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Internet-Dienst Spotify : Musik für jede Lebenslage

  • -Aktualisiert am

„Die Mehrheit der Leute will Musik nicht kaufen, sondern einfach jederzeit und auf jeder Art von Gerät den Zugang dazu haben.“ Bild: dpa

Das Internet stellte die Musikbranche auf den Kopf und brachte Urheberrechtsverletzungen mit sich. Inzwischen sind kreative Geschäftsmodelle entstanden - wie das von Spotify.

          Die Musikindustrie klagt seit langer Zeit über die illegale Verbreitung von Songs und Videos - und daraus resultierenden Millionenschäden. Die Urheber versuchen sich zu wehren. Nicht selten erschien etwa bei Youtube die Fehlermeldung „Das Video ist in deinem Land nicht verfügbar.“

          Der Wunsch nach legaler Musik im Netz ist derweil geblieben. Sowohl Nutzer als auch Unternehmen suchen alternative Möglichkeiten. Portale wie musicload.de ermöglichen legale Downloads durch eine entsprechende Bezahlung. Eine zweite Alternative bieten Online-Radioprogramme, die etwa nach Genre ihr Musikprogramm im Internet ausstrahlen. Aufnahme- und Schnittsoftware erweitern die Möglichkeiten und bieten eine legale Speicherung der Dateien.

          Neues legales Streaming-Angebot

          Eine zusätzliche Alternative bietet der Internet-Musik-Anbieter Spotify, der an diesem Dienstag auch in Deutschland startet. Das Prinzip ist einfach: Die Musik wird über das Internet übertragen (“gestreamt“), die Daten werden nicht gespeichert. Zum Start soll es laut Daniel Ek, einem der beiden schwedischen Unternehmensgründer, 16 Millionen Songs zum „Streamen“ geben - Musik für jede Lebenslage ist das ambitionierte Ziel.

          Passend dazu bietet Spotify in Deutschland drei Nutzungsmodelle an. Das Musikhören am stationären Computer mit Werbeeinblendungen ist kostenlos. Für monatlich 4,99 Euro kann man die Werbung ausblenden. Die volle Nutzung auch mit mobilen Geräten wie Smartphones sowie einer höheren Übertragungsqualität (320 statt 160 Kilobit pro Sekunde) kostet 9,99 Euro im Monat.

          Offene Lizenzfragen bremsten Spotify

          Spotify bietet seinen Dienst in anderen Ländern schon seit Oktober 2008 an und hat auch eine Software für den deutschsprachigen Raum entwickelt. Offene Lizenzfragen verzögerten den Start von Spotify in Deutschland. Eine einheitliche lizenzrechtliche Grundlage für Streaming-Dienste in Deutschland fehlte. Zu diesen gehören unter anderem auch Napster, Simfy und Aupeo. „Es gab erhebliche Hürden für den Eintritt auf den deutschen Markt“, sagt Ek. „Aber jetzt sind wir in einer guten Position.“

          Die Verwertungsgesellschaft Gema teilte am Montag auf Anfrage
          allerdings mit, es gebe derzeit noch keinen Vertrag mit Spotify. „Wir
          befinden uns in intensiven Gesprächen, die jedoch noch nicht
          abgeschlossen sind“, erklärte ein Sprecher.


          Neben Spotify gibt es schon andere Anbieter mit einem ähnlich umfangreichen Repertoire auf dem Markt. Napster mit einem Preis von 12,95 Euro pro Monat für das Gesamtangebot einschließlich mobiler Nutzung sowie Simfy und das kürzlich gestartete Rdio mit einem Preis von 9,99 Euro pro Monat. Mit dem Markteintritt von Spotify werden durch den verschärften Wettbewerb sinkende Preise erwartet.

          Das Erfolgskonzept von Spotify

          Was Spotify in anderen Ländern so erfolgreich gemacht hat, ist ein umfassendes Ökosystem mit der Einbindung von Apps aller Art. Sei es eine Karaoke-App, die zu den Songs die jeweiligen Texte liefert oder eine DJ-App, bei der ein Nutzer sich bereit erklären kann, einer bestimmten Gruppe von Nutzern Songs nacheinander abzuspielen. Damit wird aus dem reinen Angebot von Musiktiteln eine interaktive Plattform.

          Ein zweiter Erfolgsfaktor ist die eigens von Spotify entwickelte Technik, die das Streaming von einem eigenen Server mit der Technologie des Peer-to-Peer-Netzwerks verbindet. Die Computer der Nutzer werden ohne zentralen Server miteinander vernetzt. Dadurch ist ein Musikhören ohne Aussetzer auch bei schlechter Internet-Verbindung möglich.

          Viele Parteien profitieren

          Spotify-Gründer Ek ist überzeugt, dass dem Streaming die Zukunft gehört: „Die Mehrheit der Leute will Musik nicht kaufen, sondern einfach jederzeit und auf jeder Art von Gerät den Zugang dazu haben. Und sie wollen die Musik ihrer Freunde hören. Musik ist die sozialste Sache der Welt. Allein die Musik kann kulturelle, sprachliche und demographische Grenzen überwinden.“

          Und neben den Nutzern darf sich auch die Musikindustrie freuen: Seit dem Start hat diese bereits rund 200 Millionen Euro an Lizenzgebühren von Spotify erhalten. Damit ist der Internet-Musik-Dienst die zweitgrößte Einnahmequelle für Plattenfirmen beim Geschäft mit digitaler Musik in Europa, was letztendlich auch den Komponisten und Künstlern zugute kommt.

          Anmerkung der Redaktion: Nach dem Start von Spotify an diesem Dienstag wurde bekannt, dass ein Facebook-Account Voraussetzung für die Registrierung bei Spotify ist. Über das Facebook-Profil können Nutzer im Anschluss einzelne Songs oder Playlists posten.

          Am Mittwoch, einen Tag nach dem Start, kritisierten Datenschützer den neuen Dienst. Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar bezeichnete den Anmeldevorgang in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ als rechtswidrig. Laut Telemediengesetz wären Anbieter dazu verpflichtet, eine anonyme oder pseudonyme Nutzung anzubieten, was durch die Kopplung mit Facebook jedoch ausgeschlossen würde. Auch der Berliner Datenschutzbeauftragte Alexander Dix riet in der gleichen Zeitung von Spotify ab. „Da Facebook sich nicht an deutsches Datenschutzrecht hält, wie das Landgericht Berlin gerade bestätigt hat, kann man von der Nutzung des Dienstes Spotify nur abraten“, sagte Dix.

          Die Musikindustrie dagegen begrüßte den neuen Musikdienst. „Das Angebot schlägt eine Brücke zum legalen Musikkonsum“, sagte Florian Drücke vom Bundesverband Musikindustrie (BVMI).

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