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HTC Touch Diamond : Das iPhone und sein schärfster Konkurrent

Mit dem Finger wählen: HTC Touch Diamond Bild: Hersteller

Am Freitag kommt das neue iPhone in den Handel. Doch die Konkurrenz hat schon heute einige Handy-Alternativen zu bieten. Die beste heißt HTC Touch Diamond und kommt aus Taiwan - ein Mobiltelefon, das wie das Apple-Gerät mit den Fingern zu bedienen ist und mit einem tollen Display betört.

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          Bei Handys oder Taschencomputern mit Windows Mobile scheiden sich die Geister. Die einen - sie gehören in die Kategorie der technikaffinen Bastler - sind hellauf begeistert ob der vielen Funktionen, Möglichkeiten und Zusatzprogramme. Die anderen spotten über das hoffnungslos überladene und in der Bedienung inkonsistente Microsoft-Produkt, das nur schwer mit einer Hand zu bedienen ist. So wundert kaum, dass die großen Hardware-Hersteller fortwährend versuchen, die Braut hübsch zu machen. Der taiwanische Hersteller HTC hat dabei in der Vergangenheit viel Geschick bewiesen, das kleine HTC Touch war ein großer Erfolg.

          Michael Spehr
          (misp.), Technik & Motor, Wirtschaft

          Nun präsentiert das Unternehmen mit dem Touch Diamond ein Hightech-Gerät, das ein Meilenstein ist. Es ist kleiner als die meisten Oberklasse-Handys (5,1 × 10 × 11,4 Zentimeter), bietet aber Vollausstattung mit UMTS und HSDPA, Wireless-Lan, Bluetooth und 3,1-Megapixel-Kamera. Das haben andere auch, spektakulär indes sind das brillante Display mit einer Diagonale von 7 Zentimeter und einer Auflösung von 640 × 480 Pixel und der in diesem kleinen Gehäuse eingebaute Assisted-GPS-Empfänger. Als Betriebssystem dient das ganz neue Windows Mobile 6.1, und zusätzlich gibt es von HTC die Bedienungsoberfläche Touch Flo 3D, die wie das iPhone von Apple mit einer Fingersteuerung arbeitet.

          Flink mit dem Finger durch die Liste...

          Das Gehäuse mit seinen abgeschrägten Ecken wirkt in seiner Schlichtheit sehr elegant, wenngleich die rückseitige Akku-Abdeckung aus billigem Plastik besteht und Fingerabdrücke sofort aufnimmt. Als Anschluss nach außen gibt es nur eine Mini-USB-Buchse, die Ladekabel, Ohrhörer und PC-Verbindungskabel gleichermaßen aufnimmt. Ein wechselbares Speichermedium ist nicht vorgesehen, vielmehr hat der Diamond gleich vier Gigabyte Speicher neben 192 Megabyte RAM fest eingebaut.

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          Steve Jobs hat schon eines, alle anderen müssen bis Freitag auf das neue iPhone 3G warten. Oder sie kaufen bei der Konkurrenz ein : Bild: AFP

          Unterhalb der Anzeige, die sich auch draußen in sehr heller Umgebung stets einwandfrei ablesen lässt, liegen berührungsempfindliche Tasten rund um ein 4-Wege-Tastenelement, das in der Mitte einen Bestätigungsknopf hat. Fährt man mit dem Finger in einer Drehbewegung über dieses originelle Bedienelement, lassen sich damit in einigen (aber nicht allen) Programmen Funktionen aufrufen, etwa im Opera-Browser der Bildschirmzoom.

          Was die Handhabung betrifft, muss man zwischen Touch Flo 3D und Windows unterscheiden: Mit dem HTC-Zusatzprogramm (das sich auch deaktivieren lässt) kann man Internet-Browser, E-Mail, Musik und Fotos sowie den Heute-Startbildschirm kontrollieren. Bei Fotos und Musik lässt sich à la iPhone flink mit dem Finger durch die Liste der Aufnahmen rollen, in der E-Mail-Abteilung gucken die neuen Nachrichten herzallerliebst aus einem geöffneten Briefumschlag hervor. Also alles wie beim iPhone?

          ...aber manchmal kommt wieder der Stift zum Einsatz

          Nein, in den Kernbereichen des Betriebssystems landet man dann doch wieder auf der Windows-Oberfläche, wobei manchmal die Fingersteuerung funktioniert, aber nicht mit allen Gesten auf dem Display, häufig jedoch auch nicht, und dann kommt doch wieder der seitlich verstaute Stift zum Einsatz. Kurzum: Während das iPhone bis ins Detail einer einheitlichen Logik folgt, fragt man sich beim Diamond immer wieder, was jetzt wie zu machen ist. Zudem ist Touch Flo 3D recht langsam.

          Wir haben Touch Flo 3D nach kurzer Zeit ausgeschaltet und erhielten dann ein Windows-Mobile-Gerät, das sehr zu gefallen wusste. Die Ausstattung ist reichhaltig und gut, die Anbindung an einen Exchange-Server funktioniert prima, und wer unterwegs E-Mails schreiben will, kann nach eigenem Gusto zwischen verschiedenen virtuellen Keyboards, drei Handschrifterkennungen und T9 sowie einer Wortergänzung wählen. Eine You-Tube-Software zeigt Videos aus dem Internet, der eingebaute RSS-Reader überzeugt.

          Pfiffige Details kommen dazu: Der eingebaute Bewegungssensor dreht den Bildschirm automatisch mit dem Handy ins Querformat. Aber nicht nur das. Liegt das Gerät mit dem Display nach oben auf dem Tisch und geht ein Anruf ein, muss man den Diamond nur umdrehen, um den Klingelton vorübergehend auszuschalten. Oder: Mit dem Herausnehmen des Stifts aus seiner Halterung wird das Gerät automatisch entsperrt.

          Die Kamera enttäuscht, genauso wie der Akku...

          Für den Aufruf von WWW-Seiten steht neben dem Internet- Browser auch das Programm Opera zur Verfügung. Letzteres hat viele Vorzüge, zeigt beispielsweise ganze Seiten in iPhone-Manier relativ schnell an, ist aber - wir haben beide an einem W-Lan-Router verglichen - doch nicht so flink wie der Safari-Browser des Apple-Kleinods, nicht so intuitiv zu bedienen und bisweilen geradezu zickig. Trotzdem ist der Diamond besser als die meisten anderen Geräte für das mobile Internet gerüstet.

          Wie gut ein Navigationssystem auf dem Diamond arbeitet, konnten wir bisher nicht ausprobieren. Im Lieferumfang ist lediglich das kostenlose Google Maps enthalten. Es arbeitet mit dem eingebauten Satellitenempfänger einwandfrei, und die GPS-Ortung ist selbst unter schwierigen Bedingungen sehr ordentlich. Also gute Voraussetzungen, dass demnächst ein Tom Tom hier seinen Einsatz mit Bravour erledigt. Enttäuschend dann die eingebaute Kamera: Selbst Außenaufnahmen bei guter Beleuchtung sind nur ausreichend. Die Fotos wirken aufgebläht, verschleiert, sind von Artefakten durchsetzt und trotz (langsam arbeitendem) Autofokus tendenziell unscharf.

          ...trotzdem ist es ein faszinierendes Gerät

          Einen langen Atem hat der Touch Diamond leider nicht. Wie bei allen Windows-Mobile-Geräten und den Top-Modellen mit vergleichbarer Ausstattung von Nokia gilt: Der Akku hält gerade mal 15 Stunden durch. Schon bei mittelmäßiger Nutzung muss er also jeden Abend an die Steckdose. Der Einsatz von GPS zieht den Akku besonders schnell leer. Wer jedoch darauf sowie auf mobile Datenübertragung verzichtet, kann mit längeren Laufzeiten rechnen. Alles in allem ist der Touch Diamond für rund 500 Euro ungeachtet der erwähnten kleinen Mängel ein faszinierendes Produkt und gewiss eines der besten Windows-Mobile-Geräte auf dem Markt.

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