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Groupon-Gründer Andrew Mason : Witzbold und Prügelknabe

Andrew Mason Bild: REUTERS

Die Rabattplattform Groupon wurde in kürzester Zeit zu einem der neuen Stars der Internetbranche. Der 30 Jahre alte Gründer gehört auch zu den unterhaltsamsten Figuren der Internetszene. Er will kein gewöhnlicher Chef sein. Das bringt ihn aber in heikle Situationen.

          Andrew Mason hätte Komödiant werden können. Der 30 Jahre alte Gründer und Vorstandschef der Rabattplattform Groupon gehört ohne Zweifel zu den unterhaltsamsten Figuren der amerikanischen Internetszene. Mason nimmt weder sich noch andere sonderlich ernst, bei öffentlichen Auftritten fällt er mit staubtrockenem Humor auf, in Interviews gibt er schon mal wirre Antworten, die mit der Frage überhaupt nichts zu tun haben - oder starrt sein Gegenüber einfach nur schweigend an. Auf seinem Führerscheinfoto schneidet er eine Grimasse. Es gibt Youtube-Videos von ihm, in denen er, nur mit Unterhose bekleidet, Yoga-Übungen macht oder ohne jegliches Rhythmusgefühl zu Countrymusic tanzt.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Bei den Mitarbeitern in der Groupon-Verwaltung in Chicago ist er berühmt für absurde Späße: So ist die Episode überliefert, als er einen Künstler anheuerte, der eine Woche schweigend durchs Büro lief und dabei ein Ballettröckchen anhatte. Viele seiner Mitarbeiter hat Mason in der Comedy-Szene von Chicago rekrutiert, damit sie die humorigen Texte schreiben, mit denen Groupon seine Gutscheine anpreist. Mason hat seine Haltung in einem Brief an die "lieben potentiellen Aktionäre" zusammengefasst, den er dem Börsenprospekt von Groupon beigelegt hat: "Wir sind ungewöhnlich, und das gefällt uns so. Das Leben ist zu kurz, um ein langweiliges Unternehmen zu sein."

          Zweifel an der nötigen Reife von Chef und Geschäftsmodell

          Nun ist Mason aber im Hauptjob kein Komödiant, sondern er steht an der Spitze eines ambitionierten Unternehmens, das zu den Senkrechtstartern in der Internetszene gehört und seinen Börsengang vorbereitet, der zu einem der größten des Jahres in der Branche werden könnte. Als Groupon im Juni seinen Börsenprospekt vorlegte, stellten Analysten mögliche Bewertungen von 20 Milliarden Dollar oder mehr in den Raum. Aber seither mehren sich die Fragen, ob der unkonventionelle Ansatz von Groupon zu einem Problem werden könnte und ob das Unternehmen wie auch sein Gründer die nötige Reife für die Börse haben. Das bis vor kurzem noch hoch gejubelte Unternehmen sieht sich immer mehr Zweifeln an der Tragfähigkeit seines Geschäftsmodells gegenüber.

          Und Mason selbst hat sich erst vor wenigen Tagen selbst in Teufels Küche gebracht. In einer internen E-Mail an die Mitarbeiter wehrte er sich gegen die Kritik und sagte Groupon eine glänzende Zukunft voraus. Die E-Mail kam prompt an die Öffentlichkeit, was nun die Börsenaufsicht SEC beschäftigt. Denn Groupon befindet sich seit der Vorlage des Prospekts in der "Quiet Period" und muss sich mit Äußerungen zu seiner wirtschaftlichen Verfassung zurückhalten. In dieser Woche wurde bekannt, dass Groupon mit seinem Börsengang noch etwas abwarten will, in erster Linie wegen der jüngsten Börsenturbulenzen. Aber in der Branche gilt es als möglich, dass auch die Kontroverse um die Äußerungen von Mason eine Rolle gespielt haben. Die SEC hat zuvor auch schon eine im Groupon-Prospekt verwendete Gewinnkennzahl beanstandet, bei der bestimmte Aufwendungen herausgerechnet werden.

          Andrew Mason hat Groupon erst im Herbst 2008 gegründet. Groupon entstand als Nebenprodukt seines vorherigen Projekts mit der Internetplattform "The Point", auf der sich Gruppen für politische Kampagnen oder Spendenaktionen organisieren konnten. Diese Gruppenidee übertrug Mason für Groupon auf das Einkaufen: Groupon verkauft Gutscheine, die dramatische Preisnachlässe bringen, wenn sich genügend Abnehmer finden. Die Palette der Angebote reicht von Restaurantbesuchen über Massagen bis zu Reisen und Theatertickets. Die Idee kam an, Groupon wurde in kürzester Zeit zu einem der neuen Stars der Internetbranche.

          Als Groupon vor knapp einem Jahr ein Übernahmeangebot von Google in Höhe von 6 Milliarden Dollar ausgeschlagen haben soll, wurde Mason Größenwahn vorgeworfen. Mason wollte es lieber im Alleingang wagen und Groupon an die Börse bringen. Aber nun findet sich der einstige Internetaufsteiger zunehmend in der Rolle des Prügelknaben wieder: Er kann zwar ein stattliches Umsatzwachstum vorweisen, wie aus dem Börsenprospekt hervorgeht, aber das erkauft er sich mit gewaltigen Marketingkosten, was unter dem Strich für hohe Verluste sorgt. Derweil wird das Umfeld nicht leichter: Groupon sieht sich einer Vielzahl von Wettbewerbern gegenüber, und bei vielen Verbrauchern, die mit E-Mails von Gutscheinanbietern überflutet werden, stellt sich allmählich eine gewisse Rabattmüdigkeit ein.

          Andrew Mason gibt sich trotzig: "Wir waren noch nie stärker", schrieb er in der Notiz an seine Mitarbeiter. Und er verbreitete Zuversicht für das bald kommende "Börsengangs-Baby": "Ich verspreche euch, es wird keines dieser hässlichen Babys sein."

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