https://www.faz.net/-gqe-tn6g

Internet : Raub beim Onlinebanking

  • -Aktualisiert am

Klau von Kontodaten im Netz - ein Massenproblem Bild: ddp

Der Betrug im Internet nimmt seit einem Jahr stark zu. Datendiebe ergaunern PIN und TAN immer raffinierter. Mit der Kulanz ihrer Bank können geprellte Kunden kaum noch rechnen.

          Schreinermeister Günter Klippel erledigt seine Buchhaltung gerne zu Hause am Computer. Als Kunde der Volksbank Bonn Rhein-Sieg bezahlt er Rechnungen stets per Online-Banking. Doch als er eines Tages seine Kontoauszüge prüfte, stellte er fest: 4800 Euro fehlen. Das Geld war ohne sein Wissen an eine Frau überwiesen worden.

          Klippel ahnte Böses. "Ich kannte die Frau gar nicht und habe gleich bei der Volksbank angerufen." Dort teilte man dem Schreinermeister nur lapidar mit, daß alles seine Richtigkeit habe. Das Geld sei online mit seinen Geheimnummern überwiesen worden. "Da wurde mir klar, daß es sich um Internet-Betrug handelte, und ich erstattete sofort Anzeige."

          Die Polizei untersuchte Klippels Computer und fand heraus: Er war Opfer von "Phishing" geworden. Betrüger hatten ein Programm auf seinem Computer eingeschleust. Damit spionierten sie die Geheimdaten des Bankkunden aus und leiteten Geld auf ihr eigenes Konto.

          Massenproblem Phishing

          Betrug beim Online-Banking nimmt seit etwa einem Jahr stark zu, beobachtet Georg Borges, Jurist und Mitgründer der Arbeitsgruppe Identitätsschutz im Internet. "Phishing ist ein Massenproblem. Es gibt mittlerweile Zigtausende Opfer in Deutschland. Seitens der Täter haben wir es mit organisierter Kriminalität zu tun."

          Auch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) in Bonn beobachtet eine neue Welle der Internet-Kriminalität. Früher versuchten die Betrüger vornehmlich über gefälschte Internet-Seiten an die Geheimnummern zu gelangen. Die Banken warnen davor, Geheimdaten preiszugeben. Deshalb fallen offenbar weniger Kunden darauf herein.

          Trojanische Pferde in Telekom-Rechnungen

          Darum gehen die Betrüger jetzt raffinierter vor, weiß Matthias Gärtner vom BSI. Vor allem der Betrug mit versteckten Programmen in Dateianhängen nehme zu. "Dort kann eine ausführbare Datei enthalten sein, die man vielleicht auf den ersten Blick gar nicht als solche erkennt, weil sie durch ihren Namen getarnt ist. Wenn man die anklickt, ist das Programm schon auf dem Rechner."

          Diese Trojanischen Pferde befinden sich auch in gefälschten Telekom-Rechnungen oder auf dubiosen Internet-Seiten, von wo sie unbemerkt auf den Rechner des Opfers geschmuggelt werden. "Bei der nächsten Online-Sitzung greift das Programm dann unbemerkt PIN und TAN vom Rechner des Kunden ab", erklärt Gärtner.

          Der Kunde hat nur dann eine Chance, sein Geld zu retten, wenn er den Schaden schnell bemerkt und der Bank meldet. Dann kann die Summe wieder zurückgebucht werden.

          Kulanz der Banken hat ein Ende

          In der Vergangenheit zeigten sich die Banken kulant und erstatteten betrogenen Kunden den Schaden. Doch angesichts der immer größeren Ausmaße der Internet-Kriminalität scheint sich das zu ändern. Georg Borges stellt fest, daß sich die Geldinstitute seit etwa einem Jahr immer häufiger weigern, Phishing-Opfer zu entschädigen.

          Auch die Volksbank Bonn Rhein-Sieg lehnte es ab, Schreinermeister Klippel den Verlust der 4800 Euro zu ersetzen. Dabei sei eigentlich die Bank für die Sicherheit des Online-Banking verantwortlich und müsse grundsätzlich für den Schaden aufkommen, sagt Borges. Es sei denn, der Kunde hat seine Pflichten verletzt.

          Sorgfaltspflichten verletzt er, wenn er seine Geheimdaten fahrlässig preisgibt oder wenn er kein aktuelles Virenschutz-Programm verwendet. Juristisch ist bislang aber noch nicht geklärt, unter welchen Umständen genau Phishing-Opfer auf ihrem Schaden sitzenbleiben. "Die Rechtslage verändert sich momentan ständig. Wir erwarten demnächst die ersten Gerichtsentscheidungen", sagt Borges. Er rät betroffenen Kunden, sich juristisch beraten zu lassen.

          Weitere Themen

          Söder will Negativzinsen verbieten

          Gesetzesvorstoß : Söder will Negativzinsen verbieten

          Bayerns Ministerpräsident will ein Gesetz in den Bundesrat einbringen, um Bankeinlagen von Normalsparern bis 100.000 Euro vor Strafzinsen zu schützen. Allerdings haben Gerichte bereits juristische Grenzen für Minuszinsen auf Kontoguthaben gezogen.

          Als die Grenze fiel Video-Seite öffnen

          August 1989 : Als die Grenze fiel

          Die Welt hat lange stillgestanden an der ungarisch-österreichischen Grenze. Bis zum 19. August 1989. Dann, vor 30 Jahren, platzte zwischen Fertörákos und Mörbisch eine Nahtstelle des Eisernen Vorhangs – mit weitreichenden Folgen für die Region und ganz Europa.

          Topmeldungen

          Johnson besucht Berlin : Warten auf ein erstes Blinzeln

          Der britische Premierminister Boris Johnson droht der EU mit einem harten Brexit und lockt mit vagen Zugeständnissen – doch in Brüssel und Berlin wächst nur das Unverständnis.
          CSU-Politiker Markus Söder

          Gesetzesvorstoß : Söder will Negativzinsen verbieten

          Bayerns Ministerpräsident will ein Gesetz in den Bundesrat einbringen, um Bankeinlagen von Normalsparern bis 100.000 Euro vor Strafzinsen zu schützen. Allerdings haben Gerichte bereits juristische Grenzen für Minuszinsen auf Kontoguthaben gezogen.

          Luxusbauten in New York : Ästhetische Abschottung

          Ein Penthouse für 239 Millionen Dollar: Die Wohlhabendsten schauen von immer größeren Höhen auf das Stadtvolk hinab. New York baut jetzt superdünn.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.