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F.A.Z.-Gespräch mit Google-Chef Eric Schmidt : „Die nächste große Welle ist das mobile Internet“

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Eric Schmidt ist enttäuscht vom Web 2.0, sieht aber andere Wachstumschancen Bild: Christian Thiel

Die Werbung auf dem Handy wird bald mehr Umsatz bringen als Werbung im stationären Internet, erwartet Eric Schmidt. Vom Web 2.0 dagegen ist der Google-Chef enttäuscht. Dort sei das große Geld nicht zu holen. Im F.A.Z.-Gespräch verrät Schmidt, welche Geschäftsfelder am reizvollsten sind.

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          Der Mythos Google hat gewackelt. Als Anfang April ein Marktforschungsunternehmen eine Stagnation in den Google-Klickraten meldete, brach der Aktienkurs ein, wurde das Ende der Wachstumsgeschichte ausgerufen. Doch Google-Chef Eric Schmidt blieb cool - und veröffentliche kurz danach Quartalszahlen, die alle Kritiker Lügen straften. „Es gibt kein Limit für das Suchmaschinenmarketing. Manche Menschen glauben das, aber wir haben noch viele Ideen, um die Technik zu verbessern und Werbung noch besser passend zur Zielgruppe auszuliefern“, sagt der Google-Vorstandschef Eric Schmidt im Gespräch mit dieser Zeitung.

          Seit 2001 leitet der gelernte Informatiker die Geschicke der Suchmaschine und steuert gemeinsam mit den Gründern Larry Page und Sergey Brin das erfolgreichste Internetunternehmen der Welt. 16,6 Milliarden Dollar hat Google im vergangenen Jahr umgesetzt und dabei 4,2 Milliarden Dollar verdient. Rund die Hälfte des gesamten Online-Werbemarktes fließt durch das Google-System, das damit zur wichtigsten Lebensader des Internet geworden ist. Doch Schmidt will mehr: „Die nächste große Werbewelle ist das mobile Internet. Dafür muss man sich nur das iPhone anschauen, das den ersten wirklich guten mobilen Webbrowser hat.

          Weitere Geräte kommen auf den Markt. Dann wird Werbung sehr persönlich, und der Wert der Werbung auf Mobiltelefonen wird steigen. In einigen Jahren wird die mobile Werbung mehr Umsatz bringen als die Werbung im PC-Internet“, sagt Schmidt voraus - obwohl Google seine größten Investitionen auf anderen Gebieten getätigt hat. Zusammen fast 5 Milliarden Dollar hat das Unternehmen für die Videoseite Youtube und Doubleclick, einen Spezialisten für die Auslieferung graphischer Werbung, ausgegeben. Doch von beiden Werbeformen zeigt sich Schmidt weit weniger begeistert. „Es gibt sicher Chancen in Video-Werbung und in der graphischen Werbung. Einige Dinge funktionieren, aber andere funktionieren eben nicht. Einige Dinge kann man tun, andere nicht. Das mobile Internet funktioniert dagegen immer“, sagt Schmidt.

          Nicht so viel Geld wie gedacht

          Auch das Potential des Web 2.0, in dem soziale Netzwerke wie Facebook oder MySpace den Ton angeben, sieht er skeptisch. „Die Web-2.0-Architektur ist nicht für Umsatz ausgelegt. Dort ist das Geld nicht“, sagt Schmidt. Entsprechend enttäuscht sei Google über das Ergebnis seiner 900-Millionen-Dollar-Investition, um drei Jahre als Suchmaschine in MySpace präsent zu sein. „MySpace bringt uns nicht so viel Geld, wie wir gedacht haben. Wir bekommen viele Nutzer, aber es ist schwieriger als gedacht, unser Werbenetzwerk in sozialen Netzwerken zum Laufen zu bringen.

          Wer in seinem sozialen Netzwerk unterwegs ist, denkt eben nicht daran, eine Waschmaschine zu kaufen“, sagt Schmidt. Trotzdem werden soziale Netzwerke Bestand haben: „Die Menschen verbringen eine Menge Zeit in diesen Netzwerken, und wir wissen, dass sie kein Witz sind.“ Die Werbung, die in sozialen Netzwerken funktioniert, müsse aber erst erfunden werden. „Es wird einige Werbeprodukte geben, die funktionieren. Sie müssen unterhaltend, interessanter und eindringlicher sein als das, was es heute gibt. Wir arbeiten daran“, sagt Schmidt. Ein Anhänger der These, dass die Netzwerkeffekte am Ende nur zu wenigen großen Gemeinschaften führen, ist Schmidt nicht. „Nein, wir werden große und viele spezialisierte Netzwerke sehen, welche die Interessenvielfalt in der Gesellschaft abbilden“, sagt Schmidt.

          Eine Wette läuft

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