https://www.faz.net/-gqm-7rt5y

Sundar Pichai : Googles Geheimwaffe

Sundar Pichai Bild: dpa

Ein Inder hat sich in den inneren Machtzirkel von Google gearbeitet. Bei Smartphones und Tabletcomputern macht ihm keiner etwas vor.

          5 Min.

          Die Konferenz „Google I/O“ ist immer für Knalleffekte gut. Es ist eine der wichtigsten Veranstaltungen des Jahres für den amerikanischen Internetkonzern. Sie richtet sich an Softwareentwickler, ein wichtiges Publikum für das Unternehmen: Sie schreiben Programme für Google-Plattformen wie das Betriebssystem Android für Smartphones und Tabletcomputer. Vor zwei Jahren hatte hier Mitgründer Sergey Brin einen spektakulären Auftritt, als er die Datenbrille „Google Glass“ präsentierte. Brin ließ eine Gruppe Fallschirmspringer mit der Brille ausrüsten und von einem Zeppelin aus auf den Boden schweben. Das Publikum konnte das Ganze aus der Perspektive der Sportler live mitverfolgen. Im vergangenen Jahr war es Larry Page, der Vorstandsvorsitzende und zweite Gründer von Google, der die Bühne übernahm und eine Grundsatzrede über die Technologiebranche hielt.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Vor wenigen Wochen war es wieder so weit, aber bei der diesjährigen „Google I/O“ trat keiner der beiden Gründer auf. Im Rampenlicht stand stattdessen Sundar Pichai. Google startete die Veranstaltung in typischer Verspieltheit mit einer sogenannten Rube-Goldberg-Maschine, einem gigantischen Apparatus, bei dem sich Kugeln und sonstige Dinge in aberwitzigen Kettenreaktionen den Weg über die Bühne bahnten. Danach übernahm Pichai das Kommando. Fast zweieinhalb Stunden spielte er den Zeremonienmeister für eine Show, die sich fast ausschließlich um das von ihm verantwortete Geschäft mit Android drehte.

          Erst ratterte er Statistiken herunter: Eine Milliarde Android-Nutzer gebe es schon auf der Welt! 93 Millionen „Selfies“ würden an jedem Tag mit Android-Geräten geschossen! Danach zündete Pichai ein wahres Feuerwerk von Android-Varianten, mit denen Google sich jenseits von Smartphones und Tabletcomputern künftig noch in ganz anderen Bereichen breitmachen will: im Auto, auf Fernsehern oder am Handgelenk mit Digitaluhren. Pichais Botschaft: Vor Android soll es kein Entrinnen mehr geben.

          Das heißt allerdings auch, dass es bei Google an Pichai kein Vorbeikommen mehr gibt. Er gehört zum innersten Führungszirkel um Larry Page, oft auch das „L-Team“ genannt. In der Branche heißt es, der schlanke und großgewachsene Pichai wäre einer der ersten Nachfolgekandidaten, sollte Page einmal seinen Posten an der Google-Spitze aufgeben.

          Pichais Job sei der schwerste im ganzen Unternehmen, behauptete jüngst die Managerzeitschrift „Bloomberg Business Week“. Viele unterschiedliche Handy-Hersteller, allen voran Samsung, hantieren mit Android. Google legt die Quellen des Betriebssystems offen, das heißt, jeder Hersteller kann es frei nach seinen Vorstellungen verändern. Inzwischen gibt es Versionen, die alle Google-Angebote vollständig umgehen. Verglichen mit der kompakten Marktmacht der Suchmaschine, gleicht dieser Zustand einem Flickenteppich.

          Dass der 42 Jahre alte Manager auf dem aufsteigenden Ast ist, zeigt sich auch daran, dass sein Name fällt, wenn andere Technologieunternehmen hochrangige Posten zu besetzen haben. Als der Softwarekonzern Microsoft in diesem Jahr einen Nachfolger für seinen Vorstandsvorsitzenden Steve Ballmer suchte, wurde zwischenzeitlich auch Pichai als Kandidat gehandelt, bevor der Posten an Satya Nadella ging und das Unternehmen sich somit für eine interne Lösung entschied. 2011 stand Pichai offenbar kurz davor, als Produktchef zum Kurznachrichtendienst Twitter zu wechseln. Google soll ihn mit einem Aktienpaket im Wert von 50 Millionen Dollar zum Bleiben überredet haben.

          Andere Manager hingegen verlassen den Konzern, auch das dürfte Pichais Position weiter festigen. Gerade hat der Chief Business Officer Nikesh Arora, zuständig für das Tagesgeschäft, seinen Abgang verkündet, um zum japanischen Kommunikationskonzern Softbank zu gehen. Auch andere Führungskräfte drehten dem Konzern den Rücken: Pichais Vorgänger, Andy Rubin, gehörte zu der Reihe spektakulärer Abgänge, die seit dem vergangenen Jahr für Furore sorgen.

          Weitere Themen

          Situation in Wolfsburg eskaliert Video-Seite öffnen

          Corona-Virus : Situation in Wolfsburg eskaliert

          In Wolfsburg sind mittlerweile 15 Bewohner eines Pflegeheims an den Folgen einer Coronavirus-Infektion gestorben. Die Klinik in der niedersächsischen Stadt nimmt unterdessen keine Patienten mehr auf, nachdem sich mehrere Mitarbeiter mit dem Coronavirus angesteckt hatten.

          Topmeldungen

          Corona-Krise : Spahn im Fahrstuhl

          Die Bekämpfung der Corona-Pandemie ist zu einer Schicksalsfrage für Bundesgesundheitsminister Jens Spahn geworden. Sie kann ihn nach ganz oben tragen – oder in den politischen Keller.
          Ein Mann mit Maske spaziert über den Max-Joseph-Platz in München - dort ist das Tragen des Mundschutzes noch keine Pflicht.

          Liveblog zum Coronavirus : Jena plant eine Maskenpflicht

          Australien greift hart gegen Regelverstöße durch +++ EU-Milliardenspritze für Kampf gegen Corona +++ Frankreich mit mehr als 3000 Todesopfern +++ Niedersachsen nimmt keine Patienten in Pflegeheimen mehr auf +++ Alle Entwicklungen im Liveblog.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.