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Informationstechnik : „Jedes Jahr wären 50.000 neue Arbeitsplätze drin“

  • Aktualisiert am

„Wir brauchen mehr als 5 Prozent Wachstum” Bild: Jan Roeder FAZ

Willi Berchtold, Präsident des Branchenverbandes Bitkom, macht große Versprechungen hinsichtlich neuer Arbeitsplätze in der Branche. Sein Verband hat ein Programm vorgelegt, damit wahr werden kann, was so schön klingt.

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          Willi Berchtold, Präsident des Branchenverbandes Bitkom, macht große Versprechungen. 50.000 Arbeitsplätze könnten aus seiner Sicht jedes Jahr in der deutschen Informationstechnik- und Telekommunikationsbranche (ITK) entstehen. Voraussetzung dafür wäre, daß sich in den Unternehmen und der Wirtschaftspolitik einiges ändert. Der Verband hat dazu ein Zehn-Punkte-Programm erarbeitet. Berchtold stellt sich nach zwei Jahren als Bitkom-Präsident im Juni nicht mehr zur Wahl, da er in seinem Hauptberuf die Branche wechselt. Am 1. April wird er Finanzvorstand des Autozulieferers ZF Friedrichshafen.

          Warum spielt Deutschland in der IT-Branche im internationalen Wettbewerb kaum mehr eine führende Rolle?

          So will ich das nicht formulieren: Nach den Vereinigten Staaten und Japan sind wir weltweit die Nummer drei - noch. Aber klar ist, daß sich der Wettbewerb weiter verschärft. Deutschland ist in der Zange zwischen den amerikanischen Anbietern mit ihrer starken Technologie- und Lösungskompetenz und der wachsenden Zahl von innovativen asiatischen Produktanbietern.

          Sieht Deutschland in der asiatisch-amerikanischen Zange: Berchtold

          Ein Handelsbilanzdefizit von 7,4 Milliarden Euro im Jahr 2003 spricht gegen die deutsche ITK-Branche. Sind wir auf ausländische Produkte angewiesen, weil unsere eigenen nicht gut genug sind?

          Die Grundsubstanz ist ja da. Es gibt hervorragende deutsche Unternehmen, die international erfolgreich sind. Aber wir brauchen insgesamt mehr Innovationen für die Weltmärkte und eine stärkere Kooperation zwischen dem Mittelstand und der Großindustrie. Einige wenige können es nicht schaffen.

          Das Zehn-Punkte-Programm des Bitkom ist mit dem Titel überschrieben: "Deutschland an die Spitze bringen!" Ist das wirklich ernst gemeint?

          Ja, natürlich. Die ITK ist eine Schlüsselindustrie für die kommenden Jahrzehnte. Wenn wir hier nicht international mitspielen, werden wir den Wohlstand in unserem Land nicht halten. Und die Chancen, ganz vorn mitzuspielen, haben wir. In unserer Branche sehen wir alle fünf bis zehn Jahre große Technologiesprünge. Das heißt, wir müssen uns heute auf die Technologiefelder von übermorgen setzen.

          Welche neuen Trends erkennen Sie?

          In den Wohnzimmern geht es vor allem um das interaktive, digitale Fernsehen und die Vernetzung von PC, Fernsehen und Haustechnik. Das Stichwort heißt "digital home". Auch die Breitbandtechnik und mobile Datenkommunikation schaffen ganz neue Anwendungsfelder. Darüber hinaus hält die ITK Einzug in das Bildungs- und Gesundheitswesen sowie in die öffentliche Verwaltung.

          Aber die Panne von Toll Collect und die große Verzögerung haben doch eher dem Ruf deutscher Technik geschadet.

          Das sehe ich nicht so. Toll Collect hat unter einem zu ehrgeizigen Zeitplan gelitten. Aber jetzt funktioniert das System und kann zum Exportartikel werden, weil es eben viel mehr kann, als nur Gebühren zu erfassen. Die deutsche Industrie hat hier gezeigt, daß sie die Fähigkeit zur Technologieführerschaft besitzt.

          Toll Collect ist ein Konsortium von Konzernen. Hat der Mittelstand überhaupt genügend Kapital für große Forschungs- und Entwicklungsprojekte?

          Das ist in der Tat die Achillesferse. Der Mittelstand braucht Kapital von Privaten und der öffentlichen Hand mit langem Atem zur Finanzierung von Innovationen. Damit können wir verhindern, daß die Kompetenz erfolgreicher junger Unternehmen zu schnell ins Ausland abfließt. Nur dann können vielversprechende Technologiefelder längerfristig in Deutschland entwickelt werden.

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