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„Recht auf Vergessenwerden“ : Wikipedia veröffentlicht von Google entfernte Links

  • Aktualisiert am

Wikipedia-Gründer Jimmy Wales kritisiert das Löschen von Links auf Seiten seiner Enzyklopädie Bild: AFP

Google muss beanstandete Links aus seinen Suchergebnissen löschen. Darunter sind auch Verweise auf Wikipedia-Artikel. Die Enzyklopädie spricht von Zensur, die Autoren der betroffenen Artikel streiten.

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          Jeder hat ein „Recht auf Vergessenwerden“, urteilte der Europäische Gerichtshof (EuGH) im Mai. Seither muss Google beanstandete Links aus seinen Suchergebnissen löschen - beispielsweise dann, wenn diese auf Seiten führen, die Persönlichkeitsrechte verletzen. Der Suchmaschinenbetreiber hat damit begonnen - und auch Links auf Wikipedia-Artikel gelöscht. Welche das sind, hat die Enzyklopädie nun öffentlich gemacht.

          Man wisse nicht, wer die Löschung der Links beauftragt habe, ließ Wikimedia verlauten, eine gemeinnützige Organisation, die Wikipedia betreibt. „Die Leute sollten nicht davon ausgehen, dass derjenige die Löschung beantragt hat, der Gegenstand des Artikels ist“, heißt es. Die Löschanträge bei Google kann jeder stellen, Tausende haben das bereits getan, Google muss jeden Einzelfall prüfen.

          Jimmy Wales, Gründer der Wikipedia, findet für die Löschung der Links auf das Online-Lexikon klare Worte: „Das ist völliger Irrsinn und muss korrigiert werden“, sagte Wales der zum britischen Guardian gehörenden Wochenzeitung The Observer. Wales ist Mitglied in einem vom Google eingesetzten Gremium, das die Umsetzung des EuGH-Urteils in den EU-Staaten beaufsichtigen soll.

          „Erzwungene Zensur ist unakzeptabel, aber erzwungene Zensur ohne Benachrichtigung ist unentschuldbar“, schreibt die Wikimedia zum Entfernen der Links. Google macht die Betreiber der Seiten, deren Links gelöscht werden, darauf aufmerksam. Die Anzahl der betroffenen Texte aus der Wikipedia ist überschaubar: Es geht um zwei englischsprachige, zwei aus Italien und drei aus den Niederlanden.

          Während die Wikipedia klar von Zensur spricht, sind sich die Autoren des Enzyklopädie-Projektes nicht einig, ob das „Recht auf Vergessen“-Urteil nicht doch seinen Sinn habe. So wurde bei Google der Link auf einen Artikel über einen irischen Mann gelöscht, der angeblich Banken ausgeraubt haben soll. Auch in der Wikipedia selbst ist der Eintrag nun zum Löschen vorgeschlagen. Einige der Autoren finden, dass das unsinnig sei, schließlich sei die Wikipedia keine Suchmaschine und deshalb nicht vom Urteil des EuGH betroffen. Andere meinen, der Artikel über den Iren sei so nebulös formuliert und wenig belegt - da käme es gar nicht auf das Urteil an: Der Eintrag müsse allein wegen seiner schlechten Qualität gelöscht werden.

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