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Digitale Assistenten : Google will die Wohnung steuern

Googles Innovation: „Vase, buche mir ein Uber“ Bild: AFP

Amazon hat mit dem digitalen Assistenten „Echo“ einen Überraschungserfolg gelandet. Jetzt präsentiert Google seine Kampfansage an das Online-Kaufhaus.

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          Als der Online-Händler Amazon vor knapp zwei Jahren ein Gerät mit dem Namen „Echo“ herausbrachte, wusste die Fachwelt nicht so recht, was sie damit anfangen sollte. Es ist ein persönlicher Assistent nach dem Vorbild der von Apple bekannten Software Siri, der in einem zylindrischen Lautsprecher untergebracht ist.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Das Gerät spielt nicht nur Musik ab, sondern beantwortet auch Fragen und kann sogar Witze erzählen. Die Kommandos können dem Gerät freihändig zugerufen werden. Mit dem Echo entfällt also die Notwendigkeit, immer nach seinem Smartphone zu kramen. Die Kritiken für das Gerät waren zunächst durchwachsen, aber mittlerweile hat es sich zu einem Überraschungserfolg entpuppt.

          Amazon nennt zwar selbst keine Zahlen, aber Schätzungen zufolge hat das Unternehmen bislang schon mehr als drei Millionen Exemplare verkauft. Das 180 Dollar teure Gerät gibt es bislang nur in Amerika.

          Mountain View : Google setzt auf sprachgesteuerte Web-Suche und Geräte-Kontrolle

          Eine Fernbedienung mit Sprachfunktion

          Mit dem Echo, zu dessen Kernfunktionen es gehört, Fragen zu beantworten, hat sich Amazon auf das Revier des Internetkonzerns Google und seiner Suchmaschine vorgewagt. Nun hat Google gekontert und seine eigene Variante eines persönlichen Assistenten in Hardwareform vorgestellt.

          Auf der Entwicklerkonferenz „Google I/O“ an seinem Firmensitz im kalifornischen Mountain View zeigte das Unternehmen eine Vorschau auf das Gerät „Google Home“, das im späteren Verlauf des Jahres auf den Markt kommen soll. Von der Form her erinnert es an eine Blumenvase. Es kann auseinandergenommen werden, der obere Teil ist weiß, und das Fußstück gibt es in verschiedenen Farben.

          Nach den Beschreibungen von Google kann das Gerät ähnliche Funktionen übernehmen wie es auch der Amazon Echo tut. „Es ist wie eine von der Stimme aktivierte Fernsteuerung“, sagte ein Manager. Google Home ist einerseits ein Unterhaltungsgerät. Es spielt Musik auf Befehl ab, und es kann auch mit dem Fernseher verbunden werden und dort Inhalte zeigen.

          Freihändig ein Taxi bestellen

          Es soll auch eine Art Steuerungszentrale im vernetzten Haushalt („Smart Home“) werden. Immer mehr Dinge im Haushalt werden mit dem Internet verbunden, und zum Google-Mutterkonzern Alphabet gehört Nest Labs, ein Hersteller von intelligenten Thermostaten und anderen Geräten. Diese Nest-Thermostate und viele andere Dinge könnten nach Googles Vorstellung künftig von Google Home gesteuert werden.

          Der Assistent soll auch Fragen beantworten können, schließlich ist das die Kernkompetenz von Google. Einfache Dinge wie „Wieviel Fett steckt in einer Avocado?“ sollen ebenso beantwortet werden können wie komplexere Anfragen, zum Beispiel: „Wie groß war die amerikanische Bevölkerung, als die Nasa gegründet worden ist?“

          In einem Demonstrationsvideo wurde das Gerät mit den Worten „Okay, Google“ und „Hey, Google“ aktiviert. Das Schlüsselwort für Amazons Echo ist „Alexa“. Google hofft, seinen neuen Assistenten auch mit unternehmensfremden Diensten zu verknüpfen. Dies tut auch Amazon mit seinem Echo, der zum Beispiel in der Lage ist, ein Auto des Fahrdienstes Uber zu bestellen. Ob und wann Google Home außerhalb Amerikas herauskommt, ließ das Unternehmen zunächst offen. Auch zum Preis machte Google keine Angaben.

          Besser als die Apple-Watch

          Jenseits dieses Geräts soll der digitale Assistent auch Bestandteil des neuen Kurzmitteilungsdienstes „Allo“ werden, der ebenfalls am Mittwoch vorgestellt wurde. Damit wird Google mit Diensten wie Whatsapp oder Messenger konkurrieren, die zum sozialen Netzwerk Facebook gehören. Allo erlaubt nicht nur Kommunikation, sondern integriert auch verschiedene Google-Dienste wie die Google-Suche. Die Anwendung hat außerdem eine Funktion, die automatisch Antworten auf Mitteilungen vorschlägt. Allo gibt seinen Nutzern die Möglichkeit, Nachrichten zu verschlüsseln, ähnlich wie dies seit kurzem auch bei Whatsapp der Fall ist.

          Es gab am Mittwoch noch einige andere Ankündigungen von Google: So stellte das Unternehmen eine neue Version von „Android Wear“ vor, eine Software für am Körper tragbare elektronische Geräte („Wearables“) wie Computeruhren. Die Neuauflage erlaubt es, Anwendungen zu nutzen, auch wenn eine Computeruhr nicht mit einem Smartphone verknüpft ist. Damit setzt sich Google von Apple und seiner Apple Watch ab, die für viele Funktionen mit einem iPhone-Handy verbunden sein muss. Es gibt allerdings Spekulationen, wonach dies bei der nächsten Version der Apple-Uhr nicht mehr der Fall sein wird.

          Google wagt sich außerdem weiter auf das zukunftsträchtige Feld der sogenannten „virtuellen Realität“ vor. Vor zwei Jahren stellte Google schon „Cardboard“ vor, eine recht primitive Brillenkonstruktion aus Karton, die als Halterung für ein Smartphone fungiert. Diese Kombination aus Smartphone und Pappbrille erlaubt es Nutzern, in virtuelle Welten einzutauchen, also Inhalte anzusehen, als ob sie direkt inmitten des Geschehens wären.

          Das neue Trendsegment

          Jetzt kündigte Google die neue Plattform „Daydream“ für virtuelle Realität an, die Teil der nächsten Version des Smartphone-Betriebssystems Android werden und mit Handys verschiedener Hersteller kompatibel sein soll. Google hat außerdem ein Referenzdesign für eine neue VR-Brille und ein zugehöriges Steuerungsgerät entwickelt. Für die neue Plattform will Google außerdem spezielle VR-Apps anbieten. Darunter sollen die Online-Videothek Netflix, Videospiele sowie verschiedene Medien wie CNN oder die New York Times sein.

          Virtuelle Realität gilt derzeit als Trendsegment. Es gibt mittlerweile eine Reihe von Brillen, die das Ansehen solcher Inhalte erlauben. Manche von ihnen arbeiten in Verbindung mit Smartphones, manche wie das kürzlich herausgekommene Gerät Oculus Rift haben eine integrierte VR-Funktion. Dessen Hersteller Oculus VR gehört zu Facebook.

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