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Drei Jahre Google Chrome : Hunderte Millionen Nutzer für Chrome OS

  • -Aktualisiert am

In drei Jahren hat Google nach eigenen Angaben 150 Millionen Nutzer für Chrome gewonnen Bild: ddp

Googles Betriebssystem setzt auf Cloud Computing und HTML5. Das Unternehmen rechnet mit Hunderten Millionen Chrome-OS-Nutzern in den nächsten drei bis fünf Jahren.

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          Google ist für die meisten Nutzer eine Suchmaschine oder ein Online-Werbeunternehmen. Google ist aber auch ein Anbieter von Betriebssystemen: Android heißt das Google-Produkt für Smartphones oder Tabletcomputer, und mit Chrome OS will Google dem Microsoft-Platzhirschen Windows und dem Apple-System Mac OS auf Laptops Konkurrenz machen.

          Noch allerdings gibt es gerade einmal zwei Computer mit dem Google-System, die sich gegen die Übermacht der etablierten Konkurrenz stemmen. Für Sundar Pichai, der bei Google das Geschäftsfeld Chrome OS (inklusive des Browsers Chrome) verantwortet, ist das kein Problem. „Wir sind genau da, wo wir sein wollten. Die Chromebooks mit diesem Betriebssystem sind erst ganz kurze Zeit auf dem Markt. Wir denken hier langfristig. Wir bringen alle sechs Wochen eine neue Version des Chrome OS heraus. Und künftig werden auch viele neue Geräte auf den Markt kommen. Ein genaues Ziel für den Marktanteil haben wir nicht, aber wir würden die Entwicklung nicht vorantreiben, wenn wir nicht mit Hunderten Millionen Chrome-OS-Nutzern in den kommenden drei bis fünf Jahren rechnen würden“, sagte Pichai dieser Zeitung. Die Chromebooks verfügen nur über ein Minimum an Hardwareausstattung. Dafür soll der Rechner in 8 Sekunden hochfahren. Die Rechenleistung findet dann im Internet statt, genauer gesagt in den Rechenzentren von Google.

          „Wir glauben sehr fest an Cloud Computing - und dafür spielt unser Browser Chrome eine kritische Rolle“, sagte Pichai. Intern sei Chrome, der gerade 3 Jahre alt geworden ist, eines der strategischsten Produkte des Konzerns. „Die meisten unserer Produkte wie G-Mail werden im Web in einem Browser genutzt. Um dieses Web-Erlebnis zu verbessern haben wir Chrome entwickelt“, sagte Pichai. In den drei Jahren habe Google 150 Millionen Nutzer für Chrome gewonnen. In vielen Ländern sei Chrome die Nummer zwei im Markt; in einigen Ländern schon die Nummer eins. Der Aufstieg von Chrome geht vor allem zu Lasten von Microsofts Internet Explorer, der einst mehr als 90 Prozent Marktanteil hatte und nach Angaben von Statcounter inzwischen auf 40 Prozent abgesackt ist. Während der Firefox stagniert, legt Chrome stetig zu, was vor allem auf Tempovorteilen gegenüber der Konkurrenz beruht.

          Bild: F.A.Z.

          „Wir glauben fest an die Kraft des Webs“

          „Noch aufregender finden wir aber, wie schnell HTML5 sich gerade entwickelt. Wir bemühen uns sehr, HTML5 zu standardisieren. Das Gros unserer Anstrengungen geht in diese Richtung“, sagte Pichai. „HTML5 ist die Zukunft - das ist keine Frage mehr“, sagt auch Wieland Holfelder, der das Chrome-Entwicklungsteam in München leitet. Mit HTML5, der fünften Version der Web-Auszeichnungssprache, lassen sich Internetseiten leicht um Videos, Audios oder interaktive Grafiken erweitern, die dann in allen Browsern gleich gut funktionieren. „In Zeiten von HTML5 werden wir schon bald auf Flash verzichten können“, sagte Holfelder.

          HTML5 ist also eine wichtige Voraussetzung, dass sich Cloud Computing durchsetzt, was wiederum leistungsfähige Browser voraussetzt. Das gilt auch für mobile Geräte, auf denen Web-Anwendungen auch die heute so beliebten (nativen) Apps, die für jedes Betriebssystem extra entwickelt werden, ablösen könnten. „Wir glauben fest an die Kraft des Webs. Im mobilen Web dominieren jetzt die nativen Apps. Aber je leistungsstärker die Mobiltelefone werden, je besser die mobilen Browser werden und je höher die Übertragungsraten werden, desto stärker wird HTML5 auch auf Smartphones im Vergleich zu den nativen Apps. Nach meiner Einschätzung werden native Apps und HTML5 noch für eine ganze Weile nebeneinander existieren. Native Apps wird es immer geben - aber Web-Applikationen, besonders auf mobilen Geräten, werden schnell zulegen und sehr populär werden“, sagte Pichai.

          Eine Konvergenz der beiden Google-Betriebssysteme Chrome und Android erwartet Pichai aber nicht. „Chrome OS und Android sind unterschiedliche Produkte. Und vom Nutzerstandpunkt aus betrachtet liefern Android und Chrome OS auch ganz unterschiedliche Erfahrungen. Chrome OS ist primär für Laptops und Android ist vorwiegend für Smartphones und Tablets konzipiert. Ich gehe davon aus, dass die beiden Betriebssysteme weiterhin parallel nebeneinander bestehen werden. Es gibt keinen Plan, eine Konvergenz dieser beiden Systeme zu betreiben“, sagte Pichai.

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