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Google : Die Abwege eines Weltverbesserers

Solche Episoden tragen zu dem Argwohn gegenüber Google bei, den Vorstandschef Eric Schmidt beklagt. Gerade mit Blick auf den Datenschutz hat Schmidt seinen Kritikern aber auch selbst reichlich Munition gegeben. Eine Äußerung in einem Fernsehinterview im vergangenen Dezember ließ tief blicken und schürte die Angst, Google habe eine allzu sorglose Einstellung beim Umgang mit den gigantischen Mengen an gespeicherten Nutzerdaten: „Wenn es etwas gibt, von dem Sie nicht wollen, dass es jemand erfährt, vielleicht sollten Sie es dann gar nicht erst tun“, sagte Schmidt da unbekümmert.

Konkurrenz nur einen Mausklick entfernt?

Und doch beschwichtigt er immer wieder, es gebe keinen Anlass, Google nicht zu vertrauen. Der Markt zwinge das Unternehmen, im Interesse seiner Nutzer zu handeln. „Die Konkurrenz ist doch nur einen Mausklick entfernt“, heißt der Standardsatz von Schmidt, der das Unternehmen seit dem Jahr 2001 als Vorstandschef im Triumvirat mit den beiden Gründern führt. Freilich dürfte es nicht jedem so leicht fallen, Google den Rücken zu kehren und zum Beispiel sein „Gmail“-Konto einfach zu deaktivieren. Die Gewohnheiten der Nutzer sind überdies schwer zu ändern. So mag Microsoft für seine Suchmaschine „Bing“ in der Fachwelt Applaus bekommen, aber bei den mit Google vertrauten Nutzern findet sie nur langsam Verbreitung.

Trotzdem ist die Dominanz von Google im Internet nicht ungefährdet. Eine neue Generation von Unternehmen hat die Art und Weise verändert, wie sich Menschen Informationen und Unterhaltung beschaffen. Die Suchmaschine von Google ist nicht mehr unbedingt die erste Anlaufstelle, stattdessen holen sich Menschen oft Empfehlungen oder Expertenwissen über soziale Netzwerke wie „Facebook“ oder „Twitter“. Google war mit seinen eigenen Gehversuchen bei solchen Online-Gemeinden nicht allzu erfolgreich.

Kein Börsenliebling mehr

Zudem muss sich noch zeigen, ob Google auch das von immer mehr Menschen genutzte mobile Internet zu einer Goldgrube machen kann. Das von Google beherrschte Geschäft mit Internetwerbung spielt sich bislang noch vor allem auf Computern ab. Apple wettet sogar darauf, dass die Internetsuche à la Google auf Handys in Zukunft keine bedeutende Rolle spielen wird. Vorstandschef Steve Jobs sagt, dass sich Handynutzer stattdessen mehr mit den kleinen Programmen oder Applikationen („Apps“) behelfen, wie sie Apple für sein „iPhone“ oder auch für den Tablet-Computer „iPad“ vertreibt.

Bislang strotzt Google dank seiner Suchwerbung weiter vor Finanzkraft. Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen einen Umsatz von 23,7 Milliarden Dollar geschafft und war dabei mit einem Nettogewinn von 6,4 Milliarden Dollar hochprofitabel. An der Börse hat sich aber Ungeduld breitgemacht. Seit Jahresbeginn hat die Aktie von Google ein Viertel an Wert verloren und damit viel schlechter abgeschnitten als der Gesamtmarkt. Ein Börsenliebling wie früher ist das Unternehmen auch nicht mehr. Google mag ein Gigant sein, der vielen Menschen Angst einjagt. Aber das Unternehmen selbst muss kämpfen, um auch künftig die zentrale Schaltstelle im Internet zu bleiben.

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