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Sundar Pichai im Portrait : Endlich Google-Chef

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Sundar Pichai, hier bei der Google-Entwicklerkonferenz I/O im Mai Bild: AP

Sundar Pichai galt lange als Googles Geheimwaffe. Nun rückt er an die Spitze des Suchmaschinenanbieters. Wer ist dieser Mann?

          Die Umstrukturierung von Google befördert einen Mann an die Spitze, der bislang als eine Geheimwaffe des Suchmaschinenanbieters galt und der breiten Masse unbekannt sein dürfte. Doch der Aufstieg von Sundar Pichai ist alles andere als eine Überraschung.

          Vielmehr schien er nur eine Frage der Zeit. Denn der gebürtige Inder Pichai hat sich über Jahre in den inneren Führungszirkel des Konzerns um Larry Page gearbeitet, der oft auch das „L-Team“ genannt wird. Vor knapp zweieinhalb Jahren bekam er die Verantwortung für das dominierende Smartphone-System Android übertragen und dann im vergangenen Herbst die für fast das gesamte Online-Geschäft.

          Pichai wuchs in einfachen Verhältnissen auf

          Nun wird die Google-Karriere von Pichai mit dem Chefposten gekrönt. Denn im Zuge des Großumbaus entsteht ein neues Unternehmen namens Alphabet. Die beiden Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin werden dieses als Vorstandsvorsitzender und Präsident leiten. Als Nachfolger von Page rückt Pichai damit auf den Chefposten von Google. Es ist zwar nur ein „etwas verschlanktes" Google als Web-Sparte unter einem neu geschaffenen Konzerndach, wie Page dezent anmerkte. Aber Pichai bekommt damit noch mehr Verantwortung, vor allem für das bisherige Hauptgeschäft Werbung - Googles Geldmaschine.

          Wer also ist der Mann, der künftig Google führt? Pichai wurde in der südindischen Stadt Chennai als Sohn eines Ingenieurs und einer Stenographin geboren. Er wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Seine Familie teilte sich eine Zwei-Zimmer-Wohnung, er und sein jüngerer Bruder schliefen im Wohnzimmer. Die Familie hatte lange weder einen Fernseher noch ein Auto.

          Pichai war ein glänzender Schüler und entschied sich, Ingenieurwissenschaften am renommierten Indian Institute of Technology in Kharagpur nahe Kalkutta zu studieren, rund 1500 Kilometer weg von zu Hause. Nach seinem Abschluss bekam er ein Stipendium für ein Studium der Werkstofftechnik an der Stanford-Universität im kalifornischen Silicon Valley, wo auch die beiden Google-Gründer Page und Brin studierten. Um ihrem Sohn seinen amerikanischen Traum zu ermöglichen, gingen Pichais Eltern an ihr Erspartes. Nach Stanford ließ Pichai sogar noch ein drittes Studium an der Wharton School in Pennsylvania folgen, wo er einen Wirtschaftsabschluss machte.

          2004 kam Pichai zu Google

          Seine berufliche Karriere begann Pichai bei Applied Materials, einem Hersteller von Anlagen zum Bau von Halbleitern, und der Unternehmensberatung McKinsey. Zu Google kam er vor 11 Jahren, am 1. April 2004 - dem Tag, an dem der E-Mail-Dienst des Internet-Konzerns gestartet wurde, was auch er anfangs für einen der üblichen Aprilscherze der Firma hielt. Seine erste Aufgabe war die Arbeit am Google-Suchfenster in Browsern wie Firefox oder Microsofts Internet Explorer. Pichais Vorschlag, Google sollte einen eigenen Browser entwickeln, überzeugte die Gründer. „Chrome“ kam 2008 heraus und hat mittlerweile die beiden Konkurrenzprodukte Explorer und Firefox hinter sich gelassen.

          Schon öfter fiel der Name des 1972 geborenen Managers, wenn andere Technologieunternehmen hochrangige Posten zu besetzen hatten. So wurde er als Kandidat gehandelt, als Microsoft im vergangenen Jahr einen Nachfolger für seinen Vorstandsvorsitzenden Steve Ballmer suchte. Das Unternehmen entschied sich dann allerdings für eine interne Lösung und vergab den Posten an Satya Nadella. 2011 soll Pichai kurz davor gestanden haben, als Produktchef zum Kurznachrichtendienst Twitter zu wechseln. Google soll ihm ein Aktienpaket im Wert von 50 Millionen Dollar geboten haben, damit er bleibt.

          Mit seinem neuen Posten zählt Pichai zu einer wachsenden Gruppe gebürtiger Inder im Topmanagement amerikanischer Unternehmen. Auch Microsoft-Chef Nadella kommt aus Indien, ebenso wie Indra Nooyi, die Vorstandsvorsitzende von Pepsico, und Shantanu Narayen, der den Softwarekonzern Adobe führt. Klar ist damit auch: Die Zeiten, in denen man Pichai als Geheimwaffe bezeichnen kann, sind vorbei.

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