https://www.faz.net/-gqe-169ln

Internet : Kampf um die Neutralität der Netze

  • -Aktualisiert am

Staugefahr: Im Internet wird nach der besten Vorfahrtsregel gesucht Bild: AP

Die Frage, ob die Betreiber der Telekommunikationsnetze Daten bevorzugt transportieren, bremsen oder gar blockieren dürfen, wird heiß diskutiert. Die Netzbetreiber wollen Geld für den Bau der Netze verdienen, die Gegner befürchten Wettbewerbsverzerrung, Innovationsstau und Zensur.

          4 Min.

          Die Debatte um die Netzneutralität berührt eine Grundsatzfrage im Internet: Sollen alle Daten im Internet gleich behandelt werden, oder dürfen Daten bevorzugt, schneller oder möglicherweise gar nicht transportiert werden? Und wenn ja, wer darf das entscheiden? Netzbetreiber wie die Deutsche Telekom reklamieren dieses Recht für sich – mit der Begründung, dass sie die Netze schließlich gebaut hätten. Netzpolitiker und wohl auch die meisten Internetunternehmen wollen dagegen die Netzneutralität am liebsten gesetzlich garantiert sehen. Denn nur wenn alle Daten gleich schnell und ohne Diskriminierung zum Nutzer transportiert werden, seien faire Wettbewerbsbedingungen garantiert und damit technischer Fortschritt möglich. Die Befürworter haben mit der EU-Kommission einen wichtigen Verbündeten. Sie möchte die Netzneutralität gerne gesetzlich festschreiben, doch die Mitgliedsländer sollen diese wichtige Frage nun selbst entscheiden. Viele Lobbyisten sind nun am Werk, um die gesetzliche Festschreibung doch noch zu verhindern.

          Die Zeit drängt, denn gegen die Netzneutralität wird bereits täglich verstoßen. Die Netzbetreiber können heute in den Datenverkehr hereinschauen, den Datenpaketen Prioritäten zuweisen und unliebsame Anwendungen ganz verbieten (siehe Deep Packet Inspection: Verlockender Blick ins Datenpaket). Und von diesen Möglichkeiten machen sie ausgiebig Gebrauch. Wenn Mobilfunknetzbetreiber den Internet-Telefoniedienst Skype in ihren Netzen verbieten, weil Skype ihr Kerngeschäft bedroht, verstoßen sie gegen die Netzneutralität. Ähnlich liegt der Fall, wenn die Datenströme aus Tauschbörsen nur verzögert oder gar nicht beim Empfänger ankommen. Im Extremfall taugen diese Methoden auch für die Zensur.

          Doch es lassen sich auch gute ökonomische Argumente für eine unterschiedliche Behandlung der Datenpakete finden. Zum Beispiel müssen die Daten für das Internet-Fernsehen bevorzugt transportiert werden, damit das Bild beim Kunden ruckelfrei und hochauflösend ankommt (siehe Datenverkehr: Stau im Internet ). Auch andere Echtzeitanwendungen benötigen Priorität, damit die Dienste reibungslos funktionieren. Die Netzbetreiber wollen sich daher das Recht sichern, den Datenverkehr in unterschiedliche Qualitätsklassen aufzuteilen und damit auch unterschiedliche Preise zuzuordnen: Wer einen besonders schnellen Datentransport braucht, soll eben etwas mehr zahlen. Wer nur E-Mails versendet, kann gut mit zeitverzögertem Datentransport leben, wenn er dafür weniger bezahlt.

          Der Neid auf Google

          Die Netzbetreiber wollen aber nicht nur von den Endkunden unterschiedliche Preise verlangen dürfen, sondern auch bei den Anbietern der Dienste. Vor allem auf Google sind die Netzbetreiber neidisch. Ihr Argument: Google verdient Milliarden, indem es die Netze anderer Unternehmen nutzt. Dafür soll Google zahlen. Was Google offiziell natürlich zurückweist.

          „Die Umsätze der Netzbetreiber mit Datenübertragung steigen schnell an, auch weil Google Dienste kostenlos anbietet, die die Kunden haben wollen. Warum sollen wir dafür zahlen?“, sagte der Google-Vorstandsvorsitzende Eric Schmidt auf der Mobilfunkmesse in Barcelona, wo die Netzneutralität eines der beherrschenden Themen war. Offiziell will Schmidt daran nicht rütteln. „Wenn man sich Videos anschaut, dann wollen wir gerne sicherstellen, dass die Netzbetreiber nicht einem Video beim Transport den Vorzug gegenüber einem anderen Video geben. Damit könnten die Netzbetreiber den Markt verzerren und den Gewinner festlegen“, sagte Schmidt. Allerdings gibt es immer wieder Gerüchte, auch Google zahle Geld an die Netzbetreiber, damit die Suchanfragen des Branchenprimus besonders schnell zu den Nutzern geleitet werden. Offiziell wird das allerdings nicht bestätigt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Der hessische Innenminister Peter Beuth (CDU).

          Skandal um „NSU 2.0“ : Viel zu wenig

          In Hessen bekommt die Linken-Politikerin Janine Wissler Morddrohungen von einem „NSU 2.0“. Die Spur führt in die Polizei. Doch der Innenminister lenkt ab und schiebt die Schuld weiter.

          Coronavirus-Pandemie : Trump trägt jetzt Maske

          Amerikas Präsident lehnte es lange ab, wegen der Corona-Pandemie eine Gesichtsmaske zu tragen. Nun zeigt sich Donald Trump doch mit Mund-Nasen-Schutz. Die Zahl der Neuinfektionen in seinem Land steigt unterdessen auf ein neues Rekordhoch.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.