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Im Porträt: Max Schautzer : Der Senior

Max Schautzer mit hochtrabenden Plänen Bild: Andreas Müller - F.A.Z.

Jahrzehntelang war er eine Stütze von ARD und ZDF. Dann wurde er zu alt. Jetzt bastelt er an einem eigenen TV-Sender extra für die Alten. Für seine Fans ist Max Schautzer der perfekte Gentleman, für seine Kritiker der Ober-Langweiler.

          Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk auch nicht mehr das ist, was er mal war (hilfreich, edel, gut, kalkulierbar), wurde Max Schautzer spätestens am 2. Februar 2004 klar. Es war ein Montag auf der Autobahn, da rief SWR-Unterhaltungschef Rainer Matheis an. Der kam bei Tempo 140 rasch und ohne Vorwarnung zum Punkt. Man werde Schautzers Familienshow „Immer wieder sonntags“ weiterführen. Aber ohne ihn. Er sei zu alt. Hoffentlich nehme er diese Entscheidung wie ein Gentleman auf, wünschte sich Matheis am Ende noch. Schautzer musste am nächsten Parkplatz erst einmal rechts ranfahren und tief durchatmen.

          Thiemo Heeg

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Auf den ersten Blick nichts Besonderes im hektischen TV-Geschäft. Schauspieler, Moderatoren, sie kommen und gehen. Stimmen die Quoten nicht, sind Sendungen schneller vom Bildschirm verschwunden, als sich die Macher versehen. Manche Projekte laufen einmal als Pilotsendung und dann nie wieder. Bei Schautzer stimmten die Quoten meistens. Auch im Fall der Sonntags-Show ließ sich mit mangelndem Publikumsinteresse schlecht argumentieren. Matheis attestierte Schautzer öffentlich eine „gute Arbeit“. Aber man wolle die Sendung verjüngen: Den Part des damals 63-Jährigen nahm nun ein 26-Jähriger ein, der Soap-Schauspieler Sebastian Deyle.

          Feldzug gegen den „Jugendwahn“

          Gewiss hatten die Programmmacher geglaubt, der ungekrönte König des Friede-Freude-Eierkuchen-Fernsehens („ARD-Wunschkonzert“, „Die goldene Eins“) werde sich ohne großes Aufhebens still in sein Schicksal fügen. Aber nun war es bei Schautzer mit der Harmonie vorbei. Der notorisch gutgelaunt wirkende Bambi-Preisträger führt seitdem einen medialen Feldzug gegen den „Jugendwahn“ in Deutschland. Vorläufiger Höhepunkt: die Ankündigung kurz vor Weihnachten, noch 2007 einen eigenen „Fernsehsender für die zweite Lebenshälfte“ auf die Beine zu stellen.

          Max Schautzer mit Verona

          Max Schautzer war über fast vier Jahrzehnte eine der festen Stützen des öffentlich-rechtlichen Fernsehsystems. Wer mit ihm redet, bekommt Anekdoten aus der guten alten Zeit serviert; einer Zeit, als die Protagonisten noch Werner Höfer, Hans Rosenthal und Lou van Burg hießen. „Feuerwehrmann der ARD“ nannte man ihn: Er moderierte alles, ob Wiener Opernball, ob Kölner Karneval, ob Hilfsshows zur „Jahrhundertflut“ 1997. Und meist hatte er Erfolg: Der Dauerbrenner „Pleiten, Pech und Pannen“ lief von 1986 bis 2003.

          „Einer der letzten Fernsehdinosaurier“

          Die Fans loben ihn als vollendeten Gentleman, die Gegner geißeln ihn als typischen Vertreter gepflegten Wohnzimmer-Einerleis. „Kein Moderator ist langweiliger als er“, ätzen Kritiker und stellen auf der Suche nach Max Schautzers Geheimnis fest, dass es eigentlich kein Geheimnis gibt: „Er ist einer der letzten öffentlich-rechtlichen Fernsehdinosaurier.“ Und er habe sich seine ökologische Nische gesucht, indem er Sachen moderiere, die kein anderer wolle.

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