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Halbleiter : Infineon erwägt Trennung von Speicherchips

  • Aktualisiert am

Chipherstellung bei Infineon Bild: dpa/dpaweb

Europas größter Halbleiterkonzern Infineon bereitet einen möglichen Börsengang seiner Speicherchip-Sparte vor. Eine Emission sei für den Herbst geplant. Eine Werbeagentur ist schon eingeschaltet.

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          Der Münchner Infineon-Konzern zieht einen Börsengang seiner Speicherchipsparte im kommenden Herbst in Erwägung. Nach Informationen dieser Zeitung hat die Düsseldorfer Werbeagentur Pleon in dieser Woche von dem Unternehmen den Zuschlag erhalten, um einen solchen Schritt zu begleiten. Andere Möglichkeiten einer Trennung wären die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens für Speicherchips mit einem Partner oder ein Verkauf an eine Beteiligungsgesellschaft (Private-Equity), wie es in der Branche heißt. "Ein Börsengang ist aber die bevorzugte Variante." Offen blieb zunächst, ob Infineon auch überlegt, die Sparte abzuspalten und an die Aktionäre Anteilsscheine auszugeben, wie es zum Beispiel Bayer mit Lanxess gemacht hat.

          Ein Sprecher von Infineon bestätigte, daß sein Konzern seit kurzem mit Pleon zusammenarbeitet. "Das ist aber nichst Ungewöhnliches für ein Unternehmen." Es gebe viele Themen für eine Agentur. Eine Stellungnahme zu den Spekulationen über einen Börsengang der Speicherchipsparte lehnte er ab. Die Nachrichtenagentur Reuters zitierte einen mit dem Vorgang vertrauten Manager mit den Worten: "Die Überlegungen gehen über das erste Stadium bereits hinaus." Die Deutsche Presse-Agentur berichtete, Ende Juli solle sich der Aufsichtsrat mit dem Thema befassen.

          Alter Plan Schumachers

          Schon der im März des vergangenen Jahres zum Rücktritt aufgeforderte Infineon-Vorstandsvorsitzende Ulrich Schumacher hatte Börsenpläne für die Speicherchips verfolgt. Der Umsatz des zuletzt wieder an die sechste Stelle der weltgrößten Halbleiterhersteller zurückgefallenen Unternehmens würde mit der Trennung vom größten Geschäft auf einen Schlag um 40 Prozent schrumpfen. Allerdings bestünde die Chance, daß sich dann die Ergebnisschwankungen des Konzerns abflachen. Das Geschäft mit den Standardspeicherchips (D-Rams) reagiert besonders anfällig auf Schwankungen von Nachfrage und Angebot.

          Die Idee hatte Schumacher auch schon mal
          Die Idee hatte Schumacher auch schon mal : Bild: dpa

          Die Spekulationen trieben den Kurs der Infineon-Aktie am Donnerstag zweitweise um fast 5 Prozent nach oben. Erstmals seit Anfang März notierte sie wieder über dem von Analysten geschätzten Buchwert von 8 Euro je Aktie. Zweitgrößter Gewinner im Deutschen Aktienindex war Siemens. Die ehemalige Muttergesellschaft hält noch rund 18 Prozent der Aktien von Infineon.

          Ziebarts Strategiewechsel

          Mit einer Trennung von der Speicherchipsparte im Herbst vollzöge Ziebart schon rund ein Jahr nach seinem Amtsantritt einen Strategiewechsel. Bisher hatte er gesagt, er wolle Infineon auf die Kerngeschäfte konzentrieren und diese dauerhaft profitabel machen, um letztlich mehr als die Kapitalkosten zu verdienen. Noch vor zwei bis drei Wochen antwortete er dem "Manager-Magazin" auf die Frage nach Vorschlägen, die Speicherchip- und Kommunikationssparte abzuspalten: "Die Maßnahmen, die uns von außen empfohlen werden, sind nicht angemessen." Die Frage, ob diese Aussage die Ablehnung einer Trennung von den Speicherchips enthalte, beantwortete ein Sprecher von Infineon nicht.

          Spekulationen über einen Börsengang des größten und oft äußerst verlustreichen Geschäfts von Infineon flammten schon in der Vergangenheit immer wieder auf. Im Juni 2004 hatte das Unternehmen mit einem klaren Bekenntnis zu dieser Sparte reagiert und auf die Synergien mit der Fertigung von Logikbausteinen hingewiesen. Außerdem verlangten immer mehr Kunden Lösungen, die zum Teil aus Logik- und aus Speicherchips bestünden, wurde damals argumentiert. "Das heißt aber nicht, daß das für die nächsten 20 Jahre gilt", sagte eine Infineon-Sprecherin am Donnerstag. Seitdem sei ein neuer Vorstandsvorsitzender gekommen, und Ziebart habe angekündigt, sich alle Geschäfte genau anzuschauen. Zudem seien Überlegungen normal, die Unternehmensstruktur zu optimieren.

          Analysten kommentierten die Spekualtionen unterschiedlich. Einige wiesen darauf hin, daß das Geschäft von Infineon ohne Speicherchips weniger volatil wäre. Andere halten die Überlegungen für wenig plausibel, da dem Konzern mit der Sparte Synergien und Größenvorteile verlorengehen würden.

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