https://www.faz.net/-gqm-xtwb

Google Nexus S : Neue Referenz bei Android-Smartphones

Einen Tick größer als ein iPhone 4: Nexus S Bild: AFP

Das Google Nexus S mit verbessertem Betriebssystem und prachtvollem Display bietet „Android pur“. Wer Apples iPhone nicht mag, sollte dieses Gerät kaufen und kein anderes. Im Frühjahr kommt es auch nach Deutschland.

          5 Min.

          Dieses Jahr wird das Jahr der Smartphones, der Taschencomputer zum Lesen der E-Mail, zum Surfen im Internet und zur Kontaktpflege in den diversen Netzwerken. 2010 sollen in aller Welt rund 270 Millionen in den Handel gebracht worden sein, für 2011 erwartet man eine Verdopplung der Verkaufszahlen. Aber welches Betriebssystem macht das Rennen? In den Vereinigten Staaten stürmt seit Monaten das Android-Betriebssystem der „Open Handset Alliance“ nach vorn und liegt fast gleichauf mit Apples iOS für das iPhone und den Blackberrys des kanadischen Herstellers RIM. Global gesehen dominiert noch das ältere Symbian von Nokia, aber es verliert fortwährend Marktanteile. Und die Meinungsführer haben es schon lange abgeschrieben.

          Michael Spehr
          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Für die meisten Fachleute ist klar: Android, das erst Anfang 2009 an den Start ging, wird schon in wenigen Quartalen weltweit die Führungsposition übernehmen. Warum Android? Das maßgeblich von Google vorangetriebene Betriebssystem ist freie Software und quelloffen. Ungeachtet der engen Bindung an den Betreiber der Suchmaschine kann man es ohne Gängelungen und Restriktionen nutzen, es ist zudem einfach in der Bedienung, sehr leistungsfähig und steht vor allem für eine geradezu atemberaubende Dynamik. In den vergangenen zwei Jahren wurde aus einem unscheinbaren hässlichen Entlein ein attraktives, modernes System mit allen wichtigen Funktionen - und mehr als 200 000 Zusatzprogrammen (“Apps“). Dass Android im neuen Jahr einen kräftigen Aufschwung erleben wird, liegt darüber hinaus am Gerätepreis. In den nächsten Monaten werden günstige Androiden für weniger als 200 Euro erhältlich sein, hier und da ist sogar von 100 Euro die Rede.

          Nun präsentiert Google sein zweites Modell mit „Android pur“, das Nexus S. Es ist das neue Referenzgerät, denn neben dem ein Jahr alten Nexus One (hergestellt von HTC) ist es der einzige Androide, der ohne jedes „Tuning“ in den Handel kommt. Bei allen anderen Produkten von HTC, Samsung, Motorola, Sony Ericsson und LG gießen die Hersteller ihre eigenen Erweiterungen über das Betriebssystem. Das soll raffinierte Verfeinerung sein und Zeichen der Eigenständigkeit. Tatsächlich aber sind diese Extras ein Ärgernis, weil sie überflüssig und meist unpraktisch sind und wertvolle Systemressourcen in Anspruch nehmen. Das Tuning verhindert zudem, dass Android-Aktualisierungen rasch auf das jeweilige Gerät gelangen. Alles muss erst produktspezifisch angepasst werden. Für das Motorola Milestone vom Dezember 2009 ist beispielsweise Android 2.2 (Froyo) noch immer nicht erhältlich. Also gute Gründe für Android ohne Schnickschnack.

          Als erstes mit Android 2.3 Gingerbread

          Das Nexus S, das derzeit nur in den Vereinigten Staaten und in Großbritannien für weniger als 500 Euro erhältlich ist, bringt als erstes und vorerst einziges Modell das ganz neue Android 2.3 Gingerbread mit, es ist also auch in dieser Hinsicht ein Vorreiter. Doch zunächst ein Blick auf die Hardware. Das von Samsung produzierte Gerät folgt unverkennbar dem Galaxy S der Koreaner: Es hat im Unterschied zum Nexus One ein Super-Amoled-Display, das hinsichtlich Sättigung, Leuchtstärke und Farbwiedergabe sofort überzeugt, aber draußen bei hellem Sonnenschein etwas schlecht ablesbar ist. Anzeige und Gehäuse sind übrigens leicht konkav gebogen. Es dominiert ein sehr dünnes und billig wirkendes Plastik, Materialanmutung und Verarbeitungsqualität sind bestenfalls ausreichend. Das Nexus S ist uns zu glatt und rutscht leicht aus der Hand, es ist aber ein bisschen größer und dicker als das iPhone 4 (6,3 × 12,4 × 1,1 Zentimeter, 130 Gramm).

          Außer den Tasten zum Einschalten und zur Regulierung der Lautstärke gibt es keine mechanischen Bedienelemente. Die Android-Tasten am unteren Bildschirmrand sind Softkeys, selbst ein Kamera-Auslöser fehlt. Vermissen wird man ferner die für Android typische Leuchtdiode oder illuminierte Rollkugel, die auf verpasste Ereignisse, neue E-Mail oder Chat-Anfragen hinweist. Sogar den Speicherkarten-Einschub für Micro-SD-Medien hat man sich gespart, dafür sind üppige 16 Gigabyte fest eingebaut - und wie eine Speicherkarte ansprechbar. Der interne Arbeitsspeicher für Programme ist 1 Gigabyte groß. Nach der Installation etlicher Apps blieben bei uns 800 Megabyte frei. Probleme mit knappem Speicher, wie man sie vom Samsung Galaxy S oder HTC Desire kennt, dürften hier also nicht auftreten.

          Weitere Themen

          Post setzt auf Elektroflugzeuge Video-Seite öffnen

          Neues Zeitalter : Post setzt auf Elektroflugzeuge

          Die Frachttochter DHL Express habe beim Elektroflugzeug-Hersteller Eviation zwölf Elektroflugzeuge des Typs „Alice“ bestellt, teilte der Bonner Konzern mit.

          Topmeldungen

          Im Fokus: Thomas Bach, hier 2020

          IOC-Präsident Thomas Bach : Direktor ohne olympischen Geist

          „Wir fühlen uns betrogen“: Der Umgang mit Hiroshima lässt Japans Ärger über Thomas Bach, den deutschen Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees, weiter wachsen.
          Eine Covid-19-Teststation in der chinesischen Stadt Zhengzhou

          Corona-Ausbruch in China : Die Thermometer sind zurück

          Peking hatte die seit langem niedrigen Corona-Zahlen mit einer „Überlegenheit des chinesischen Systems“ erklärt. Doch nun gibt es so viele Neuinfektionen wie seit April 2020 nicht mehr. Die Behörden greifen zu drastischen Mitteln.
          Halbe Seite vom früheren CSU-Kultus- und Wissenschaftsminister Hans Maier übernommen? Neue Vorwürfe gegen Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet

          Buch des CDU-Kanzlerkandidaten : Neue Plagiatsvorwürfe gegen Laschet

          Der österreichische Medienwissenschaftler Stefan Weber zieht seine entlastende Stellungnahme zum Buch des Unions-Kanzlerkandidaten Armin Laschet zurück. Weber kündigte an, das Buch genauso detailliert zu prüfen wie jenes der Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.