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Internet : Googles Mastermind

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Mut hat Marissa Mayer reich gemacht Bild: AP

Marissa Mayer ist die Chefentwicklerin von Google. Sie ist für viele der neuen Produkte und Dienste verantwortlich, mit denen Google beinahe im Wochenrhythmus die Konkurrenz erschreckt.

          5 Min.

          Eigentlich wollte Marissa Mayer nach ihrem Studium an der kalifornischen Eliteuniversität Stanford Hochschullehrerin für Computerwissenschaften werden. Ihr Berater schickte sie aber bei zwei jungen Doktoranden vorbei.

          Mayer, damals 23 Jahre alt, traf sich - eher widerwillig - mit Larry Page und Sergey Brin, die nichts Geringeres planten, als alle Informationen der Welt mit Hilfe einer Internet-Suchmaschine zu organisieren. Mayer ließ sich von der Idee überzeugen. Sie gab ihre Universitätskarriere auf und unterschrieb - als eine von damals 20 Mitarbeitern - Anfang 1999 einen Arbeitsvertrag als Entwicklerin bei dem unbekannten Start-up Google.

          Entwicklungen in Rekordzeit

          Dieser Mut hat sie reich gemacht. Denn Google wird an der Börse heute mit 130 Milliarden Dollar bewertet. Mayer, die beim Börsengang reichlich mit Aktien belohnt wurde, hat großen Anteil an dem Erfolg. Als heute 30 Jahre alte Chefentwicklerin ist sie für das Feuerwerk neuer Produkte und Dienste verantwortlich, mit dem Google beinahe im Wochenrhythmus den Aktienkurs antreibt.

          „Ich liebe es, Produkte früh und oft auf den Markt zu bringen. Das ist mein Mantra“, sagt Mayer. Als sie 2003 in einem Chat von der Idee eines australischen Entwicklers las, alle Dateien auf einem Computer zu durchsuchen, reagierte sie schnell: Sie heuerte den Australier an, stellte ihm ein Entwicklerteam zur Seite, und in Rekordzeit kam die Suchfunktion „Google Desktop“ auf den Markt - zwei Monate vor dem vergleichbaren Programm des Rivalen Microsoft.

          Mayer arbeitet meist von morgens, neun Uhr, bis Mitternacht. Ruhepausen gibt es in dem harten Wettbewerb mit Yahoo und Microsoft um die Vorherrschaft im Internet nicht. Die Konkurrenz schläft auch nicht: Gerade erst hat Softwaregigant Microsoft angekündigt, zwei neue Forschungslabors zu gründen, um seinen Rückstand im Internet aufzuholen.

          Nur eine von fünf Ideen kommt durch

          Angelockt vom Erfolg des Geschäftsmodells Internetsuche, erhöhen neue Anbieter wie Technorati zusätzlich den Druck. Dieser Wettstreit - da ist sich Mayer sicher - wird von den Entwicklungsabteilungen der Unternehmen entschieden. „Dieser Wettbewerb ist für die Nutzer wichtig, da hier über Dienste entschieden wird, die sie täglich einsetzen. Es wäre ein Fehler, wenn dieser Wettbewerb von den Marketingabteilungen entschieden würde“, sagt Mayer im Gespräch mit dieser Zeitung.

          Damit die Produktpipeline nicht abreißt, hat Google den gesamten Innovationsprozeß auf sie zugeschnitten. Ihr Büro ist die zentrale Anlaufstelle für die mehr als 1.000 Entwickler im kalifornischen Mountain View, die alle einen Tag in der Woche nichts anderes tun, als über neue Produkte nachzudenken. „Viele Mitarbeiter kommen mit ihren Produktideen zu mir.

          Es ist mein Job, diese Vorschläge zu prüfen, Verbesserungsvorschläge zu machen und zu schauen, ob die Produkte in unsere Strategie passen“, sagt Mayer. Das klingt bescheiden, denn sie allein entscheidet, welche Erfindungen das Zeug haben, bis zu den Gründern Page und Brin vorzudringen. „Eine von fünf Ideen leite ich weiter“, sagt Mayer, die nach Page, Brin und dem Vorstandsvorsitzenden Eric Schmidt inzwischen faktisch die Nummer vier im Unternehmen ist.

          Brandneues Geschäftsmodell

          Auf die Frage nach der besten Idee des vergangenen Jahres muß sie nicht lange überlegen: „Ganz klar Google Maps. Wer ein lokales Geschäft im Internet sucht, kann sich sehr leicht die passende Landkarte heraussuchen. Inzwischen sind wir Experten und haben die besten Landkarten der Welt“, sagt Mayer und verspricht, „bald gibt es Google Maps auch in Deutschland“, ohne allerdings konkret zu werden.

          In der Verbindung zwischen lokaler Suche und dem Landkartendienst stecke viel Potential. „Wenn wir den genauen Aufenthaltsort eines Nutzers kennen, können wir ihm auch genaue Informationen geben, zum Beispiel über Shops in seiner Nähe. Die Verbindung zwischen Satellitennavigationssystemen, Google Maps und lokaler Suche werden wir sicher in der Zukunft sehen“, verrät Mayer.

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