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Kampf ums Web : Google-Gründer Sergey Brin: Die Freiheit im Internet ist bedroht

  • Aktualisiert am

Google-Gründer Sergey Brin. Bild: REUTERS

Im Internet fließen Daten nicht mehr so frei wie einst, klagt Google-Gründer Sergey Brin. Er ärgert sich über Regierungen - aber auch über die erfolgreichen Konkurrenten Facebook und Apple.

          Google-Mitgründer Sergey Brin hat vor zunehmenden Einschränkungen der Freiheit des Datenverkehrs im Internet durch Firmen und Regierungen gewarnt. Der Unternehmer sagte in einem Interview mit der britischen Tageszeitung „Guardian“, das Prinzip von Offenheit und universellem Zugang zu Daten sei noch nie so stark gefährdet gewesen wie zurzeit. Als Beispiele nannte er die Firmenpolitik von Facebook und Apple, die Inhalte nur ihren eigenen Kunden zur Verfügung stellten und damit virtuelle Mauern im Internet aufbauten. Außerdem kritisierte er die Regierungen verschiedener Staaten für ihre restriktive Netzpolitik.

          Brin sagte, er sei sehr besorgt um die Freiheit im Internet. Google hatte sich 2010 teilweise aus dem wichtigen chinesischen Markt zurückgezogen, um gegen die Zensur zu protestieren. Dabei gibt es in keinem anderen Land der Welt mehr Internetnutzer als in China. Brin gilt als Treiber dieses Rückzugs. Der Google-Mitgründer sagte, vor noch fünf Jahren hätte er nicht gedacht, dass China oder ein anderes Land das Internet dauerhaft kontrollieren könnte, jetzt müsse er aber zugeben, dass er sich geirrt habe: „Ich hätte nie gedacht, dass man den Geist in die Flasche zurückbekommen könnte, aber jetzt sieht es so aus, als ob der Geist zumindest teilweise zurück in die Flasche gedrückt würde“, sagte er.

          Brin: Wäre Facebook früher schon so mächtig gewesen, gäbe es Google nicht.

          Brin sagte, er und sein Partner Larry Page hätten die Suchmaschine Google nicht programmieren können, wenn das Netz seinerzeit bereits so von Facebook dominiert gewesen sei. „Der Grund, dass wir eine Suchmaschine schaffen konnten, war, dass das Netz so offen war. Wenn immer mehr Regeln in Kraft treten, wird die Innovation unterdrückt“, sagte der 38-jährige Softwaremilliardär. Die Informationen, die beispielsweise in den Apps von Apple steckten, seien im Netz nur für Apple-Nutzer auffindbar. „Da geht viel verloren“, sagte er.

          Facebook-Gründer Mark Zuckerberg trifft den israelischen Präsidenten Shimon Peres in den Facebook-Büros.

          Brin kritisierte auch den zunehmenden Einfluss verschiedener Regierung auf die Freiheit im Internet. Er nannte namentlich China, Russland und den Iran als Staaten, in denen es keine Freiheit des Datenverkehrs gebe. So sei in China eine Regelung eingeführt worden, nach der auf Blogseiten Pseudonyme unzulässig sind und die Blogger nur unter ihren richtigen Namen publizieren dürfen.

          In Russland werde versucht, die Bloggerszene zu unterdrücken, die Proteste gegen Ministerpräsident Wladimir Putins Politik organisiert. Ferner gebe es Berichte, denen zufolge der Iran ab dem Sommer die Einführung eines geschlossenen „nationalen Internets“ plane. Rick Patel, Mitgründer von Avaaz, einem 14 Millionen Mitglieder starken Netzwerk von Aktivisten, die sich kürzlich im Widerstand gegen den syrischen Präsidenten Baschar Assad engagierten, bestätigte Brins Warnung: „Wir beobachten einen massiven Angriff auf die Freiheit im Internet. Vielen Regierungen wird jetzt die Macht des Netzes klar, und sie wollen sie rund um die Welt beschränken, nicht nur in China oder Nordkorea. Auch in den USA und Italien gibt es solche Versuche.“

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