https://www.faz.net/-gqe-t0l9

Internet : Die Werbung entdeckt Youtube als neuen Markt

Vermarktet sich in Youtube: Paris Hilton Bild: picture-alliance/ dpa

Youtube ist ein Massenphänomen. Mittlerweile vermarkten sich auch Stars und Sternchen auf der Videoplattform im Internet und kurbeln so das Werbegeschäft für die Betreiber der Seite an.

          So etwas wie negative Öffentlichkeitswirkung kennt Paris Hilton nicht. Die 25 Jahre alte Erbin aus dem Hotelimperium Hilton liebt Publicity. Sie drängt sich ins Scheinwerferlicht und nimmt dabei auch Negativschlagzeilen in Kauf: Hauptsache, sie bleibt im Gespräch. Deshalb überrascht es niemanden, daß der Emporkömmling am Pophimmel zur Vermarktung seiner allerersten Musik-CD eine Werbeplattform gewählt hat, auf der mit boshaften Kommentaren gerechnet werden muß.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Hiltons Musikfirma Warner hat eine Allianz mit einer der angesagtesten Adressen im Internet geschlossen: der Videoplattform Youtube. Die Seite zeigt Videoclips von Paris Hilton und ruft die Nutzer zur Interaktion auf - indem sie Videos bewerten und kommentieren, egal ob gut oder schlecht. Youtube, eine noch sehr junge und chaotische Online-Gemeinde, erhofft sich von der Aktion mit Paris Hilton eine Initialzündung. Das kleine Internetunternehmen aus dem kalifornischen Silicon Valley sucht nach Wegen, die enorme Popularität seiner Seite zu Geld zu machen.

          Täglich 100 Millionen Zuschauer

          Youtube ist in kürzester Zeit zu einem Massenphänomen im Internet geworden, ähnlich wie das Online-Forum Myspace, das mittlerweile zum Medienkonzern News Corp. von Rupert Murdoch gehört. Youtube-Nutzer können Videoclips auf die Seite laden, ansehen und mit anderen Nutzern kommunizieren. Die Videoclips sind oft selbstgemachte Amateurfilme mit Kunststückchen, Peinlichkeiten oder Skurrilitäten. Musikvideos, Mitschnitte von Fernsehprogrammen oder von aktuellen Ereignissen gehören ebenfalls zum Programm.

          Kosten sie unsere hausgemachten Videos

          Wann immer auf der Welt Merkwürdigkeiten passieren und Kameras dabei sind, kann man davon ausgehen, nachher einen Videoclip davon auf Youtube zu finden. Die kleine Nackenmassage, die Kanzlerin Angela Merkel vom amerikanischen Präsidenten George W. Bush beim G-8-Gipfel in St. Petersburg im Juli bekommen hat, war ein Riesenhit auf Youtube, ebenso der Kopfstoß des französischen Fußballers Zinedine Zidane beim Weltmeisterschaftsfinale. Derart berühmte Vorkommnisse ziehen außerdem oft eine ganze Serie von selbstgedrehten Ulkversionen nach sich.

          Jeden Tag werden heute mehr als 100 Millionen Videoclips auf Youtube angesehen, und jeden Tag werden 65000 neue Filme auf die Seite gestellt, sagt das Unternehmen. Der Aufstieg von Youtube und auch von Myspace zur Kultadresse ist bemerkenswert, zumal große Internetgiganten wie Google ähnliche Dienste anbieten. Nach Angaben des Marktforschungsinstituts Hitwise vom Juli steht Youtube für 60 Prozent aller im Internet angesehenen Videoclips. Google und Yahoo kommen nicht über 5 Prozent.

          Idee zu Youtube kam nach einer Party

          Die Idee zu Youtube entstand erst im Februar vergangenen Jahres. Chad Hurley und Steve Chen, zwei Mitarbeiter des zum Internetmarktplatz Ebay gehörenden Online-Bezahldienstes Paypal, waren damals auf einer Party und filmten mit einer Videokamera. Nachher wollten sie die Mitschnitte über das Internet für ihre Freunde verfügbar machen, fanden dies aber sehr mühsam. Also entwickelten sie ein eigenes Programm und gründeten ein Unternehmen. Das erste Video auf der Seite zeigte Chens Katze „Pajamas“ beim Spielen.

          Im November sicherten sich die Youtube-Gründer eine Finanzspritze von 3,5 Millionen Dollar von der Wagniskapitalgesellschaft Sequoia, die schon Google und Yahoo in deren Anfangstagen Geld geliehen hatte. Der Start von Youtube für die breite Öffentlichkeit war am 15. Dezember. Ein auf die Seite gestellter Mitschnitt aus der Comedy-Show „Saturday Night Live“ entpuppte sich als Kulthit. Von da an stiegen die Nutzerzahlen rasant an. Im Frühjahr bekam Youtube weitere 8 Millionen Dollar von Sequoia.

          Werbung in der Werbung

          Ähnlich wie Myspace oder Google will sich Youtube über Werbung finanzieren. Youtube hatte schon bislang gewöhnliche grafische Anzeigen auf seiner Seite. Daneben gibt es Textanzeigen, die bei Suchanfragen nach Videos erscheinen. Die Werbeaktion mit Paris Hilton ist neu und zeigt Werbung in der Werbung: Der Fernsehsender Fox tritt als „Sponsor“ auf, dafür erscheint auf der Startseite neben dem Paris-Hilton-Video eine grafische Anzeige für eine Serie des Kanals. Youtube hat in jüngster Zeit verstärkt Vereinbarungen mit traditionellen Medienunternehmen geschlossen, etwa mit dem Fernsehsender NBC, der auf Youtube Ausschnitte von seinen Shows zeigt. Solche Abkommen zeigen, daß Youtube und alteingesessene Anbieter von Inhalten sich allmählich verbünden.

          Die beiden Youtube-Gründer zählen heute zu den erfolgreichsten Jungunternehmern im Silicon Valley. Der 29 Jahre alte Chad Hurley ist Vorstandsvorsitzender, der 27 Jahre alte Steve Chen fungiert als Technologiechef. Hurley war im Juli auf dem jährlichen Elitetreffen der Medienbranche in Sun Valley (Idaho) erstmals eingeladen und tummelte sich neben Topmanagern wie Rupert Murdoch und Disney-Chef Robert Iger. Der Youtube-Chef wurde nachher in amerikanischen Medien zum Star der Veranstaltung erklärt.

          Börsengang möglich

          Längst wird über einen möglichen Verkauf von Youtube an einen großen Medienkonzern spekuliert. Myspace wurde im vergangenen Jahr für 580 Millionen Dollar an News Corp. verkauft. Für Youtube werden Preise von 600 Millionen bis eine Milliarde Dollar genannt. Gründer Hurley weist Verkaufsgedanken für das noch in der Verlustzone steckende Unternehmen zurück. Dagegen nannte er einen Börsengang als eine mögliche Option für die Zukunft.

          Paris Hilton kann sich unterdessen über die Resonanz auf ihren Youtube-Auftritt nicht beklagen. Innerhalb weniger Stunden haben mehrere tausend Nutzer eine Bewertung für das Musikvideo zu ihrer Single „Stars are blind“ abgegeben, und etliche hundert haben Kommentare geschrieben. Dabei gab es zwar vereinzelte negative Bemerkungen wie „Der Song ist erbärmlich“. Insgesamt aber war das Echo der Youtube-Gemeinde auf Hiltons erste Gehversuche als Musikerin überraschend positiv.

          Erfolg für Microsoft

          Der Softwarekonzern Microsoft hat eine Partnerschaft mit der populären amerikanischen Online-Seite Facebook geschlossen und wird dort künftig über seine Werbetechnologie Anzeigen plazieren. Vor zwei Wochen unterlag Microsoft noch Google im Rennen um die Partnerschaft mit der Seite Myspace. Google hatte Myspace eine Zahlung von mindestens 900 Millionen Dollar innerhalb der nächsten drei Jahre garantiert. Die Konditionen in der Allianz zwischen Microsoft und Facebook wurden nicht genannt. Facebook ist wie Myspace ein „soziales Netzwerk“, dessen Mitglieder Profile auf die Seite stellen. Facebook ist eine der wachstumsstärksten Internetseiten Amerikas und hat 9 Millionen Mitglieder. Myspace kommt auf mehr als 100 Millionen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Supercomputer Summit von IBM

          KI statt Simulation : Den Superrechnern geht die Luft aus

          Die Leistung von Supercomputern wächst kaum noch. Der Grund ist die fatale Fokussierung auf Künstliche Intelligenz. Numerische Verfahren gelten als „unsexy“.
          Das Faxgerät ist eine schnelle Alternative, wenn die E-Mail aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht genutzt werden kann

          In puncto Datensicherheit : Fax schlägt E-Mail

          Anwälte, Ärzte, Krankenversicherer weigern sich immer häufiger, E-Mails zu verschicken – aus Gründen des Datenschutzes. Das gute alte Faxgerät erlebt ein Comeback.

          Dortmunder Kampfansage : „Wir wollen Barcelona wehtun“

          Für das Champions-League-Duell mit dem FC Barcelona hat sich der BVB einiges vorgenommen. Die Borussia hofft dabei auf ein Fußball-Fest mit Happy End. Doch etwas dürfte die Dortmunder Vorfreude gehörig trüben.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.