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Google : Die Abwege eines Weltverbesserers

Google hat für alles ein Produkt - und es ist fast immer kostenlos

Ein lukratives Geschäft wurde daraus aber erst, als Google die Suche mit Werbung verknüpfte. So stellt Google neben die Ergebnisse kleine Textanzeigen, die inhaltlich zur jeweiligen Suchanfrage passen. Gibt ein Nutzer also Begriffe wie „Kamera“ oder „Karibik-Reisen“ ein, wird Werbung von entsprechenden Anbietern eingeblendet. Google bekommt nur dann Geld, wenn auf die Anzeigen geklickt wird. Aber da der Nutzer mit seiner Suchanfrage bereits das Interesse an dem gesuchten Thema signalisiert hat, ist die Wahrscheinlichkeit dafür recht hoch. Diese Art der zielgerichteten Werbung wurde für Google zu einer wahren Goldgrube und ist bis heute das Fundament des Geschäfts geblieben.

Aber daneben hat Google im Laufe der Jahre seinen Aktionsradius erheblich ausgeweitet. Google stellt immer wieder neue Produkte ins Netz. Viele davon sind sehr nützlich, viele sind auch nur Spielereien, fast immer sind sie für den Nutzer umsonst. Von Google gibt es einen E-Mail-Dienst („Gmail“), etliche Kartendienste und Navigationshilfen („Maps“, die Satellitenkarte „Earth“ oder eben „Street View“), Fotoverwaltung („Picasa“), Buch-Archive („Books“), Videoseiten („Youtube“) und eine Fülle anderer Angebote. Was immer man im Internet gerade tun will – Google hat mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Produkt dafür. Die große Palette von Diensten liefert Google wertvolle Informationen über die Interessen, Vorlieben oder auch den Aufenthaltsort seiner Nutzer. Daraus lässt sich dann wieder mit maßgeschneiderter Werbung Kapital schlagen.

Das Urheberrecht auf den Kopf gestellt

Längst steht Google nicht mehr nur in Konkurrenz zu anderen Internetunternehmen wie Yahoo, sondern nimmt es mit den Giganten in vielen Bereichen der Technologiewelt auf. So muss sich der weltgrößte Softwarekonzern Microsoft bei seinen profitabelsten Produkten wie den Office-Büroprogrammen oder dem Betriebssystem „Windows“ mit Gratisalternativen von Google auseinandersetzen. Im Moment drängt Google auf den Markt für Multimediahandys, sogenannten Smartphones, mit seiner Software „Android“ und wird hier zu einem immer wichtigeren Gegenspieler für das „iPhone“ von Apple.

Je mehr sich Google ausbreitet, desto mehr eckt das Unternehmen auch an. Google gerät immer häufiger ins Visier der amerikanischen Kartellbehörden, die vor zwei Jahren einer geplanten Allianz mit dem Wettbewerber Yahoo den Riegel vorgeschoben und kürzlich den Kauf des auf Handywerbung spezialisierten Unternehmens Admob erst nach langer Prüfung genehmigt haben. Google wird auch vorgeworfen, sich in seinem Eifer, die Informationen der Welt verfügbar zu machen, wenig um Urheberrechte zu scheren. Paradebeispiel ist das Buchprojekt. Vor einigen Jahren begann Google damit, Bücher ohne Erlaubnis der Rechteinhaber zu scannen. Das Unternehmen wurde von der Buchbranche verklagt und schloss einen Vergleich, der aber nach Meinung von Kritikern noch immer das Urheberrecht auf den Kopf stellt. Gegen den Vergleich hat sich eine breite Front von Gegnern gebildet, darunter auch die Bundesregierung, und der Fall liegt nun einem Gericht in New York zur Entscheidung vor.

Alte Prinzipien neu interpretiert

Der Weltverbesserungsanspruch von Google ist nicht völlig verschwunden, aber je größer das Unternehmen geworden ist, desto mehr lässt es sich auf Kompromisse ein. So ging Google Anfang des Jahres auf Konfrontationskurs mit der chinesischen Regierung und kündigte an, seine dortige Suchmaschine künftig nicht mehr zu zensieren und sich notfalls ganz aus dem Land zurückzuziehen. Die Kampfansage wurde aber aufgeweicht, und nach monatelangem Hin und Her wurde ein Mittelweg vereinbart, der beide Seiten das Gesicht wahren ließ und eine Umleitung chinesischer Nutzer auf die unzensierte Google-Suchmaschine in Hongkong vorsieht. Erst vor wenigen Wochen hat Google mit einer Neuinterpretation seiner Prinzipien der Netzneutralität überrascht. Google galt in der Vergangenheit als strenger Verfechter dieses Grundsatzes, wonach Netzbetreiber alle Daten im Internet gleich behandeln sollen. Nun aber präsentierte Google zusammen mit dem Telekommunikationskonzern Verizon einen Vorschlag, der diese Neutralität nur noch für die Datenübertragung im Festnetz vorsieht. Das immer wichtigere mobile Internet auf Handys bliebe außen vor.

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