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Suchmaschine : Google ist viel besser als sein Ruf

Zu Googles größten Widersachern gehört der Computerkonzern Microsoft. Ausgerechnet Microsoft: Kaum ein Unternehmen wurde einst so sehr mit einer marktbeherrschenden Stellung in Verbindung gebracht wie der Hersteller der Windows-Betriebssysteme. Mehrmals hatte die EU-Kommission Bußgelder in dreistelliger Millionenhöhe verhängt. Jetzt fühlt sich Microsoft von Google behindert. Die Welt hat sich gedreht.

„Es gibt zu viel Google-Bashing“

Die Verhinderung von Monopolen ist seit Ludwig Erhard und den Ökonomen der ordoliberalen Freiburger Schule eine wichtige staatliche Aufgabe in der Marktwirtschaft. Wird ein Monopolist gefährlich, muss er eben zerschlagen werden. Doch während selbst Liberale wie der frühere Wirtschaftsminister Rainer Brüderle schon lauthals eine Zerschlagung des Google-Konzerns fordern, sind Politiker an den Schalthebeln der Macht noch zurückhaltend.

Der amtierende SPD-Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel erkennt zwar das grundsätzliche Problem, will aber die konkrete Entscheidung lieber anderen überlassen: Erst solle doch die Monopolkommission eine solche Zerschlagung prüfen, die ist schließlich für solche Fragen zuständig, fordert er in einer leidenschaftlich geführten Talkshow zu nachtschlafender Zeit.

Da trifft es sich gut, dass diese informelle Anfrage die Expertenrunde nicht ganz unvorbereitet trifft. Ganz im Gegenteil: Der Wirtschaftsprofessor Justus Haucap, Mitglied der Monopolkommission, beschäftigt sich schon lange mit der Marktmacht von Google und ihren Gefahren für das Internet und den freien Wettbewerb. Fragen wir also den Experten. Haucap analysiert nüchtern: „Aus meiner Sicht gibt es im Augenblick zu viel Google-Bashing“, sagt der Ökonom, der die Monopolkommission bis zum Jahr 2012 geleitet hat. Das Bild vom bedrohlichen Monopolisten Google werde von Politik und Medien überzeichnet. „Das ist vielleicht kein Monopol, aber ein Monopölchen.“

Auch Google kassiert Schlappen

Woran kann man eigentlich ein Monopol erkennen? Verkürzt gesagt daran, dass der Monopolist das Angebot verknappt und überhöhte Preise verlangt und der Kunde keine Alternative hat und dem Diktat des Monopolisten ausgeliefert ist.

Trifft das auf Google zu? Beginnen wir zunächst mit einer Meldung aus der vergangenen Woche. „Google Plus“, das soziale Netzwerk von Google, ist in enormen Schwierigkeiten. Jetzt tritt der dafür verantwortliche Konzernvize Vic Gundotra zurück. Google muss seine Niederlage eingestehen, mehr als tausend Entwickler verlassen Google Plus.

Ein mächtiger Monopolist und eine solch herbe Niederlage. Wie passt das zusammen? Gar nicht. Nichts zeigt eindrücklicher, dass auch Google im Netz nicht alles gelingt. Der Konzern war 2011 mit diesem Google Plus angetreten, um dem Marktführer Facebook Konkurrenz zu machen. Als ernstzunehmender Rivale hat es sich aber nie etablieren können: Google Plus schaffte es voriges Jahr zwar, den Kurznachrichtendienst Twitter in der Zahl der aktiven Benutzer zu überholen - das große Vorbild Facebook aber blieb unerreicht. Das Netzwerk solle „umgebaut“ werden, hieß es. Die Internet-Community deutete das einmütig als Eingeständnis des Scheiterns.

Die Nutzer haben das letzte Wort

Wer hat also die Macht? Ein vermeintlicher Monopolist oder der Nutzer? Zumindest im Fall Google Plus hat die Macht der Kunde, nicht Google. Denn es geht um einen regelrechten Nutzerstreik: Als Google vor drei Jahren ein eigenes soziales Netzwerk gründete, war die Euphorie noch groß gewesen: Endlich eine Alternative zu Facebook! Viele fanden Google Plus cooler. Auch die Datenschutzeinstellungen wurden im Vergleich zu Facebook als vorbildlich gelobt. Millionen Nutzer zogen um. Sie luden bei Google Plus Porträtfotos hoch, nahmen Kontakt zu ihren Freunde auf - und chatteten, flirteten und stritten munter drauf los.

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