https://www.faz.net/-gqm-7byw8

Leistungsschutzrecht : Die Verlage geben gegen Google klein bei - vorerst

  • -Aktualisiert am

Auch Tomorrow Focus, die mehrheitlich Hubert Burda Media gehört und den Internetauftritt des Magazins „Focus“ betreut, bereitet die langfristige Wahrnehmung der Leistungsschutzrechte an ihren Presseerzeugnissen vor, sagt Oliver Eckert, Geschäftsführer Tomorrow Focus Media. „Die technischen Voraussetzungen für eine Lizenzierung liegen noch nicht vor. Auch muss abgewartet werden, ob es in naher Zukunft die Möglichkeit geben wird, die Leistungsschutzrechte in eine Verwertungsgesellschaft einzubringen und kollektiv wahrnehmen zu lassen.“ Der Verlag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hat auch mitgeteilt, vorläufig weiter in „Google News“ bleiben zu wollen.

„Google zahlt nicht für Snippets“

Google lehnt das Leistungsschutzrecht grundsätzlich ab. „Kooperationen mit Verlagen bringen allen mehr als solch ein Gesetz“, sagt Oberbeck. Was würde sich ändern, wenn eine Verwertungsgesellschaft für Verlage tätig wird? „Google zahlt nicht für Snippets“, sagt er. Der Konzern verweist darauf, dass die Google-Angebote den Verlagen Millionen Leser zuführt. Google beherrscht mit einem Marktanteil von rund 90 Prozent die Internetsuche in Deutschland. Der Anteil der Besucher, die via Google den Weg zu den Nachrichtenseiten finden, liegt im zweistelligen Prozentbereich (siehe Grafik).

Betroffen vom Leistungsschutzrecht sind andere - zum Beispiel der Blogaggregator Rivva. Dieser Dienst verweist nun nicht mehr auf 650 Lokalzeitungen, Magazine und deren Blogs. „Es ist traurig. Der bürokratische Aufwand, um alle interessanten Quellen einzeln um Erlaubnis zu fragen, sprengt ein Ein-Personen-Projekt“, schreibt Betreiber Frank Westphal. Der Internetverband Bitkom sieht sich dadurch in seinen Bedenken bestätigt. „Bürokratie und Rechtsunsicherheit sind Gift für Start-ups. Innovative Ideen im Netz werden es in Deutschland künftig noch schwerer haben“, sagt Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder. Das sieht der Zeitschriftenverlegerverband VDZ anders: „Rivva ist kein Opfer des Leistungsschutzrechts“, sagte ein Sprecher.

Ist das ein Modell für Deutschland?

Ein Zustimmungsverfahren wie von Google sei auch für einen kleinen Aggregator gut leistbar. Rivva habe inzwischen auch bei Verlagen angefragt, heißt es im VDZ. In Frankreich hat Google ein ähnliches Gesetz abgewendet, indem es 60 Millionen Euro für einen Innovationsfonds zum digitalen Publizieren bereit stellt. Ist das ein Modell für Deutschland? „Vielmehr sind Kooperationen mit Verlagen wie in Belgien vorstellbar“, sagt Oberbeck. Dort habe man sich in diesem Jahr geeinigt, den Rechtsstreit beizulegen. Google kauft dort Anzeigen in gedruckten Medien, Verlage nutzen Googles Werbeplattformen auf ihren Internetseiten und deren Dienste wie Youtube oder Google+; dafür sind die Inhalte der Verlage in „Google News“ dabei. Auch in Deutschland gibt es Kooperationen. „Die Zusammenarbeit kann ausgeweitet werden - wie auf Google Play mit Bezahlangeboten für journalistische Inhalte“, sagt Oberbeck.

Über den Wolken hat sich der Google-Sprecher mit dem Springer-Manager nicht angenähert. Aber die beiden Kontrahenten schickten ein Foto in die Welt, auf dem sie beieinander im Flugzeug stehen und lächeln. Die Hoffnung der Verlage bleibt.

Weitere Themen

Niederlage für Verlage

Urteil des EuGH : Niederlage für Verlage

Im Streit zwischen Google und deutschen Verlagen hat der Europäische Gerichtshof entschieden: Das 2013 eingeführte deutsche Leistungsschutzrecht sei rechtlich „nicht anwendbar“. Grund ist ein Versäumnis der Bundesregierung.

Topmeldungen

Supercomputer Summit von IBM

KI statt Simulation : Den Superrechnern geht die Luft aus

Die Leistung von Supercomputern wächst kaum noch. Der Grund ist die fatale Fokussierung auf Künstliche Intelligenz. Numerische Verfahren gelten als „unsexy“.
Brustkrebs macht sich bei der ärztlichen Untersuchung durch verhärtete Gewebeknoten bemerkbar. Diese können Frauen häufig auch selbst ertasten.

Brustkrebs : Ein Medikament revolutioniert die Therapie

Das Medikament Herceptin ebnete den Weg für die personalisierte und hochspezifische Behandlung der Zukunft. Was der Wissenschaft damit gelungen ist, lässt sich als „game changer“ bezeichnen.

Dortmunder Kampfansage : „Wir können Barcelona wehtun“

Für das Champions-League-Duell mit dem FC Barcelona hat sich der BVB einiges vorgenommen. Die Borussia hofft dabei auf ein Fußball-Fest mit Happy End. Doch etwas dürfte die Dortmunder Vorfreude gehörig trüben.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.