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Gutschein-Portal : Groupon will an die Sterne-Köche

Ob die Sterneköche auch mit Groupon zusammenarbeiten wollen? Bild: Röth, Frank

Groupon war mal der Shooting-Star des Internets. Dann stürzte der Kurs ab. Jetzt starten die Gutschein-Verkäufer einen neuen Angriff. Dieses Mal soll alles schöner und teurer werden.

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          Groupon ist zurück! Sie erinnern sich? Das ist das Gutschein-Portal, das vor vier, fünf Jahren für Furore gesorgt hat. Jeder Schnäppchenjäger wollte dabei sein, sich die besten Deals im Netz sichern: eine Massage zum halben Preis in Frankfurt zum Beispiel oder ein Menü für Zwei zum Preis von einem in einer Berliner Pizzeria.

          Bettina Weiguny
          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das lief gigantisch, nicht nur in Deutschland und dem Heimatland Amerika, sondern auf der ganzen Welt. Eine Zeitlang war Groupon das am schnellsten wachsende Unternehmen aller Zeiten und legte am 4. November 2011 den größten Internet-Börsengang seit Google hin. Gründer Andrew Mason wurde so zum Milliardär, allerdings nur für kurze Zeit.

          Denn danach ging es rapide abwärts. Erst gab es in Amerika Ärger wegen Bilanzierungspannen, die Aktienkurs krachte um 85 Prozent ein, der Gründer musste gehen. Und die Kunden beschlichen arge Zweifel, ob ihre Gutscheine nicht vielleicht gerade da galten, wo niemand freiwillig hingehen wollte. Beim Einlösen häuften sich dann auch die Ärgernisse - mal galten die Gutscheine nicht, mal gab es den Anbieter gar nicht, mal wurden den Kunden vor Ort zusätzliche Kosten aufgehalst, der Service war schlecht, die Leistung überteuert.

          Tja, da wurde es dann ganz ruhig um die angebliche „Wunderfirma“. „Das Konzept war relativ simpel, noch nicht ausgereift“, räumt der Deutschland-Chef Emanuel Stehle nun ein. „Aber wir wollten so schnell wie möglich am Markt sein.“

          Stehle ist ein Mann der ersten Stunde. Er wurde noch von den Samwer-Brüdern geholt, um My-City-Deal zu gründen, ein Groupon-Imitat in Europa, das die deutschen Internet-Investoren nach sechs Monaten sehr erfolgreich an Groupon in Amerika verkauft haben. Danach trieb Stehle zusammen mit Marc Samwer von London aus die internationale Expansion in 48 Länder voran. Vor einem Jahr nun übernahm er das Deutschland-Geschäft - weil es dort noch am heftigsten kriselte. „In den anderen Ländern sind wir weiter, da hat sich unser Image schon gewandelt“, sagt der Manager.

          600 Millionen Gutscheine hat Groupon bislang weltweit verkauft, der Aktienkurs hat sich etwas erholt, in Europa konnte Groupon voriges Jahr Gutscheine im Wert von etwa 500 Millionen Euro verticken.

          Emanuel Stehle ist Deutschland-Chef von Groupon.
          Emanuel Stehle ist Deutschland-Chef von Groupon. : Bild: Röth, Frank

          Jetzt soll auch in Deutschland alles anders werden, vor allem hochwertiger, sagt der Chef: „Wir wollen die Sterneköche als Partner haben, die besten Friseure, die schönsten Fitness-Clubs und angesagtesten Attraktionen.“ Schon in der Vergangenheit hatte Groupon gelegentlich Heinz Winkler im Chiemgau, Frank Rosin in Dorsten und andere Sterneköche als Partner gewinnen können, auch Sterneköche haben freie Plätze zu vergeben. Aber immer nur für einzelne Deals.

          Jetzt sollen die Partner dauerhaft mit Groupon zusammenarbeiten. Das Konzept ist komplett umgestellt worden. Weg von einer Handvoll Schnäppchen am Tag, hin zu einem lokalen Marktplatz mit allen interessanten Händlern vor Ort. „Kein Mensch managt seine Freizeit optimal - Groupon kann das übernehmen.“ In 32 Städten starten sie, weitere sollen dazukommen, erläutert Stehle.

          „Künftig soll jeder einmal am Tag auf Groupon gucken, was in seiner Stadt gerade los ist.“ Gibt es Restkarten im Theater? Groupon findet Leute, die an dem Abend Lust auf eine Vorführung haben. Hat jemand Hunger auf Döner? Groupon zeigt an, wie teuer sie wo sind. „Mittelfristig kann der Kunde auf seiner App eingeben, wie viele Pizzas er wann abholen will.“ Rabatte von mehr als 60 Prozent, wie bislang üblich, sollen die Ausnahme sein. „Lieber nur 20 Prozent - die aber auf die Top-Events und Partner.“

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