziel, die Internet-Nutzer an sich zu binden", kritisiert Klaus, der die Geschäfte des Internet-Suchdienstes Overture führt. Auch für den Konkurrenten Google findet er wenig schmeichelhafte Worte: "Nach unseren Erkenntnissen kauft sich Google mit Geschäften, die keinen Gewinn bringen, in den Markt ein und zieht anschließend die Nutzer an sich." Während Overture meist im Hintergrund arbeitet, ist Google immer mit eigenem Logo auf den Portalen der Partner präsent. Die aggressive Werbestrategie in eigener Sache scheint aufzugehen: In kurzer Zeit hat Google den bisher unangefochtenen Spitzenreiter T-Online in der Surfer-Gunst eingeholt. Mehr als die Hälfte der Internet-Nutzer in Deutschland setzt inzwischen auf die Dienste der weltgrößten Suchmaschine.

          Das Interesse von Klaus am Verhältnis zwischen T-Online und Google ist nicht zufällig: Gerade erst hat T-Online den Vertrag mit Overture gekündigt und umgehend den Konkurrenten Google als Suchmaschinen-Lieferant und Marketing-Partner ins Boot geholt. Als Begründung für den überraschenden Wechsel führt die Telekom-Tochtergesellschaft an, daß Overture von Yahoo - einem direkten T-Online-Konkurrenten - übernommen werde. Doch Klaus wehrt sich gegen die Kündigung. Die Overture-Anwälte haben inzwischen eine einstweilige Verfügung beim Landgericht Frankfurt erwirkt. "Die Kündigung war rechtswidrig, da die Übernahme noch gar nicht vollzogen ist. T-Online muß Overture wieder als Suchdienst einsetzen", sagt Klaus. "Und ich wäre sehr überrascht, wenn sich T-Online dem Richterspruch widersetzen würde."

          Selbst wenn Overture von Yahoo übernommen werden sollte, greift die Kündigungsklausel im Vertrag mit T-Online seiner Meinung nach nicht. "Yahoo ist kein direkter Konkurrent. Yahoo ist ein Portal, T-Online dagegen ein Zugangsdienst. Außerdem arbeiten Yahoo und T-Online im DSL-Geschäft und der Online-Werbung zusammen", argumentiert Klaus. Eigentlich habe er sich mit der Telekom-Tochtergesellschaft außergerichtlich einigen wollen. "Doch T-Online ist auf unsere Gesprächsangebote nicht eingegangen. Da blieb uns keine andere Wahl, als die Angelegenheit vor Gericht zu klären", sagt Klaus. Aber er zeigt sich gesprächsbereit: "Wir würden uns freuen, wenn T-Online an den Verhandlungstisch zurückkäme."

          Manfred Klaus, Overture Deutschland

          Klaus kämpft um T-Online, denn die Darmstädter spielen eine wichtige Rolle im deutschen Internet-Markt und wären der erste große Partner von Google für das Suchmaschinen-Marketing in Deutschland. Bisher hat Overture die meisten Portale unter Vertrag. Bei AOL und Web.de hat Google aber bereits als Betreiber der Suchmaschinen einen Fuß in der Tür. Im Gegenzug dürfte Yahoo nach Abschluß der Overture-Übernahme wohl Google und Espotting zugunsten der eigenen Tochtergesellschaft den Rücken kehren. Mit der Overture-Übernahme könnte allerdings noch einmal Bewegung in den Markt kommen, da die meisten Portale ihre Beziehung zu Overture überprüfen werden.

          Der Markt ist hart umkämpft, denn eine gute Suchmaschine ist für die Internet-Portale wie T-Online, AOL oder Yahoo weit mehr als ein Instrument, um die Nutzer an sich zu binden. Inzwischen werden mit dem sogenannten Suchmaschinen-Marketing zweistellige Millionenbeträge verdient. Die Geschäftsidee ist einfach: Im Auftrag der Portale versteigern Overture, Google und Espotting die besten Plätze in den Ergebnislisten der Suchmaschinen. Die Suchergebnisse werden als "Sponsored Links" prominent ausgewiesen. Klickt ein Nutzer auf einen "Sponsored Link", muß der Betreiber des besuchten Internet-Angebots den vorher gebotenen Betrag bezahlen. "Einige Anbieter zahlen zehn Euro und mehr für einen einzigen Klick eines interessierten Nutzers", berichtet Klaus. Vor allem kleine und mittlere E-Commerce-Anbieter nutzen diese Form der Internet-Werbung, um die Aufmerksamkeit einer interessierten Zielgruppe zu bekommen. "Ein Anbieter von Leichtbauhallen erhält über uns 20 ernsthafte Kundenkontakte jeden Monat - zu einem sehr günstigen Preis", sagt Klaus. Mit normaler Bannerwerbung könne der Hersteller seine Zielgruppe im Internet nie erreichen.

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