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IBM-Supercomputer : „Watson“ analysiert künftig Twitter

Der als „Watson“ bekannte Supercomputer von IBM. Bild: AP

IBM und Twitter wollen in der Auswertung von Daten gemeinsame Sache machen. Der Supercomputer Watson soll die täglich etwa 500 Millionen Tweets durchforschen – und Unternehmen wertvolle Informationen liefern.

          Daten sind das neue Öl – dieser Spruch kursiert in der Informationstechnologie schon länger. Spätestens mit der Möglichkeit, massenweise Daten in Echtzeit zu analysieren, verstehen die Menschen, was damit gemeint ist: „Big Data“ ist das Stichwort, das das Verhalten der Kunden transparent und die Anbieter nahezu allwissend machen soll. In der Theorie klingt das gut, aber in der Praxis stellen sich viele Fragen: Welche Daten sind relevant? Und wie muss man die Fragen eigentlich formulieren, um von den Daten die Antworten zu bekommen, die im Geschäft auch wirklich weiterhelfen?

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Antworten darauf suchen der Kurznachrichtendienst Twitter und der amerikanische Computerkonzern IBM künftig gemeinsam. Denn die beiden Unternehmen wollen in der Auswertung von Daten gemeinsame Sachen machen. IBM will die Informationsflut des Kurznachrichtendienstes künftig mit seiner Analyse-Software durchforschen, um bestimmte Trends aufzuspüren.

          In einem Blogbeitrag kündigte IBM an, den täglichen „Tsunami“ von etwa 500 Millionen Tweets anzuzapfen, um Kunden wie Banken, Reiseanbietern oder Einzelhändlern einen schnellen Überblick über aktuelle öffentliche Debatten, Meinungen und Ideen liefern zu können. Twitter wurde im Jahr 2006 gegründet und ist eines der am schnellsten wachsenden sozialen Netzwerke im Internet. Die Online-Plattform hat nach eigenen Angaben fast 300 Millionen aktive Nutzer.

          Watson soll die Daten auswerten

          Eine wichtige Rolle soll dabei offenbar dem IBM-Supercomputer Watson zukommen, der wegen seiner starken Rechenkraft enorm große Datenmengen auswerten kann, beziehungsweise der Analyseplattform „Watson Analytics“. Twitter wiederum teilte in seinem Blog mit, die Allianz solle Unternehmen dabei helfen, sich ein besseres Bild über ihren Ruf und ihre Aktivitäten zu machen. Sie könnten zum Beispiel Fragen wie „Was mögen Kunden am meisten an unseren Produkten?“ in die Analyse-Software von IBM eingeben und Auskunft erhalten. Zu den finanziellen Modalitäten der Vereinbarung wurden von Twitter und IBM keine Angaben gemacht.

          Der Brancheninformationsdienst Zdnet sieht darin ein Beispiel, wie Twitter sein Geschäftsmodell weiterentwickeln könnte: Außer mit Werbung könnte es künftig verstärkt mit sogenannten Backend-Daten Geld verdienen. Dazu arbeite das Unternehmen auch mit anderen Unternehmen wie Dataminr zusammen, die aus den riesigen Datenmengen bestimmte prozessfähige Informationen herausfiltern. Neben IBM gibt es auch schon lange Vereinbarungen von Twitter mit Werbeagenturen, die die Erkenntnisse für ihre Arbeit nutzen. Geplant ist, IBM-Berater gezielt im Umgang mit diesem Datenmaterial zu schulen und ihnen damit einen Vorsprung gegenüber der Konkurrenz zu geben. Die Partnerschaft der beiden Konzerne werde die Art verändern, wie geschäftliche Entscheidungen getroffen werden, versprach Twitter in der im amerikanischen Geschäftsleben typischen, etwas großspurigen Art.

          Die Kommunikation auf Twitter erfolgt grundsätzlich über sogenannte Tweets. Diese Texte mit maximal 140 Zeichen Länge sind für jedermann lesbar, also auch für Internetnutzer, die nicht bei Twitter angemeldet sind. Wichtig für das Nutzererlebnis von Twitter ist es aber, dass die Tweets in erster Linie den Abonnenten (den „Followern“) der Twitter-Nachrichten eines Benutzers angezeigt werden, die sich dadurch einen personalisierten Nachrichtenstrom zusammenstellen können.

          Über Schnittstellen erlaubt Twitter die Integration der Nachrichten in andere Anwendungen, die nicht nur privater Natur sein müssen. Beispielsweise ist Twitter auch in die Programme des Unternehmens Salesforce.com eingebunden, die dem Management von Kundenbeziehungen dienen. Auf den Aktienkurs von Twitter hatte die Ankündigung der Zusammenarbeit noch keinen positiven Einfluss. Im Gegenteil gab der Kurs am Donnerstag im Verlauf leicht nach.

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