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Vergewaltigung in GTA V : „Unfassbar dumm“

Der Weg zum Supergangster ist ein langer. Vergewaltigung gehört allerdings nicht dazu. Bild: Screenshot GTA V

In der Onlinevariante des Computerspiels GTA treibt ein Vergewaltiger sein Unwesen. Das empört sogar die Spieler, die sonst im Spiel Polizisten erschießen - und vereint sie mit den Dauerkritikern.

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          Normalerweise sind sich die Gamer-Szene und ihre Gegner nie einig. Diejenigen, die Videospiele mit Waffen für gefährlich oder zumindest für Quatsch halten, treffen auf leidenschaftliche Zocker, die ihr Hobby harmlos finden. Doch gerade treibt ein virtueller Vergewaltiger in der Multiplayer-Variante des Computerspiels „Grand Theft Auto V“ (GTA, zu deutsch: schwerer Autodiebstahl) sein Unwesen, der bereits einige Nachahmer gefunden hat. Und das stört beide Gruppen.

          Jonas Jansen

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Was ist passiert? Ein Mann ohne Hose rennt umher und penetriert die anderen Spielfiguren. Dagegen machen können die anderen Spieler nichts, der eigene Avatar tanzt nach der Vergewaltigung sogar noch wie an einer Stripteasestange. Das ganze ist eine sogenannte „Mod“, eine Art Hack, bei dem der Code des Spiels verändert wurde. Bekannt wurde es zuerst durch einen Beitrag des Nutzers „mrerikmattila im GTA-Forum des Internetportals Reddit, zog von dort seine Kreise durch amerikanische Medien und wurde deshalb auch in Gamer-Kreisen debattiert. Auf Youtube haben inzwischen mehrere Nutzer Videos davon hochgeladen, in denen ihre Spielfigur von einer anderen Person vergewaltigt wird.

          Für Rockstar Games, den Spiele-Entwickler hinter der GTA Serie, der seinem Mutterkonzern Take-Two-Interactive mit dem neuesten Spiel eine Garantie zum Geldverdienen verschafft hat, ist die Geschichte ein Desaster. Das geht so weit, dass einige Fans der Spiele-Serie in ihren Videos die Konkurrenz verdächtigen, den Vergewaltigungs-Hack in den Medien befeuert zu haben, um Rockstar zu schaden. Dass die „Grand Theft Auto“-Reihe vielleicht mehr als andere Spiele kritisiert wird, könnte auch am Erfolg liegen: In der ersten Verkaufswoche konnte Rockstar Games alleine in Deutschland mehr als eine Million Spiele verkaufen. Weltweit hat das Spiel mit 800 Millionen Dollar allein am ersten Tag einen Branchenverkaufsrekord erzielt. Binnen drei Tagen verschaffte GTA V dem Konzern einen Umsatz von einer Milliarde Dollar. Inzwischen wurde das Spiel mehr als 34 Millionen Mal verkauft.

          Mord ist okay, Vergewaltigung nicht

          Dabei ist es bislang nur für die Playstation 3 und die Xbox 360 auf dem Markt. Viele junge Kunden mit PC, Playstation 4 und Xbox One warten auf das bereits mehrfach verschobene Erscheinungsdatum für ihre neuen Geräte. Den größeren Markt braucht Take-Two aber auch, denn unter dem Strich macht der Spielekonzern Verlust, alleine 35 Millionen Dollar im ersten Quartal dieses Jahres. Da ist ein gut laufendes Onlinespiel, das mit regelmäßigen Updates die Kunden bei Laune hält, extrem wichtig - nach Angaben von Rockstar Games zocken 70 Prozent der GTA V-Spieler schon im Internet. Und doch fällt auf: Zu Verkaufszahlen sagt das Unternehmen gerne etwas, die Vergewaltigungs-Mod will es aber nicht kommentieren.

          Dabei überschreitet Vergewaltigung offensichtlich eine Grenze in der von vielen Spielern akzeptierten ohnehin brutalen Spielewelt: Zum Spielprinzip gehört es zum Beispiel, Polizisten und Passanten zu töten, zu klauen und (in einer Szene des Singleplayers) sogar darum zu foltern. Die Vergewaltigungsszene empört nun Spieler und diejenigen, die krasser Gewalt in Videospielen generell kritisch gegenüberstehen, gleichermaßen. Das ist selten.

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