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Internet : "Im Jahr 2004 sehen wir den Superwurm"

  • -Aktualisiert am

Bloß nicht den Mail-Anhang öffnen Bild: dpa

Früher war alles einfacher - auch im Internet. Computerviren waren noch leicht zu enttarnen, als sie "I love you" oder "Anna Kournikova" hießen. Jetzt sorgt eine neue Qualität der Computerviren für Verunsicherung.

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          Früher war alles einfacher - auch im Internet. Computerviren waren noch leicht zu enttarnen, als sie "I love you" oder "Anna Kournikova" hießen. Jetzt sorgt eine neue Qualität der Computerviren für Verunsicherung: Redaktionell aufbereitete Viren, deren Themen das Interesse der Nutzer wecken und zum Klick verleiten. Das Virus "Sober" lädt in Form einer E-Mail den Empfänger im Namen des Fernsehsenders RTL für die Zuschauer-Jury der Sendung "Deutschland sucht der Superstar" ein.

          In einer anderen Variante droht die E-Mail dem Empfänger ein Ermittlungsverfahren der Kripo Düsseldorf wegen illegalen Herunterladens von Filmen, Software und Musik an. Auch Nachforschungen für ein Klassentreffen sollen zum Anklicken des virenverseuchten Anhangs der E-Mail verleiten. Ist der Anhang erst einmal geöffnet, sendet sich die E-Mail automatisch an andere E-Mail-Adressen weiter, die das Virus auf dem Rechner gefunden hat.

          55 Milliarden Dollar Schaden

          Angriffe von Computerviren haben im vergangenen Jahr nach Schätzungen des IT-Sicherheitsunternehmens Trend Micro Schäden in Höhe von 55 Milliarden Dollar in Unternehmen angerichtet. "Sober" scheint aber erst der Beginn einer großen Virenwelle im Internet zu sein. "Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Virenangriffe werden 2004 weiter steigen", sagte Lionel Phang von Trend Micro. Die Fachleute sehen Massen-E-Mails wie "Sober" in diesem Jahr sogar an der oberen Stelle der Bedrohungsrangliste für private Internet-Nutzer.

          Schutzprogramme helfen, manchmal

          Zur Zeit optimieren die Virenschreiber die Verbreitungsmechanismen, um in möglichst kurzer Zeit möglichst viele Viren zu verteilen", hat Helmut Haslbeck, Leiter der deutschen Landesgesellschaft von Trend Micro, beobachtet. Weltrekordhalter in dieser Disziplin ist das Virus Sobig.F, das sich im vergangenen August innerhalb von 24 Stunden eine Million Mal selbst vermehrt hat. Die Gefahr liegt in diesen Fällen meist in einer Destabilisierung der Computernetze, die unter der Datenlast zusammenbrechen können.

          In Firmennetzwerke dringen diese E-Mails nur noch selten ein. Die meisten Unternehmen filtern die verdächtigen E-Mail-Anhänge bereits an ihrer elektronischen Eingangstür heraus. Aber die teuren Schutzvorrichtungen der Unternehmen weisen noch genug Schwachstellen auf, die in diesem Jahr von den Viren-Programmierern gezielt angegriffen werden. "Trotz aller Technik gibt es keine hundertprozentige Sicherheit", muß auch Microsoft-Sprecher Thomas Baumgärtner zugeben.

          Verknüpft mit „Spam“

          Die Computerviren werden inzwischen mit der zweiten großen Internet-Plage, den unerwünschten Werbe-E-Mails (Spam), verknüpft. Die milliardenfach verschickten Werbemails überfluten die Postfächer der Internet-Nutzer. Spam hat sich in Amerika zu einem ernsten Problem entwickelt. "In Europa haben wir erst die Vorläufer der großen Spam-Welle gesehen", warnt Horst Joepen, Vorstandsvorsitzender des Paderborner Sicherheitsspezialisten Webwasher. Im vergangenen Jahr war mehr als die Hälfte der elektronischen Post unerwünscht, hat das amerikanische Unternehmen Brightmail herausgefunden. Neue Software und schnelle Internet-Anschlüsse machen es den sogenannten Spammern sehr leicht, massenhaft unerwünschte Werbung per Mausklick zu senden. Obwohl den Versendern dieser E-Mails inzwischen hohe Geld- und Gefängnisstrafen drohen, scheint der wirtschaftliche Erfolg wohl das Risiko wert zu sein. "Im April 2004 werden bereits 70 Prozent aller E-Mails Spam sein" sagt Mark Sunner vom amerikanischen E-Mail-Spezialisten Message-Labs voraus.

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