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Google-Chef Larry Page : Aus der dunklen Ecke

Neuer Chefpilot: Larry Page (m.) wird Vorstandsvorsitzender bei Google, Eric Schmidt (l.) wird Executive Chairman - und Sergej Brin (r.) bleibt Ko-Gründer Bild: dpa

Es ist ein Paukenschlag: Bislang wirkte Larry Page bei öffentlichen Auftritten wie ein klassischer Computernarr - etwas hölzern. Nun steht er als Vorstandsvorsitzender in der neuen Google-Hierarchie ganz oben. Dabei muss er freundlicher erscheinen als sein etwas finsterer Vorgänger Schmidt.

          Die beiden Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin wurden bislang eigentlich immer in einem Atemzug genannt, und sie verbinden viele Gemeinsamkeiten. Das fängt schon bei persönlichen Details an: Page und Brin sind im gleichen Jahr geboren (1973), haben im gleichen Jahr geheiratet (2007) und haben mittlerweile beide einen Sohn. Sie tauchen regelmäßig nebeneinander auf der „Forbes“-Liste der Superreichen auf - in der jüngsten Ausgabe wurde ihr Vermögen auf jeweils 15 Milliarden Dollar beziffert.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Bei Google hatten sie bislang den gleichen Titel „Ko-Gründer und Präsident“ und hielten sich in dieser Rolle eher im Hintergrund, während Vorstandsvorsitzender Eric Schmidt zumeist das öffentliche Gesicht des Unternehmens war. Nun aber schlagen die Google-Gründer sehr unterschiedliche Wege ein: Larry Page katapultiert sich als neuer Vorstandsvorsitzender ins Rampenlicht, Sergey Brin reduziert seinen Titel auf „Ko-Gründer“ und wird sich mit „strategischen Projekten“ beschäftigen. Eric Schmidt beschränkt sich auf den Posten eines geschäftsführenden Verwaltungsratsvorsitzenden (Executive Chairman) und verspricht, weiterhin eng eingebunden zu sein.

          Zwar mag niemand von einer Entmachtung sprechen. Aber anders als bisher wird es künftig bei Google eine klare Hierarchie geben, und Larry Page wird das Sagen haben. Die Google-Führung hat sich bisher als Triumvirat gesehen: Vorstandschef Schmidt und die beiden Gründer haben alle bedeutenden Entscheidungen gemeinsam getroffen. Schmidt hat jetzt selbst zugegeben, dass dieser Ansatz Google oft gebremst hat. Künftig will sich das Trio zwar weiter austauschen, aber es soll „klare Zuständigkeit und Verantwortlichkeit“ geben.

          Von Kindesbeinen an klassischer Computernarr: Larry Page

          Für Page schließt sich ein Kreis

          Schmidt sagte, er habe mit Page und Brin schon seit längerer Zeit über eine Änderung der Führungsstruktur diskutiert. Über die Weihnachtsfeiertage sei der Schluss gereift, dass nun der richtige Zeitpunkt da sei. Dass Page nun Vorstandsvorsitzender wird, ist ein Paukenschlag, denn zumindest nach außen hin war in den vergangenen Jahren nicht erkennbar, dass er Ambitionen auf den Posten haben könnte. Vielmehr schien es ihm ebenso wie Brin ganz recht zu sein, nicht an vorderster Front zu stehen. Wenn er einmal öffentlich auftritt, was nicht allzu häufig vorkommt, wirkt er etwas hölzern - auch wenn er sich im äußeren Erscheinungsbild zwanglos gibt, oft mit Jeans und T-Shirt oder buntem Hemd.

          Page scheint die technische Seite des Geschäfts eher im Blut zu liegen als das Management. Er war von Kindesbeinen an der klassische Computernarr. Sein Vater war Informatik-Professor an der Universität in seinem Heimat-Bundesstaat Michigan. Page hat einmal gesagt, dass in seinem Elternhaus ständig überall Computer und Zubehör herumlagen, und das habe sein Interesse an der Materie schon früh geweckt. Page studierte selbst Informatik, zunächst in Michigan, später an der kalifornischen Stanford-Universität.

          Aus seiner Studienzeit in Michigan ist überliefert, dass Page einmal einen Tintenstrahldrucker aus Lego-Steinen baute. In Stanford war er nach einem Masters-Abschluss auf dem Weg zu einem Doktortitel, als er Sergey Brin über den Weg lief. Die beiden taten sich für ein Projekt über Technologien zur Internetsuche zusammen, das zur Keimzelle für Google werden sollte. Für Page schließt sich nun ein Kreis, denn in den Anfangsjahren von Google zwischen 1998 und 2001 trug er schon einmal den Titel des Vorstandsvorsitzenden, während Brin sich Präsident nannte. Dann aber rekrutierten die beiden Gründer Eric Schmidt, der Ordnung in die damals noch kleine und etwas chaotische Internetbude bringen sollte.

          Jenseits der Internetsuche tut sich Google schwer

          Unter der Führung von Schmidt hat Google einen phänomenalen Aufstieg zu einem dominierenden Internetkonzern und Börsengiganten erlebt. Es waren daher keine leeren Worte, als Page jetzt bei der Ankündigung des Führungswechsels die Leistung von Schmidt lobte und sagte: „Die Ergebnisse sprechen für sich selbst.“ Aber obwohl Google wachstumsstark und hochprofitabel ist, hat das Unternehmen eine Reihe von Herausforderungen.

          Jenseits seiner lukrativen Internetsuche ist es Google bis heute schwergefallen, umsatzstarke neue Geschäftsfelder aufzubauen. Der Vormarsch von sozialen Netzwerken wie Facebook gefährdet die Dominanz von Google im Internet. Außerdem ist das Image angeknackst: Kritiker werfen Google vor, den Datenschutz mit Füßen zu treten und die persönlichen Daten seiner Nutzer auszuschlachten. Aus diesem Grund wird es auch interessant zu beobachten sein, ob Page es schafft, Google nach außen hin wieder ein anderes und vielleicht freundlicheres Gesicht zu geben.

          Schließlich ist er einer der Gründer, von denen das berühmte Google-Unternehmensmotto „Don't be evil“ - „Tue nichts Böses“ stammt. Eric Schmidt wurde in der Öffentlichkeit oft als eine etwas finstere Figur gerade bei der Datenschutzfrage wahrgenommen und hat dazu mit einigen unglücklichen Äußerungen in Interviews auch selbst beigetragen („Wenn es etwas gibt, von dem Sie nicht wollen, dass es jemand erfährt, vielleicht sollten Sie es dann gar nicht erst tun.“) Die amerikanische Verbraucherschutzorganisation „Consumer Watchdog“ sah jedenfalls den Führungswechsel bei Google als Anlass genug, selbst eine Pressemitteilung herauszugeben, in der sie die Ernennung von Larry Page zum Vorstandsvorsitzenden und den Abgang von Eric Schmidt ausdrücklich begrüßte.

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