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Kommentar : Ist Googles Umbau nur eine teure Beförderung?

Ein Fahrradfahrer auf dem Google Campus im Silicon Valley Bild: dpa

Google baut sich um und gibt sich einen neuen Namen. Das ist schwer zu erklären. Es sei denn, man guckt auf den neuen Chef.

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          Wer den Umbau von Google zu einem neuen Unternehmen namens „Alphabet“ verstehen will, steht schnell vor großen Rätseln. Was machen die beiden Google-Gründer da? Und warum?

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Geplant ist folgendes: Über Google wird eine Dachgesellschaft namens „Alphabet“ eingeführt, die Googles Platz an der Börse einnimmt. Gewagte Zukunftsprojekte wie das selbstfahrende Auto werden von Google abgetrennt und direkte Tochtergesellschaften von „Alphabet“. Google selbst bleibt das Unternehmen für die Suchmaschine, Karten, Youtube und einige andere Dienste und bekommt einen neuen Chef: Sundar Pichai, der vorher schon viele dieser Produkte leitete. Die beiden Google-Gründer konzentrieren sich aufs neue Mutterunternehmen.

          Am Ende ist alles fast so wie vorher. Es gibt ein paar gesellschaftsrechtliche Änderungen. Die größten Neuerungen aber sind: Das Unternehmen hat einen neuen Namen, und Sundar Pichai hat einen neuen Titel. Er ist von jetzt an Google-Chef und damit - zusätzlich - auch für Youtube zuständig.

          Wozu den Namen ändern?

          Was soll das bringen? Mancher Aktionär freut sich auf zusätzliche Transparenz, auf eine bessere Unterteilung. Doch sehr viel zusätzliche Transparenz ist nicht angekündigt. Und dass sie das Ziel der beiden Google-Chefs wäre, wäre auch überraschend. Die beiden waren auch bisher keine großen Freunde von Transparenz. Sie waren auch nicht darauf angewiesen, mit Transparenz Aktionäre zu locken. Und die Aktionäre haben sowieso wenig zu sagen: Die Kontrolle über Google, pardon: Alphabet, liegt fest in den Händen der Gründer.

          Andere Erklärungen drehen sich darum, dass Google künftig sein Kerngeschäft mit Werbung, Suchmaschinen und Videos besser von den neuen Initiativen trennt. Aber wozu braucht es dann diese gesellschaftsrechtliche Änderung?

          In den meisten Erklärungen bleibt eine zentrale Frage offen: Warum heißt die neue Dachgesellschaft nicht Google? Wozu haben sich die Gründer einen neuen Namen ausgedacht?

          Es gibt eine Erklärung, die auf alles ganz gut passt. Dort steht Sundar Pichai im Zentrum, der neue Google-Chef. Er war schon seit einiger Zeit im Unternehmen die inoffizielle Nummer zwei hinter seinem Vorgänger Larry Page. Und er hat einen guten Ruf. Das hat auch die Konkurrenz bemerkt: Als Microsoft einen neuen Chef suchte, war Sundar Pichai heißer Kandidat.

          Es ist nicht ausgeschlossen, dass Googles großer Umbau vor allem einem Ziel dient: dass Sundar Pichai anschließend Google-Chef ist. Dann wäre der ganze Umbau eine extrem aufwendige Beförderung. Und eine große Auszeichnung für Pichai. Nicht jeder bekommt zur Beförderung extra ein eigenes Unternehmen.

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