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Google : Die rosarote Welt von Eric Schmidt

Eric Schmidt umschifft alle Kontroversen. Bild: AP

Der Verwaltungsratschef von Google stellt sein neues Buch über den Konzern vor. Schmidt gibt sich als Technologieoptimist, Kritik an Google ist allerdings nicht vorgesehen.

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          In der einen Ecke des Raumes steht der Modedesigner Zac Posen, in der anderen der frühere amerikanische Notenbankchef Paul Volcker. Zwischendrin im noblen New Yorker Restaurant „Four Seasons“ tummelt sich eine bunt zusammengewürfelte Truppe mit hochkarätigen Prominenten: Architekt Richard Meier ist ebenso gekommen wie Ökonom Nouriel Roubini, Lifestyle-Unternehmerin Martha Stewart oder Martin Sorrell, der Chef des Werbekonzerns WPP. Das ist keine üble Besetzung für einen Cocktailempfang aus Anlass der Veröffentlichung eines Wirtschaftsbuchs.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Gefeiert wird hier Eric Schmidt, der Verwaltungsratsvorsitzende des Internetkonzerns Google. Er hat ein Buch über seinen Arbeitgeber mit dem Titel „How Google works“ („Wie Google funktioniert“) geschrieben, zusammen mit Jonathan Rosenberg, einem langjährigen Google-Manager, der heute noch als Berater für Mitgründer und Vorstandschef Larry Page fungiert. Die beiden Männer haben an diesem Abend schon eine tagelange Werbetour auf diversen Podien und Fernsehkanälen hinter sich, zeigen sich aber beeindruckt von dem Aufmarsch an Prominenz.

          Rosenberg freut sich über die „vielen wichtigen Leute“ im Publikum und macht dafür in gebotener Bescheidenheit seinen Gastgeber verantwortlich, bei dem es sich um niemand anderen als den Investor Nicolas Berggruen handelt. Dieser mag in Deutschland nach seinem misslungenen Engagement bei der Warenhauskette Karstadt derzeit nicht den besten Ruf genießen, aber in der New Yorker High Society ist er offenbar populär genug, dass Rosenberg über ihn sagt: „Wenn man in New York eine Buchparty veranstalten will, sollte man Nicolas fragen.“ Wobei streng genommen neben Berggruen auch die bestens vernetzte Autorin Arianna Huffington eingeladen hat, die aber an diesem Abend krankheitsbedingt verhindert ist.

          Karstadt-Investor Berggruen lädt die High Society ein

          Eric Schmidt fasst sich in seiner Ansprache an die versammelten Gäste kurz. Er sagt, das Buch sei als Management-Ratgeber in Zeiten großer technologischer Umwälzungen gedacht, die Unternehmen dazu zwingen, „hyper-innovativ“ zu sein. Wie um nicht den Eindruck entstehen zu lassen, er habe hier eine trübsinnige Lektüre abgeliefert, fügt er hinzu, dass das Buch „fast durchgehend eine positive Botschaft“ habe. Gerne signiere er es für die Besucher, sagt er noch, bevor er das Mikrofon wieder abgibt.

          Es ist in der Tat eine ziemlich rosarote Welt, die Schmidt und Rosenberg in ihrem Buch schildern. Eine Welt, in der all die Kontroversen um Marktmacht oder Datenschutz, die Google in den vergangenen Jahren heimgesucht haben, weitgehend außen vor bleiben. Google wird als ein Ort beschrieben, der voll ist mit Menschen eines neuen Schlags, den die Autoren „Smart Creatives“ nennen: Risikofreudige, meinungsstarke, technisch brillante, mit gutem Geschäftssinn ausgestattete, schnell gelangweilte, vor Ideen und Eigeninitiative sprudelnde Mitarbeiter.

          Als Inspiration dienen die beiden Gründer Larry Page und Sergey Brin, die der Belegschaft eingetrichtert haben, in großen Dimensionen zu denken. Das heißt: sich an extrem ambitionierte Projekte heranwagen, in Google-Sprache „Moonshots“ genannt. Und Dinge um den Faktor zehn verbessern zu wollen und nicht nur um 10 Prozent. „Googles Gründer sind wirklich so gut, wie wir sie beschreiben,“ schwärmen die Autoren am Ende des Buches.

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