https://www.faz.net/-gqe-71b6t

Im Gespräch: Stefan Winners : „Werbung auf Facebook funktioniert derzeit nicht“

  • Aktualisiert am

Stefan Winners, Chef von Tomorrow Focus Bild: Unternehmen

Bei der mobilen Werbung sieht der Vorstandschef von Tomorrow Focus die sozialen Netzwerke noch nicht als Konkurrenz. Er selbst will sein Unternehmen mit der gerade gekauften Reiseplattform Zoover voranbringen.

          Herr Winners, Sie haben am Dienstag 21 Millionen Euro in die niederländische Reiseplattform Zoover investiert. Was versprechen Sie sich von dem Geschäft?

          Wir haben mit Zoover ein sehr internationales Reisebewertungsportal gekauft, mit dem wir unser eigenes Angebot Holidaycheck ideal ergänzen können. Dazu haben wir nun mit Weer Online ein Wetterportal. Wir hatten vor zwei Jahren versucht, im Wetterbereich zuzukaufen, was uns damals nicht gelungen ist. Jetzt können wir auf unseren Seiten wie holidaycheck.de Wetterinformationen ausspielen und haben dazu die Möglichkeit, aus Wetter, Reise oder Nachrichten ein Thema zu bauen.

          Wie wird die Übernahme die Lage auf dem europäischen Markt für Reisebewertungsportale verändern?

          Unser Wettbewerber ist weiterhin Trip Advisor. Wir werden in den Niederlanden und Deutschland aber nun eine klar marktführende Stellung einnehmen.

          Sie haben mit 51 Prozent die Mehrheit an Zoover erworben. Werden Sie auch den Rest übernehmen?

          Wir haben mit den Gründern erfolgsabhängige Earn-Out-Klauseln vereinbart: Wenn das Geschäft gut läuft, werden wir die restlichen Anteile bis 2017 für 10 Millionen bis 45 Millionen Euro übernehmen.

          Mit der Übernahme investieren Sie noch einmal in Ihr Reiseempfehlungsportal Holidaycheck, in das Sie schon viel Geld gesteckt haben.

          Das ist richtig. Das Unternehmen macht dieses Jahr aber auch einen Umsatz von fast 80 Millionen Euro und wächst trotz hohem Wettbewerbsdruck deutlich zweistellig. International haben wir durch organisches Wachstum noch nicht die kritische Größe erreicht, obwohl wir seit 2008 fast 18 Millionen Euro investiert haben, davon alleine 6 Millionen Euro in diesem Jahr. Mit dem Zukauf von Tjingo sowie Zoover kaufen wir jetzt profitable Unternehmen, die schon signifikante Ergebnisbeiträge erzielen. Dadurch wollen wir schneller international wachsen.

          Vor der Verschmelzung: Die Reiseportale Holidaycheck und Zoover

          Möglicherweise schlittert die Wirtschaft in Europa in eine leichte Rezession. Merken Sie das an Ihrem zweiten Standbein, der Anzeigenvermarktung?

          Nein. Wir sind im ersten Halbjahr bei den Online-Anzeigen um 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahreshalbjahr gewachsen. In der Breite entwickelt sich das Geschäft weiterhin sehr gut, jedoch sind einzelne Branchen, etwa die Finanzindustrie, momentan verhalten bei Werbeausgaben. In Summe aber profitieren wir von der Verlagerung von Werbebudgets ins Netz.

          Wie entsteht das Wachstum im Online-Werbegeschäft genau?

          Die Internetnutzung nimmt weiter zu. Im Moment verlagert sich die Nutzung des Internets signifikant - vom stationären Internet am PC auf mobile Geräte. Optimierte Nachrichtenseiten haben inzwischen bis zu 50 Prozent mobilen Traffic, E-Commerce-Seiten bis zu 30 Prozent. Die Menschen nutzen ihr iPad oder Smartphone, lesen Nachrichten und kaufen auch zunehmend Reisen oder Produkte. Wenn Sie dann die Plattformen auf mobile Geräte hin optimieren, können Sie Reichweite und Monetarisierung überproportional steigern.

          Aber auch andere versuchen gerade in mobiler Werbung voranzukommen, beispielsweise die sozialen Medien Twitter und Facebook. Spüren Sie deren Atem schon im Nacken?

          Jeder hat mobile Seiten. Und de facto ist es so, dass diejenigen, die auf den stationären Seiten unsere Wettbewerber sind, auch im mobilen Bereich mit uns konkurrieren. Unser mobiler Traffic wächst signifikant, und diese Reichweite können wir sehr gut vermarkten.

          Sie haben schon vor einiger Zeit das Werbemodell von Facebook angezweifelt. Gilt das immer noch?

          Ja. Auch durch den Börsengang von Facebook hat sich unser Stand nicht viel verändert. Wir sind im deutschen Internet mit Tomorrow Focus einer der größten Werbetreibenden - und wir versuchen, unser Geld möglichst effizient auszugeben. Wir müssen leider unverändert feststellen, dass Facebook-Werbung nicht funktioniert. Sie funktioniert nicht in Form von Umsätzen, die durch Facebook bei uns entstehen, sie funktioniert auch nicht in Form von messbarer Markenbildung.

          Wird das so bleiben?

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Bereits ab 14.00 Uhr könnte die gefühlte Temperatur über 32 Grad liegen, dann herrscht Warnstufe 2. (Archivbild aufgenommen in Berlin)

          Deutscher Wetterdienst : Hitzewarnung für Deutschland

          Der Deutsche Wetterdienst rechnet ab Montag mit ersten Hitzewarnungen. Ab Mittwoch soll dann ganz Deutschland von einer Hitzewelle erfasst werden. Besonders Kinder, alte und kranke Menschen sind durch die hohen Temperaturen gefährdet.
          Laurel Hubbard sahnt ab – das freut aber nicht jeden bei den Pazifik-Spielen.

          Gold bei Pazifik-Spielen : Aufregung um eine zu starke Neuseeländerin

          Bei den Pazifik-Spielen auf Samoa gibt es nicht nur den Premierminister in Aktion zu bestaunen. Für großen Trubel sorgt Laurel Hubbard, die zwei Goldmedaillen holt – sehr zum Unmut des Publikums. Was war passiert?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.