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Internet : Bildblog und Spreeblick führen Blog-Rangliste an

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Bildblog und Spreeblick sind die Blogs mit dem größten Einfluß in Deutschland. Viele Unternehmen bauen jetzt Monitoringsysteme für Blogs auf, weil sie ein authentisches Bild der Realität liefern sollen. Doch die Firmen machen kapitale Fehler im Umgang mit den Bloggern.

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          Bildblog, Spreeblick und Basic Thinking sind die Blogs mit dem größten Einfluß in Deutschland. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der amerikanischen Blog-Suchmaschine Technorati und der PR-Agentur Edelman. Als Maßstab für den Einfluß wurde die Zahl anderer Blogs oder Internetseiten herangezogen, die auf ein Blog verlinken, dessen Inhalt also als wichtig oder zumindest lesenswert erachten.

          Blogs, meist in Form privater Online-Journale, nehmen rasant zu. Mehr als 50 Millionen Blogs gibt es laut Technorati in aller Welt. "Die Zahl verdoppelt sich alle sechs Monate", sagte Technorati-Chairman Peter Hirshberg der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. "In Deutschland gibt es rund 150.000 Blogs, in die regelmäßig Beiträge eingestellt werden", schätzt Wolfgang Lünenberger-Reidenbach von Edelman.

          Technik, Tagebücher und Kultur

          Unter den 100 einflußreichsten Blogs befassen sich 25 mit Technikthemen, 22 sind private Tagebücher, zwölf beschäftigen sich mit Medien oder Öffentlichkeitsarbeit, elf haben Kultur oder Unterhaltung als Inhalt, und acht Blogs lassen sich über Politik aus.

          Peter Hirshberg, Chairman der Blog-Suchmaschine Technorati

          Was für die Blogger oft Freizeitbeschäftigung ist, wird für die Unternehmen zu einem wichtigen Thema. "Blogs haben für BASF zunehmende Relevanz, da sie uns ein authentisches Feedback geben. Sie gewinnen mehr und mehr an Gewicht im Vergleich zu den klassischen Medien. Wir beobachten daher nicht nur die Medien, sondern bauen - wie viele andere Unternehmen - zusätzlich ein Monitoring-System für Blogs auf", sagte Michael Scheuermann von BASF der F.A.Z. Wer Blogs ignoriere, sei schlecht beraten, auch wenn die Unternehmen diese neue Form der Kommunikation ernst noch erlernen müßten. "Da prallen zwei Kulturen aufeinander", sagte Scheuermann.

          Beobachtung für Unternehmen oft sehr schwierig

          Für die Unternehmen sind vor allem die mehr als 100.000 kleinen Blogs schwer zu übersehen, die zwar nur wenige Leser haben, sich aber oft sehr persönlich Themen widmen. Dieser "long tail" gewinnt im Marketing schnell an Bedeutung, da sich hier direkt mit Kunden kommunizieren läßt.

          Vielen deutschen Unternehmen ist das Phänomen der Blogs noch ganz fremd. "Deutschlands hinkt Amerika in Sachen Blogs um einige Jahre hinterher. In Amerika ist der Einfluß der Blogs auf die Kommunikation der Unternehmen schon viel größer als hier. Dort suchen die Öffentlichkeitsarbeiter das Gespräch mit Bloggern genauso wie mit Journalisten. Außerdem nutzen die Marktforscher die Blogs, um die Meinung ihrer Kunden ungefiltert zu erfahren", sagte Hirshberg.

          Der Umgang mit Blogs will gelernt sein

          In Deutschland reagieren die Unternehmen oft noch falsch, wenn sie kritische Blog-Einträge finden. "Leider schicken immer mehr Unternehmen ihre Anwälte los, um unliebsame Blog-Einträge zu verhindern", kritisiert Nico Lumma, der die Blog-Plattform Blogg.de betreibt. "Bevor Unternehmen anfangen, selbst zu bloggen oder Blog-Einträge zu kommentieren, sollten sie erst einmal zuhören, was in den Blogs über sie geschrieben wird", sagte Hirshberg.

          Ein Unternehmensblog mit offiziellen Stellungnahmen sei aber eine schlechte Idee. "Ein Unternehmensblog macht nur Sinn, wenn ein Meinungsführer dort wirklich Interessantes zu sagen hat." Die Unternehmen müßten schnell reagieren. "Wenn jemand über Technorati etwas in einem Blog schreibt, versuchen wir die ersten zu sein, die einen Kommentar dazu schreiben. Das schafft Glaubwürdigkeit", sagte Hirshberg.

          Organisieren statt kontrollieren

          Unternehmen können leicht die Kontrolle über ihre Kommunikation verlieren - und benötigen ihre PR-Agentur mehr als je zuvor, meint Hirshberg. "PR-Agenturen müssen sich aber umstellen. Wer alles kontrollieren möchte, dem stehen schwierige Zeiten bevor. Vielmehr müssen die PR-Leute heute Kommunikation organisieren können", sagte Hirshberg. Das gleiche passiere in der Werbung: "Die Werbewelt versteht jetzt, daß der Weg weggeht von 30-Sekunden-Fernsehspots zum Internet, wo es viel mehr auf Kommunikation ankommt.

          Aus diesem Grund stehen Online-Gemeinschaften wie Myspace zur Zeit so hoch im Kurs bei den Werbern. Dahinter steht ein Wertewandel: Die Menschen vertrauen Personen, die sie kennen, viel mehr als anonymen Organisationen oder Unternehmen. Die Werber haben gelernt: Die Menschen vertrauen einem Blogger, der über Kochrezepte bloggt, mehr als einem Fernsehsender, der Kochbücher anpreist", sagte Hirshberg.

          Allerdings sehen die Blogger ihren Einfluß als gar nicht so groß an. "Der Einfluß der Blogs auf Unternehmen wird überschätzt", sagte Johnny Haeusler, kreativer Kopf hinter dem Blog Spreeblick. Nur selten habe eine Blog-Geschichte wirklich großen Einfluß auf Unternehmen.

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