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Urheberrecht : Youtubes schöne neue Videowelt

Der entscheidende Unterschied liegt in der disruptiven Kraft des Internets oder in dem, was man dafür hält. Vor 25 Jahren ging die erste Internetseite online, neue Dienste und neue Geschäftsmodelle kamen auf den Markt. Das ist der eigentliche Kern des Problems: Jeder Wandel bringt neue Gewinner und Verlierer hervor, und keiner will auf der falschen Seite stehen. Jeder möchte so viel wie möglich daran verdienen und so wenig wie möglich zahlen.

Deshalb hat sich Youtube stets auf die Position zurückgezogen, man sei lediglich Vermittlungsplattform und als solche schon gar nicht zuständig für Inhalte. Das hat den Konzern allerdings nicht daran gehindert, selbst mit großem Engagement Inhalte zu entwickeln. Viele Youtube-Stars sind auch deshalb so erfolgreich geworden, weil die Plattform intensiv daran arbeitete, Träume wahr werden zu lassen.

Im echten Leben kosten Inhalte Geld

Erschwerend kam hinzu, dass der Gründungsmythos des urdemokratischen Internets unweigerlich mit einer Gratismentalität einherging, die bis heute noch nicht vollständig überwunden ist. Dass Informationen, Lieder, Filme im echten Leben Geld kosten und die Rechteinhaber auch im Internet nicht von Luft und Liebe leben können, ist noch nicht zu jedem durchgedrungen, auch deshalb, weil Reichweite (also die Klickzahl) ein Wert an sich ist.

Das ist durchaus richtig, jedenfalls wenn es gelingt, durch Werbeeinnahmen alles hereinzuholen, was durch fehlende Preisschranken verlorengeht. Das funktioniert mal besser, mal schlechter, jedenfalls experimentiert selbst Youtube in Amerika inzwischen mit einem Bezahlmodell unter dem Namen Youtube Red. Das lässt hoffen.

Reichlich spät kommt es allerdings dennoch. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass ausgerechnet die hyperaktiven Internetfirmen oft so tun, als müsste das Rad in der digitalen Welt komplett neu erfunden werden. „Rechte im Internet durchzusetzen ist immer noch ein sehr langwieriges, zähes Unterfangen, das zeigt sich auch beim geistigen Eigentum“, sagt Robert Heine, Partner der Kanzlei Raue. „Die Unternehmen ziehen sich darauf zurück, nur Verbreitungsplattformen zu sein und für nichts zuständig.“

Urheberrecht ist nicht die einzige Baustelle

Das zeigt eine andere Dauerbaustelle des Internets: Das Leistungsschutzrecht, das die Rechte der Autoren und Verlage im Internet schützen soll, zeigt schon seit Jahren keine Wirkung. „Auch bei den Zeitungsartikeln behauptet Google, mit den Inhalten nichts zu tun zu haben, also eine Art Plattform zu sein“, sagt Heine, der in der Frage des Leistungsschutzrechts einige Verlage vertritt. Jetzt gibt es zwar ein Gesetz, das diese Rechte der Verlage sichert, aber kaum einen, der sie auch durchsetzen kann – jedenfalls nicht gegenüber Google.

Doch das heißt noch lange nicht, dass der Schutz des geistigen Eigentums ein Relikt der analogen Zeit ist. Das wissen die neuen Konzerne nur zu gut: Google, Apple, Facebook verteidigen ihr geistiges Eigentum gegenüber ihren Wettbewerbern und lassen sich diese Patentstreitigkeiten Millionenbeträge kosten. Da ist es ganz wie immer.

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