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Suchmaschine : Google ist viel besser als sein Ruf

Problematisch werden Monopole erst dann, wenn sie sich verfestigen. Und wenn Unternehmen ihre marktbeherrschende Stellung missbrauchen. „Die entscheidende Frage ist, ob Google ein sogenanntes resistentes Monopol hat“, sagt Wettbewerbsökonom Haucap.

Das heißt: Es ist wichtig, ob andere Anbieter Google mit Erfolg Konkurrenz machen können. Auf den ersten Blick scheint die Antwort eindeutig: Bei der Internetsuche kann Google niemand so richtig das Wasser reichen. Das Problem für die Konkurrenten ist dabei die schiere Masse der Suchanfragen. Je stärker die Monopolstellung, desto einfacher ist es, die Technik zu verbessern. Nirgendwo stimmt das so sehr wie im Netz, dort ist die Rechnung geradezu banal: Je mehr Daten Google von uns bekommt, desto akkurater werden die Suchergebnisse. Mit jeder Anfrage, mit jedem Klick auf bestimmte Suchergebnisse, werden die Präferenzen klarer. Die Konkurrenz ist weit abgeschlagen, weil der Internetkonzern so viel Vorsprung bei den Suchvorgängen hat.

„Andere können Google Konkurrenz machen“

Wäre es so, hätte Google einen uneinholbaren Vorteil. Eine Studie der amerikanischen Wissenschaftler Geoffrey Manne und Joshua Wright belegt allerdings: Auch bei Suchmaschinen nimmt der Nutzen der Datenflut mit der Zeit irgendwann ab. Von einem bestimmten Punkt an hat eine Suchmaschine so viele Suchvorgänge durchgeführt, dass weitere Suchen sie kaum noch besser machen. „Auch Konkurrenten von Google wie Yahoo oder Bing haben mittlerweile viele Suchanfragen ausgewertet wie Google vor einigen Jahren“, sagt Haucap.

Der Ökonom beantwortet die Frage, ob andere Anbieter Google mit Erfolg Konkurrenz machen können, deshalb klar: „Das ist aus meiner Sicht sehr wohl der Fall“, sagt Haucap. Und Facebook hat das mit Google Plus ja gerade bewiesen. Im Internet hätten Monopole nur eine begrenzte Lebensdauer - das hätten die vergangenen Jahre gezeigt, sagt Haucap. Zuerst war die Suchmaschine Altavista vorherrschend, dann Yahoo. „Google ist erst seit etwa zehn Jahren auf dem Markt für Suchmaschinen marktbeherrschend.“

Bei Google selbst hält man die Vorstellung, man halte ein Monopol auf die Daten im Internet, schlicht für absurd. Schließlich habe man Hunderte von Konkurrenten: Amazon ist ein bedeutender, wenn es um den Einkauf geht, diverse spezialisierte Portale bei der Suche nach Hotels, Restaurants oder Flugreisen.

Auch viel Geld schützt vor Wettbewerb nicht

Zwei gewichtige Argumente sprechen nach Ansicht von Wettbewerbsexperte Haucap dafür, dass Googles Monopol weniger „resistent“ ist als von vielen Kritikern befürchtet: Das ständige Auf und Ab der Unternehmen im Internet, dem verkrustete Strukturen zumindest bislang noch fremd sind. Und die Möglichkeit für die Nutzer der globalen Suchmaschine, auf kleinere Konkurrenten auszuweichen, wenn Google seine Marktmacht missbrauchen sollte.

Das Gejammer der Konkurrenz über die Uneinholbarkeit von Google relativiert sich auch deshalb, weil Wettbewerber nicht gerade viel Kapital benötigten, um dem Platzhirsch Konkurrenz zu machen. „Für ein neues Internetunternehmen braucht man keine Stahlwerke, sondern nur eine begrenzte Zahl von Mitarbeitern“, sagt Haucap. Bestes Beispiel ist die erfolgreiche Smartphone-Plauderfirma Whatsapp: Die hat es mit nur rund 50 Mitarbeitern in kürzester Zeit geschafft, zu einem milliardenschweren Konzern aufzusteigen. Es wird Google nicht vor Konkurrenz schützen, dass das Unternehmen viel Geld hat.

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