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Suchmaschine : Google ist viel besser als sein Ruf

Das alles zeigt: Im Internet gibt es einen Wettbewerb, wie ihn einst der Ökonom Joseph Schumpeter beschrieben hat: Es entstehen ständig neue, innovative Unternehmen, die ältere Unternehmen hinwegfegen. Die neuen Unternehmen haben immer eine Zeitlang eine gewisse Marktmacht - bis wieder neue kommen und sie ablösen.

Die nüchterne Analyse des Monopolspezialisten wird die Kritiker nicht verstummen lassen. Google frisst unsere Daten, rufen sie. Und manipuliert uns. Der Google-Algorithmus kennt uns besser als wir selbst. Längst wurden Datenschutzbehörden aus den unterschiedlichsten Ländern tätig und belegten Google mit Bußgeldern. Und mit der neuesten Innovation „Google Glass“ kommt schon die nächste Bedrohung. Der Konzern bringe sie nur auf den Markt, um noch mehr Daten sammeln zu können. Den Deutschen liegt der Datenschutz so sehr am Herzen wie wohl kaum einem anderen Volk.

Der paradoxe Nutzer

Oder doch nicht? Die Sache ist auch hier uneindeutig. Während Politiker und Medien Alarm schlagen, googeln die Nutzer weiter ihre Krankheitsbilder. Das freilich ist keine Erfindung von Google: Die Menschen sind nur allzu bereit, schon für kleinste Vorteile im Internet hochsensible Daten von sich selbst preiszugeben. Bei Facebook verraten sie für ein bisschen Aufmerksamkeit ihrer Freunde Details über fast ihr gesamtes Privatleben. Und an der Supermarktkasse geben sie ihre Einkäufe für ein paar Bonuspunkte preis.

Für die Unternehmen sind diese Daten Gold wert, können sie doch so herausbekommen, mit welchen Angeboten sie ihre Kunden am ehesten das Geld entlocken können. Dabei ist das System keineswegs perfekt: Bei Amazon erfreuen manchen die maßgeschneiderten Vorschläge, während manche Autoren sich wundern, warum ihnen immer wieder dieselben Bücher angeboten werden - nämlich die eigenen.

Die Wertschätzung für die eigenen Daten scheint gering. Gleichzeitig gibt es nur wenig, was den Menschen mehr in Angst und Schrecken versetzt als der Missbrauch ihrer Daten.

Diese Diskrepanz ist gar nicht so schizophren, wie sie auf den ersten Blick scheint: Die Vorteile einer optimierten Suche sieht man offen auf dem Bildschirm, während drohende Gefahren in weiter Ferne liegen. Wer sich in keinen Google-Dienst registrieren lässt, liefert dem Internetkonzern nur die anonymisierte Information. Details zur Person und zur Suche verbinden sich derzeit nur bei dem zu einem großen Ganzen, der Gmail nutzt und die entsprechende Funktion nicht ausschaltet hat.

Ohnehin zeichnen Suchanfragen keineswegs ein klares Bild über den Fragenden. Wer Informationen über Prostatakrebs sucht, muss sich keineswegs nur Sorgen um den eigenen Gesundheitszustand machen. Die Anlässe für die Suche können mannigfaltig sein. Bisher verfügt Google auch nicht über eine Krankenversicherung oder einen Gesundheitsdienst, den diese Informationen finanziell interessieren können. Mit dem Unternehmen Calico zielt Google derzeit auf die Erforschung von Krankheiten und die Verlängerung des Lebens.

Derzeit weiß Google zwar vieles, aber längst nicht alles. Die Bilanz unserer ökonomischen Analyse ist ernüchternd. Naiv wäre es, zu sagen, Google sei ungefährlich. Doch die Horrorszenarien, die sich derzeit selbst überbieten, sind deutlich übertrieben. Die Wettbewerber von Google sind zu Recht in Aufruhr: Sollen sie sich doch etwas Neues einfallen lassen. Den Kunden, den Nutzern, wäre damit mehr gedient als mit Drohgeschichten.

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