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Internet : Das Web 2.0 drängt an die Online-Werbetöpfe

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

In sozialen Netzwerken wird selbst die Werbung sozial. Glaubwürdige Empfehlungen von Freunden sollen die klassische Werbung ersetzen, hofft die Web-2.0-Branche - und geht offen in Konkurrenz zum Web 1.0.

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          Mark Zuckerberg, Vorstandschef des sozialen Netzwerkes Facebook, ist allzu große Bescheidenheit fremd. Nach dem Web 2.0 will er nun nichts Geringeres als die Werbung revolutionieren. "Alle 100 Jahre ändern sich die Medien. In den vergangenen 100 Jahren haben die Massenmedien die Werbung verbreitet. In den kommenden 100 Jahren wird Werbung nicht mehr einfach nach draußen gepusht, sondern über die Verbindungen der Menschen untereinander verteilt", sagte Zuckerberg während der Vorstellung seines Werbeprogramms Facebook Ads in New York.

          Zuckerberg setzt dabei auf den "Social Graph", also die Verbindungen der Menschen auf Internetplattformen. "Nichts beeinflusst Menschen mehr als die Empfehlung eines Menschen, dem sie vertrauen. Vertrauenswürdige Empfehlungen sind der Heilige Gral der Werbung", sagte Zuckerberg.

          Noch werden Netzwerke blind vermarktet

          Noch steht der neue Superstar des Internets - und mit ihm die ganze Web-2.0- Branche - ganz am Anfang der vorhergesagten Werberevolution. Facebook lockt zwar mehr als 50 Millionen Nutzer an, die sogar 65 Milliarden Seiten im Monat aufrufen, aber daraus werden in diesem Jahr nur rund 150 Millionen Dollar Werbeumsatz erzielt. Das ist Kleingeld im Vergleich mit dem Internet-Titan Google, der in diesem Jahr mehr als 15 Milliarden Dollar Werbeumsatz erreichen wird. Den Grund für die bisherige Schwäche nennt Microsofts Online-Werbechef Chris Dobson ziemlich unverblümt: "Die Vermarkter haben einige Schwierigkeiten mit der Werbung in den Communities, weil das Umfeld, in dem die Werbung plaziert wird, vollkommen unbekannt ist. Im Moment werden die Netzwerke noch blind vermarktet", sagte Dobson. Er muss es wissen, denn Microsoft vermarktet die Facebook-Werbung.

          Mark Zuckerberg
          Mark Zuckerberg : Bild: AFP

          Mein Freund, die Firma

          Offenbar ist auch Zuckerberg von Microsofts Leistung nicht begeistert. "Microsoft ist unser exklusiver Partner für Standard-Werbeformen. Die soziale Werbung wird Microsoft aber nicht übernehmen. Das machen wir selber", sagte Zuckerberg. Zum Beispiel verrät Facebook künftig seinen Werbekunden wie Coca-Cola, welche Interessen die Facebook-Nutzer auf ihren Profilseiten angegeben haben, um die Werbung zielgerichtet zu plazieren. Falls sich ein Nutzer eine Werbeseite eines Unternehmens ansieht, wird dies mit Hilfe des Facebook-Nachrichtensystems (News-Feed) seinen Freunden mitgeteilt - und natürlich dem Werbekunden, der seine Zielgruppe damit genau erfassen kann. Werbekunden können sich auch eigene Seiten einrichten und hoffen, dass möglichst viele Nutzer zu Fans ihrer Marke werden. Ganz neu ist die Funktion "Beacon". Sie teilt allen Freunden via News-Feed mit, wenn ein Nutzer auf einer der Partnerseiten wie Ebay etwas ersteigert und verkauft. Obwohl die Nutzer der Verbreitung dieser Informationen an ihre Freunde vorher zustimmen müssen, laufen die Datenschützer bereits Sturm gegen die geplante Werbung.

          MySpace liegt noch vorne

          Facebooks großer Rivale MySpace hat sein Werbesystem "Hyper-Targeting" ebenfalls erst jetzt gestartet, ist allerdings in der Vermarktung klassischer Online-Werbung schon weiter. Rund eine Milliarde Dollar Umsatz wird MySpace in diesem Geschäftsjahr in aller Welt erzielen. Zahlen für Deutschland liegen noch nicht vor. Hier hat MySpace nach Messung von Nielson Online 2,7 Millionen Nutzer, die im vergangenen Monat rund 740 Millionen Seiten aufgerufen haben. Die 16 Mitarbeiter von MySpace in Deutschland erklären nun den Werbekunden, wie Hyper-Targeting funktioniert. "Das System schaut sich die Profile der Nutzer an und ordnet die Werbung den Profilen zu", sagte Joel Berger, Deutschland-Chef der weltgrößten Gemeinschaft. Als zweite Möglichkeit können sich Marken eigene Communities anlegen. "Unsere Nutzer können dann Freunde einer Marke werden und das ihren Freunden mitteilen. Dabei entstehen virale Effekte, die zwar noch eine geringe Reichweite, aber eine hohe Glaubwürdigkeit haben", sagte Berger.

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