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Internet : "Meilenstein im Online-Buchhandel: Alle Großen erzielen Gewinne"

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Online-Buchhändler sind die Wachstumstreiber im Buchgeschäft. Ihr Umsatz soll in diesem Jahr bis zu 20 Prozent auf mehr als 450 Millionen Euro wachsen. Das Neue daran: Die großen Anbieter erzielen erstmals Gewinne.

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          Die Online-Buchhändler sind die Wachstumstreiber im ansonsten lahmenden Buchgeschäft in Deutschland. Der Umsatz im Internet-Handel soll in diesem Jahr zwischen 10 und 20 Prozent auf mehr als 450 Millionen Euro wachsen, schätzen Branchenkenner. Im Unterschied zu früheren Zeiten ist das Wachstum jetzt profitabel: "Der Buchhandel im Internet hat beinahe unbemerkt einen Meilenstein erreicht: Alle nennenswerten Online-Buchhändler schreiben in diesem Jahr Gewinne", erwartet Klaus Driewer, Geschäftsführer des Weltbild-Verlages.

          Seitdem der Gütersloher Medienkonzern Bertelsmann seine großen Ambitionen im Internet fallen gelassen hat, ist der Vorsprung des Marktführers Amazon weiter gestiegen. Die Amerikaner erwirtschaften mehr als 60 Prozent des Umsatzes im Markt, schätzen Branchenkenner. Hinter Amazon weisen nur noch der Weltbild-Verlag und die Buch.de Internetstores nennenswerte Anteile auf. Die meisten kleinen Anbieter erzielen im Netz dagegen nur minimale Umsätze. Die Bereinigung im Markt ist aber noch nicht abgeschlossen. "Vor zwei Jahren gab es mehr als 5000 Internet-Buchhändler. Heute sind vielleicht noch 1000 Händler übrig geblieben. Und in zwei Jahren werden noch 200 Anbieter am Markt sein", schätzt Albert Hirsch, Vorstandsmitglied von Buch.de.

          Der Weltbild-Verlag, der in diesem Jahr bis zu 30 Prozent Zuwachs erreichen möchte, ist mit seinen eigenen Marke sowie Beteiligungen am Gemeinschaftsunternehmen Booxtra und der Marke Buecher.de im Markt vertreten. An Booxtra sind außerdem noch die Telekom-Tochtergesellschaft T-Online, der Axel Springer Verlag und die Verlagsgruppe Holtzbrinck mit jeweils 25 Prozent beteiligt. Allerdings halten sich Gerüchte, daß T-Online sein Engagement zur Zeit überprüft.

          Reiselustig - Amazon Paket auf dem Weg zum Kunden

          Konkurrent Buch.de hat mit dem Erwerb der Marke BOL von Bertelsmann in diesem Jahr einen kräftigen Umsatzsprung erreicht. "Die Marke BOL bringt den höchsten Umsatz im Unternehmen. Das Geschäft läuft profitabel", sagte Hirsch. Datenträger wie CDs oder DVDs werden bei BOL inzwischen nicht mehr unter Einstandspreis verkauft.

          Die Wachstumsaussichten im Markt werden weiterhin positiv beurteilt. Nach Ansicht von Driewer profitiert der Online-Buchhandel zur Zeit vom Zwang zur Kostensenkung im klassischen Handel. "Der Buchhandel spart an seiner Kernkompetenz, der Beratung. Das kommt uns zugute", sagte Driewer. Außerdem wachse die Zahl der Internet-Nutzer und damit der Online-Einkäufer stetig weiter. "Im Buchgeschäft mit privaten Konsumenten hat das Internet schon einen Anteil von 10 Prozent erreicht. 15 Prozent und mehr halte ich für möglich", sagte Driewer.

          Ein großes Thema in der Branche ist der Handel mit gebrauchten Büchern, die vor allem auf dem Online-Marktplatz Ebay oder bei Amazon per Mausklick den Besitzer wechseln. Bei Ebay werden mehrere Hunderttausend Bücher angeboten und im Sekundentakt wieder verkauft. "Bei Ebay findet man zum besten Preis- Leistungsverhältnis die größte Auswahl an neuen und gebrauchten Büchern", heißt es dazu bei Ebay. Oft sind die Verhäufer klassische Händler, die sich im Internet einen neuen Vertriebskanal aufgebaut haben. "Das Angebot der gebrauchten Bücher wird von den Nutzern hervorragend angenommen. Dort werden alternative Preise zur Buchpreisbindung verlangt", sagte Stephan Roppel von Amazon. Die galante Umschreibung verschleiert ein großes Problem der Branche: Niemand kann kontrollieren, ob die Bücher tatsächlich schon einmal verkauft wurden oder neu sind. Ein Buchpreisbindungstreuhänder soll die schwarzen Schafen ausfindig machen.

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