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Googles Betriebssystem : Patentkrieg gegen Android

  • -Aktualisiert am

Googles Android: Der Wettbewerb wird vor Gericht entschieden Bild: REUTERS

Google, sonst auch nicht zimperlich in der Wahl seiner Mittel, wehrt sich öffentlich gegen Patentklagen seiner Wettbewerber. Der Vorwurf: Apple und Microsoft hätten die Mobilfunk-Patente von Nortel nur gekauft, um Handy-Hersteller mit Klagen zu überziehen.

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          Dass sich Handyhersteller gegenseitig wegen Patenverletzungen verklagen, gehört in der Branche inzwischen zum Tagesgeschäft. Doch jetzt ist der Patentstreit zwischen Google auf der einen Seite und einer Allianz aus Microsoft, Apple, Sony und Research in Motion auf der anderen Seite eskaliert. Google wirft seinen Wettbewerbern in einem Blog-Beitrag offen vor, „einen Krieg gegen das Google-Betriebssystem Android“ zu führen. Der Vorwurf: Die Allianz um Apple und Microsoft hätte die Mobilfunk-Patente von Nortel für 4,5 Milliarden Dollar im Juli nur gekauft, um jetzt Handy-Hersteller wie HTC oder Samsung mit Klagen zu überziehen. Das sind die beiden Hauptproduzenten der Smartphones mit dem von Google entwickelten Android-System.

          Unter dem Erfolg der beiden Unternehmen leiden – auf unterschiedlichen Niveaus – vor allem Apple und Microsoft: Samsung könnte schon bald mehr Geräte als der Marktführer Apple verkaufen. Zusammen haben die Android-Hersteller inzwischen einen deutlich größeren Marktanteil als Apple, sind allerdings nicht so profitabel. Und Microsoft macht mit seinem runderneuerten Betriebssystem Windows Phone 7 keinen Stich gegen Android, was auch an den Lizenzgebühren liegen könnte, die Microsoft von den Herstellern verlangt, während Google den Herstellern sein System kostenfrei gibt. Wenn Samsung und HTC künftig Geld für ein Android-System ausgeben müssen – Google spricht von 15 Dollar je Gerät – könnten sowohl Apple als auch Microsoft die Nutznießer sein. Nach Ansicht von Google haben die Patent-Klagen also nur ein Ziel: Die lästige Konkurrenz aus dem Hause Google zu schwächen.

          Beste Drähte in die amerikanische Regierung hinein

          Doch die 4,5 Milliarden Dollar für die rund 6000 Nortel-Patente, die sich überwiegend um Mobilfunk-Techniken drehen, bedeuten noch nicht das Ende des Bieterwettstreits. Inzwischen bietet das Unternehmen Interdigital 8800 Patente aus diesem Umfeld an, die nach Schätzungen des Technik-Blogs Techcrunch in der aktuellen Lage 5 Milliarden Dollar oder mehr wert sein könnten. Im Besitz auch dieser Patente könnten die Anwälte von Apple und Microsoft noch mehr Sand ins Getriebe der Android-Fraktion auf dem Mobilfunkmarkt streuen.

          Drummond, der mit allen Wassern gewaschene Chef-Justiziar von Google, will mit seinem Blog-Eintrag primär den Druck auf das amerikanische Justizministerium erhöhen, ein neues Patentrecht auf den Weg zu bringen. Angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage in den Vereinigten Staaten könnte der Verdacht, das Patentrecht behindere Innovation und damit Wachstum, schnell für hektische Betriebsamkeit in Washington sorgen. Zudem unterstützte das Patentrecht einen Systemfehler: Die Patente seien nicht gekauft worden, um eigene Produkte zu verbessern, sondern einzig und allein um die Konkurrenz zu schwächen. Googles Chancen, mit dieser Taktik Erfolg zu haben, stehen nicht so schlecht, denn das Unternehmen verfügt inzwischen über beste Drähte in die amerikanische Regierung hinein. Nach Medienberichten hat das amerikanische Justizministerium auch schon begonnen, den Verkauf der Nortel-Patente unter die Lupe zu nehmen.

          Smartphones überholen klassische Computer

          Microsoft hat inzwischen auf den ungewöhnlichen Blog-Eintrag mit ebenso unüblichen Methoden reagiert. Ein Sprecher legte eine E-Mail von Google offen, in der das Unternehmen ein Angebot von Microsoft für ein gemeinsames Gebot für die Patente abgelehnt hat. Aus Sicht von Google hätte ein gemeinsames Gebot nicht verhindert, dass Android mit Klagen überzogen werde. Nach eigenen Angaben hat Google nur 900 Millionen Dollar für die Nortel-Patente geboten; in der Branche wird aber von einem 4-Milliarden-Gebot gesprochen, da die Apple-Microsoft-Allianz ansonsten wohl kaum 4,5 Milliarden Dollar zu zahlen bereit gewesen wäre.

          Der Wettbewerb um den lukrativen Markt der internetfähigen Handys (Smartphones) wird mit allen Tricks geführt, weil viele Milliarden Dollar auf dem Spiel stehen. Smartphones überholen gerade klassische Computer als bevorzugte Geräte für den Zugang zum Internet. Im vergangenen Quartal wurden in aller Welt 110 Millionen Geräte dieser Art verkauft, 76 Prozent mehr als im Vorjahresquartal, hat das Marktforschungsunternehmen Strategy Analystics gemessen. Hält das Wachstum an, könnten in diesem Jahr bis zu 500 Millionen Smartphones über die Ladentische gehen. Apple hat diesen Markt mit der Erfindung des iPhones erst groß gemacht, doch Google hat mit Android ein gleichwertiges System entwickelt. Nun könnte der Wettbewerb nicht auf dem Markt, sondern vor Gericht entschieden werden.

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