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Informations-Technologie : Teures Indien

Bild: F.A.Z.

Bislang galt Indien als günstiger Standort für die IT-Branche. Doch die Löhne für Spezialisten steigen in Indien rasch. Viele Anbieter liebäugeln vor allem mit China. In wenigen Jahren dürfte Schanghai dem indischen Bangalore den Rang ablaufen.

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          Rasch steigende Löhne und Gehälter, die immer stärkere Währung und das Infrastrukturchaos in Indien gefährden das Wachstum der Informationstechnologie (IT), bislang das Aushängeschild des indischen Wirtschaftsaufschwungs. Indiens IT-Zentren, allen voran Bangalore, geraten unter Druck von konkurrierenden Standorten. Gewinner könnte vor allem China sein. Aber selbst das kalifornische Silicon Valley erscheint Investoren vor dem Hintergrund steigender Preise in Indien wieder attraktiver.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Auf mittlere Sicht dürfte die chinesische Wirtschaftsmetropole Schanghai Bangalore den Rang ablaufen. Derzeit sind mit Bangalore, Neu-Delhi und Bombay (Mumbai) noch drei indische Städte und ist mit Dalian nur eine chinesische Stadt unter den besten fünf Metropolen der Outsourcing-Branche. In nur einigen Jahren wird sich das Blatt zugunsten Chinas gewendet haben: Dann sind mit Schanghai, Dalian und Peking drei chinesische Städte unter den ersten fünf. Zu diesem Ergebnis kommt das Forschungsinstitut IDC in seiner jüngsten Studie. Darin werden 35 Standorte für Ausgliederung von Geschäftsprozessen (Outsourcing) verglichen.

          Für kleine Firmen lohnt sich Indien nicht mehr

          Zu den Maßstäben zählten Arbeitskosten, Immobilienpreise, aber auch Sprachvermögen, sagt Conrad Chang, Forschungsdirektor für IDC in Asien. „Schon heute besitzt China im Outsourcing-Geschäft eine starke Bindung zu Japan und Korea, Märkten, in denen die Inder immer Probleme hatten“, sagt Chang. Auch hätten die Chinesen genau studiert, wo die Vorteile Indiens lägen, und vieles davon kopiert, ohne freilich die Fehler zu wiederholen. So stelle China - gerade im Gegensatz zu Indien - heute oftmals eine hervorragende Infrastruktur zur Verfügung, vom Hochtechnologie-Park über Breitbandkabel bis zur sicheren Stromversorgung.

          Doch wächst die Konkurrenz nicht nur in China: „In Zukunft werden eine ganze Reihe von Schwellenländern im unteren Bereich der IT-Dienstleistungen mit Indien und China konkurrieren. Zu ihnen zählen wohl Malaysia, Brasilien und Vietnam genauso wie Russland, Ungarn und Polen“, heißt es in einer gerade vorgelegten Studie der Business Software Alliance, die die Economist Intelligence Unit durchgeführt hat. Doch selbst der entwickelte Standort Amerika macht wieder Punkte: Denn gute indische Ingenieure kosten heute schon etwa 75 Prozent ihrer Kollegen in Amerika. Dafür aber lohnt gerade für kleinere Firmen das „Experiment Indien“ nicht mehr.

          Größter Software-Anbieter verkündet Rückgang

          Schon schwächt sich das Wachstumstempo von Indiens Vorzeigebranche - auf sehr hohem Niveau - langsam ab: Für dieses Fiskaljahr (31. März) rechnet der Industrieverband nur noch mit einem Zuwachs der IT-Dienstleistungsexporte zwischen 26 und 29 Prozent auf einen Wert von dann etwa 40 Milliarden Dollar. Im vergangenen Jahr hatte die Wachstumsrate noch bei 33 Prozent gelegen.

          Indiens größter Software-Anbieter, Tata Consultancy Services (TCS), verkündete zu Wochenbeginn aufgrund der starken Währung und steigender Gehälter einen Rückgang der Marge vor Abschreibung, Steuern und Zinsen von 25,6 auf 23 Prozent für das letzte Quartal seines Geschäftsjahres (31. März). Die Währung kostete das Unternehmen 258 Basispunkte beim operativen Gewinn, die anziehenden Löhne weitere 208 Basispunkte. In der Branche heißt es, ein einprozentiger Kursanstieg der Rupie verringere die Gewinnspannen indischer Export-Unternehmen um bis zu einen halben Prozentpunkt.

          Gehaltskosten ziehen um bis zu 15 Prozent an

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