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Suchmaschine : Google ist viel besser als sein Ruf

Google hat auch schon eine Geisterbahn gebaut. Bild: dpa

Der Suchmaschinen-Gigant ist für viele Deutschen zum Bösewicht mutiert. Die Anschuldigungen werden von Tag zu Tag wilder. Höchste Zeit für eine nüchterne Bilanz: Verfügt Google tatsächlich über ein Monopol? Wir glauben das nicht.

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          Noch bevor wir einen Termin beim Arzt haben, steht für Google schon fest, dass unser Gesundheitszustand besorgniserregend ist. Wir suchen im Netz nach „Schmerzen im Unterleib“ und „Blut im Urin“. Irgendwann werden die Suchanfragen spezifischer, die Vorahnung auf Prostatakrebs liegt schon in der Luft. Präzise sind die Informationen, die das Internet bietet. Die Diagnose ist dann nur noch für uns selbst ein Schock. Google weiß es schon längst, hat die konzerninterne Versicherung informiert, die Prämien werden gerade noch rechtzeitig erhöht. Denn Google kennt alle unsere Fragen und Antworten. Dazu setzt es Drohnen ein, die durch die Luft schwirren, und schwimmende Dateninseln, die sich außerhalb von Recht und Gesetz jedes Staates bewegen.

          Corinna Budras

          Redakteurin in der Wirtschaft und für Frankfurter Allgemeine Einspruch.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Solche Horrorszenarien halten viele für die kaum noch abzuwendende Zukunft unserer Gesellschaft: Google ist der neue Bösewicht der Deutschen. Ein gefährlicher Monopolist, der seine Marktmacht schamlos ausnutzt. Aus der harmlosen nützlichen Suchmaschine mit den bunten Buchstaben ist inzwischen eine bedrohliche kommerzielle Supermacht aus Amerika geworden. Innerhalb kürzester Zeit ist es Google gelungen, zu erstaunlicher Größe zu gelangen. Weltweit erwirtschaftet das Unternehmen knapp 60 Milliarden Dollar Umsatz und beschäftigt fast 50.000 Mitarbeiter.

          Unter den klassischen Suchmaschinen hat Google in Deutschland eine marktbeherrschende Stellung. Hier hat das Unternehmen einen Marktanteil von mehr als 90 Prozent. In Amerika ist es etwas weniger, rund 60 Prozent sind es aber auch dort. Doch der Konzern ist längst mehr als eine Suchmaschine mit 100 Milliarden Suchanfragen im Monat - auch wenn alles andere um diese herum gruppiert wurde.

          Lieblingsfeind der Deutschen

          Mit Google Maps gehört der Konzern zu den wichtigsten Anbietern von Internetkarten überhaupt, mit Google News zu den großen Nachrichtenportalen. Mit Youtube kaufte Google die weltgrößte Videoplattform - hinzu kam auch Doubleclick, der wichtigste Vermarkter von Online-Werbung. Außerdem erwarb der Konzern einen Hersteller hundeähnlicher Roboter, die durch Flüsse laufen können, und einen Produzenten von Solar-Drohnen, die das Internet in den hintersten Winkel der Welt bringen sollen. Als nächstes, aber sicher nicht letztes Projekt will Google die Autos vernetzen. Und mit der Brille Google Glass kommt jetzt der Bildschirm direkt vor die Augen.

          Kann es da überhaupt einen Zweifel geben, dass Google ein übermächtiges Konglomerat ist? Ein Monopolist gleichsam in allen Klassen?

          Je dominanter ein Unternehmen wird, desto unbeliebter macht es sich unter den Konkurrenten. Eine marktbeherrschende Stellung ist verführerisch, der Anreiz groß, sie auszunutzen. Kaum einer kann sich dem entziehen. Aus dem einstigen Vorzeigeunternehmen aus dem Silicon Valley mit den himmlischen Arbeitsbedingungen ist ein neuer Lieblingsfeind geworden, nicht nur für die Deutschen, aber für sie ganz besonders.

          Widersacher Microsoft

          Mit großen Verlagen und anderen Internetportalen hat sich der Konzern schon vor Jahren angelegt, weil er gern und am liebsten kostenlos Texte verwendet, die eigentlich anderen Menschen gehören: Bücher, Zeitungsartikel oder Bewertungen. Werbepartner hat er verärgert, weil er ihnen vorgeschrieben hat, auf welchen Plattformen sie noch so werben können: nämlich am besten auf gar keinen.

          Unternehmer jeder Couleur sind empört, weil sie fürchten, dass die Suchergebnisse zu ihren Ungunsten manipuliert wurden: Google, so der Vorwurf, bevorzuge die eigenen Unternehmen wie Goople Maps, Youtube und Gmail. Die poppen früher auf, während andere das Nachsehen haben. Dabei weiß jeder, der eine Maus bedienen kann: Wer nicht auf Seite eins der Suchlisten auftaucht, fristet im Netz ein digitales Mauerblümchendasein.

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