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Suchmaschine : Google ist viel besser als sein Ruf

Ähnlich wie bei „Wer kennt wen“ verflog das Interesse mit der Zeit aber wieder. Nach und nach wandten sich immer mehr Leute wieder Facebook zu. Sie fanden es irgendwie gemütlicher, persönlicher, weniger technisch. Da half es auch wenig, dass Google seine Suchmaschine dafür nutzte, zusätzliche Besucher zu Google Plus zu leiten. Das erhöhte zwar die „Visits“, die akribisch gemessenen Besuche der Internetseite. Google konnte weiter Jubelmeldungen über steigende Nutzerzahlen verbreiten. Zugleich aber war bei Google Plus immer weniger los: Die Kommentarspalten und Fotoalben verwaisten. Die Nutzer fühlten sich dort einfach nicht wohl.

Was bemerkenswert ist: Es waren keine Kartellbehörden und keine Politiker, die Googles ambitioniertes Online-Netzwerk in die Bredrouille brachten: Es waren die Nutzer im Internet selbst, die sich anders orientiert haben. Sie haben das letzte Wort gesprochen und mussten sich dafür noch nicht einmal Hilfe vom Staat holen. Google unterjocht seine Kunden? Nichts davon - im Fall von Google Plus.

Die EU-Kommission prüft

Wenn die Nutzer im Internet entscheiden, dass sie ein Angebot nicht mehr wollen, dann kann das selbst so ein großes internationales Unternehmen wie Google in die Knie zwingen. Das ist die Macht der Kunden. Solange sie irgendwie noch die Wahl haben, zu einem anderen Anbieter zu wechseln. Das hat im Fall Google Plus offenbar ganz handfeste Folgen.

Halt ein, rufen hier die Google-Kritiker. Die Schlappe von Google Plus ändert nichts an der marktbeherrschenden Stellung von Google. Als reine Suchmaschine beherrscht Google tatsächlich den Markt zu 90 Prozent. So sieht es auch die EU-Kommission. Aber eine dramatische Gefahr kann sie darin nicht entdecken. Seit mehr als drei Jahren beschäftigen sich die Brüsseler Wettbewerbshüter mit dem Fall. Mit vielen Argumenten hatten mehr als 20 Beschwerdeführer im November 2010 die Wettbewerbshüter auf die Spur gesetzt, darunter auch Microsoft.

Lange hat die Behörde in dem Fall ermittelt, doch seit Februar ist klar: Sie sieht keinen Grund für drastische Schritte. Der zuständige Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia zeigte sich mit einigen Zugeständnissen von Google zufrieden, deren Details eher die Liebhaber der Suchmaschinentechnik fesseln, als die Allgemeinheit in Wallungen zu bringen. Allerdings: Ein unabhängiger Aufpasser soll Google fünf Jahre lang überwachen, ob sich der Konzern auch an die Vorgaben hält.

Die Beschwerdeführer sind frustriert, doch Almunias Stoßrichtung ist klar: „Meine Aufgabe besteht darin, den Wettbewerb im Interesse der Verbraucher und nicht der Konkurrenten zu schützen.“ Und für die Verbraucher sieht Almunia offenbar keinen Schaden.

Fortschritt braucht Monopole

Wie kann es sein, dass ein Konzern eine marktbeherrschende Stellung hat, gleichwohl aber kein Schaden für die Nutzer entsteht? Befragen wir noch einmal den Ökonomen Justus Haucap, Mitglied der Monopolkommission. Ja, so ist es, sagt Haucap: Ein Monopol könne in bestimmten Fällen sogar gut sein. Neue Erfindungen, Innovationen, leben gerade von der Möglichkeit, dass ein Unternehmer am Anfang ein Monopol auf die neue Errungenschaft hat. Wer eine Maschine erfindet, verdient zunächst viel Geld damit: Er kassiert eine „Monopolrente“, wie Ökonomen sagen. Das geht so lange gut, bis Nachahmer kommen und die Innovation kopieren. Wer solche Art von Monopolen verbieten wollte, würde Innovationen den Anreiz nehmen. Und den Fortschritt behindern.

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