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Internet : Blackberry schottet E-Mails ab

  • -Aktualisiert am

Die abgeschottete Kommunikation via Blackberry ist vielen Regierungen und Geheimdiensten ein Dorn im Auge Bild: AFP

Wirbel um Blackberry-Hersteller RIM: Lässt das Unternehmen Geheimdienste den E-Mail-Verkehr seiner Kunden sichten? RIM sagt nein: „Wir dementieren die Meldung, dass wir der indischen oder anderen Regierungen Einblicke in die Kommunikation unserer Kunden geben.“

          Der Blackberry-Hersteller Research in Motion (RIM) will Regierungen oder Geheimdiensten keinen Einblick in den E-Mail-Verkehr seiner Kunden gewähren. „Wir dementieren die Meldung, dass wir der indischen oder anderen Regierungen Einblicke in die Kommunikation unserer Kunden geben“, sagte ein Sprecher von RIM der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. In einem Brief an seine Kunden machte das Unternehmen deutlich, seinen Kunden weiterhin sichere Produkte anzubieten. Zuvor hatte eine indische Zeitung berichtet, RIM habe der indischen Regierung angeboten, binnen 15 Tagen Zugang zu allen Kunden-E-Mails zu gewähren und innerhalb von sechs bis acht Monaten Programme zu entwickeln, mit denen Chats überwacht werden können.

          Die abgeschottete Kommunikation via Blackberry ist vielen Regierungen und Geheimdiensten ein Dorn im Auge. Seit Terroristen während der Anschläge auf Hotels im Mumbai im Jahr 2008 Blackberrys nutzten, um sicher miteinander zu kommunizieren, mehren sich die Wünsche der Regierungen, den verschlüsselten E-Mail-Verkehr mitlesen zu können.

          Am Wochenende hatten die Vereinigten Arabischen Emirate gedroht, den Dienst von Blackberry am 11. Oktober abzuschalten, sollte die Regierung keinen Zugriff auf die verschickten E-Mails erhalten. Die Regierung hatte zuvor versucht, Spionagesoftware auf den Geräten zu installieren. Etisalat, das größte Mobilfunkunternehmen in den Emiraten, hatten den Nutzern von Blackberry im Land eine Softwareaktualisierung empfohlen, das aber nicht von RIM kam, sondern nur den Zweck hatte, den E-Mail-Verkehr mitzulesen. Der Versuch scheiterte allerdings. Auch Saudi-Arabien, Kuwait und Pakistan verlangen, Einblick in die Kommunikation zu bekommen.

          RIM ist in das Visier der Sicherheitsbehörden geraten, weil das Unternehmen ein Verfahren entwickelt hat, wie sich E-Mails gegen den Zugriff von außen sicher übertragen lassen. Im Gegensatz zu anderen internetfähigen Handys (Smartphones) werden alle von Blackberry gesendeten E-Mails verschlüsselt.

          Als besonders sicher gilt das Verfahren für Unternehmenskunden, mit dem RIM groß geworden ist. Dabei werden verschlüsselte Daten zwischen Endgerät und dem Rechner im Unternehmen ausgetauscht. Das Netzwerkzentrum von RIM, das für den europäischen Datenverkehr in London steht, leitet die Daten als Drehscheibe nur weiter, speichert sie aber nicht. RIM hat nach eigenen Angaben keinen Zugriff auf diese Kommunikation. Das Produkt für Privatkunden von RIM funktioniert anders. Dabei werden die Daten unverschlüsselt auf den Rechnern der E-Mail-Dienste gespeichert, wo Geheimdienste leicht zugreifen können, wenn die Gesetzeslage es zulässt.

          Die Situation ist sehr schwierig für RIM, da das Unternehmen als Wettbewerbsvorteil gegenüber dem iPhone des Konkurrenten Apple oder gegenüber Geräten mit dem Betriebssystem von Google, Android, meist die höhere Sicherheit nennt. Apple und Google haben RIM in den vergangenen Monaten schon kräftig Marktanteile abgenommen. Sollte das Sicherheitsargument wegfallen, könnte RIM weitere Marktanteile verlieren.

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