https://www.faz.net/-gqe-t304

„iCloud“ : Der Lehrer folgt seinen Schülern

Steve Jobs vor einer Projektion seines neuen Rechenzentrums in North Carolina Bild: dapd

Jetzt geht auch Apple in die digitale Datenwolke Cloud. Andere waren schneller als Steve Jobs. In Ohio gibt es schon einen Schulbezirk, der seine Schüler die Cloud-Revolution erleben lässt.

          6 Min.

          Ohne große Dieselmotoren läuft im Silicon Valley nichts mehr. Am allerbesten läuft es aber, wenn die grünen Dieselmaschinen des amerikanischen Herstellers Cummins gar nicht laufen. Denn wenn die Hightechregion der Welt auf Dieselbetrieb umschaltet, droht etwas heißzulaufen – und damit sind nicht die schweren Dieselaggregate hinter den Stahltüren gemeint, die einer der Chefs der Rechenzentren von Netapp, eines führenden amerikanischen Herstellers von Speicherrechnern, soeben geöffnet hat: „Die haben wir noch nie gebraucht“, sagt er mit Blick auf die blitzblanken Aggregate in der Größe eines Schiffsdiesels. „Aber wir müssen sie im besten technischen Zustand halten. Wenn es darauf ankommt, müssen sie sofort anspringen.“

          Denn wenn die Technik aus dem vergangenen Jahrhundert, also der (Diesel-)Motor der traditionellen Industrie, gebraucht würde, dann wäre bei Netapp die normale Stromversorgung für die hauseigenen, hochmodernen Rechenzentren des 21. Jahrhunderts gerade zusammengebrochen – und schneller Ersatz müsste her, vorübergehend mit Dieselantrieb. Der muss dann die aufwendige Kühlung der zahlreichen Speicher- und Netzwerkrechner (Server) aufrechterhalten. Die sind in den sogenannten „Racks“ untergebracht, die hier bei Netapp in der kalifornischen Valley-Gemeinde Sunnyvale, aber eben auch an immer mehr anderen Orten in Kleiderschrankgröße und in langer Reihe nebeneinander stehen, um die stetig wachsende digitale Datenmenge der Welt dezentral – und damit künftig möglichst auch energieeffizienter – zu speichern.

          Apple springt verspätet auf den Zug

          Für das, was in den eigentlich langweiligen Rechenzentren passiert, gibt es einen Begriff, der in der Welt der Informationstechnologie (IT) seit knapp zwei Jahren immer schneller die Runde macht: Denn die Diesel halten im Notfall die „Cloud“ am Leben. Und kein Geringerer als der Apple-Mitbegründer und Vorstandsvorsitzende Steve Jobs hat der Cloud auf großer Bühne in dieser Woche seinen magischen Werbebuchstaben „i“ vorangestellt. Damit wird die Cloud begrifflich auf eine Stufe mit den Massenphänomenen iPod, iPhone und iPad gehoben. Mit Jobs’ neuer iCloud dürfte der Fachbegriff, der bisher nur Computerfans alter Schule elektrisieren konnte, in den kommenden Monaten im Bewusstsein breiter Bevölkerungsschichten ankommen. Prompt ließ auch Jobs hinter sich große Bilder des Rechenzentrums projizieren, das eigens für rund 1 Milliarde Dollar in North Carolina für die Aufnahme der Apple-Datenwolke gebaut worden ist. Wenn im Herbst alles läuft, dann legt auch Apple die Musik, die man bisher auf seinem eigenen Personalcomputer hüten musste, in die Cloud, die E-Mails, die man über sein Telefon verschickt, die Kontrakte, die dort gespeichert sind, die Fotos – und vieles, vieles mehr. Das kann und wird dann sogleich mit den übrigen elektronischen Geräten von Apple synchronisiert werden, die der Mensch in stetig steigender Zahl bei sich trägt – und natürlich auch noch mit dem Personalcomputer daheim, der aber zunehmend ein Nischendasein fristet. „Wir reduzieren den Personalcomputer auf die Rolle, nur noch ein Gerät unter anderen zu sein.“ So hat es Jobs in seiner Präsentation zu Beginn der Woche beschrieben, in San Francisco, keine Fahrstunde von den grünen Dieselaggregaten in Sunnyvale entfernt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.