https://www.faz.net/-gqm-7ofbn

Internet mit Sonnenenergie : Das Faszinierende an der Google-Drohne

  • Aktualisiert am

Bild: AP und FAZ.NET

Google kauft ein Weltraumunternehmen und will mit Flugrobotern weiße Flecken auf der Internet-Landkarte füllen. Das klingt wie Science Fiction. Und kann sogar klappen.

          Google kauft ein Weltraumunternehmen. Eines, das Roboter erfindet, die hoch über der Erde fliegen (Drohnen). Die Internet zu den Menschen bringen, die noch nie zuvor Zugang zum Netz hatten. Und die überdies von der Sonne bestrahlt fünf Jahre unterwegs sein können sollen. Am Stück.

          Die Vision des weltgrößten Suchmaschinenbetreibers klingt nach Science Fiction. Und sichert ihm auch deswegen viel gewollte Aufmerksamkeit. Natürlich ist bisher nicht bekannt, wann Google wie viele seiner Internet-Drohnen wohin aussenden möchte - es wird sicher noch einige Zeit dauern. Angeblich ist die Technik im kommenden Jahr ausgereift.

          Faszinierend an dem Plan ist aber schon heute, dass er zumindest technisch (erstmals) klappen könnte. Denn der Hersteller Titan Aerospace, den Google nun übernommen hat, kann offenbar gleich mehrere Probleme lösen, die bisher als unüberwindbare Hürde gegolten haben. Eine Leistung, die den Welt-Ingenieursverband IEEE dazu gebracht hat, die Erfindung als eine der spannendsten Technologien in diesem Jahr zu bezeichnen.

          Erstens sind die Solarzellen mittlerweile so weit entwickelt, dass sie aus den Sonnenstrahlen genügend Strom herstellen können, um die Drohne zu betreiben. Sieben Kilowatt am Tag sollen möglich sein (siehe Bild).

          Zweitens ist die Energiespeichertechnik weiter: Die Lithium-Ionen-Batterien, die in den Tragflächen der unbemannten Flugzeuge installiert sind, sollen soviel Elektrizität speichern können, dass auch nachts der Propeller und die Bordsysteme weiterlaufen können.

          Und drittens das Gewicht: Nur weil die Drohne bloß rund 350 Pfund wiegt (umgerechnet sind das etwa 175 Kilogramm), ist das Ganze realistisch, reicht der Sonnenstrom aus. Ein Boeing-767-Passagierflugzeug, das mit rund 50 Metern ungefähr dieselbe Flügelspannweite wie das Drohnen-Modell Solara 50 hat, wiegt etwas weniger als 90 Tonnen.

          Hinzu kommt schließlich noch, dass das Material trotz des geringen Gewichts auch widrige Wetterverhältnisse gut aushalten können soll. Bislang war auch das stets ein Grund, aus dem sich solche Ideen im wahrsten Sinne das Wortes in Luft auflösten.

          Denn die Google-Drohnen, die eigentlich kleine Satelliten sind, sollen in großer Höhe fliegen, rund 19 Kilometer über dem Erdboden. Der kalifornische Konzern will damit aber nicht nur weiße Flecken auf der Internet-Landkarte rund um die Erde schließen. Er möchte auch seinen eigenen Kartendienst Google-Maps verbessern und mit weiteren Bildern ausstatten - noch feiner und aktueller. Zum Beispiel könnte man künftig womöglich auch darüber die russischen Panzer sehen, die an der ukrainischen Grenze zusammengezogen worden sind. Umso genauere Bilder die Drohnen liefern, umso besser - das ist die Kehrseite - könnten aber auch „Freunde“ ausgespäht werden.

          Der nun von Google übernommene Hersteller Titan Aerospace wirbt damit, dass der Internetzugang über die unbemannten Flugkörper mit einer Übertragungsgeschwindigkeit von einem Gigabyte in der Sekunde schneller sein soll als jede Breitband-Verbindung. Eine mutige Ankündigung, und man darf gespannt sein, was daraus wird.

          Klären muss Google wohl auch noch einige rechtliche Fragen, was Flug- und Überflugrechte angeht. Und dann ist auch nicht jeder Ingenieur rundweg überzeugt, ob gerade die fünfjährige Dauerflugzeit wirklich realistisch ist. Wir werden sehen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Erdgas-Streit mit der EU : „Erdogan fährt eine Kamikaze-Politik“

          Die EU-Außenminister haben Sanktionen gegen die Türkei erlassen, weil sie vor der Küste von Zypern nach Gas bohrt. Ökonomieprofessor Erdal Yalcin spricht im F.A.Z.-Interview über die Abhängigkeit Ankaras und den Rückhalt für Erdogan.

          Von der Leyen in Straßburg : Flucht nach links

          In ihrer Bewerbungsrede ringt Ursula von der Leyen vor allem um die Zustimmung von Sozialdemokraten und Liberalen. Ihre Chancen auf einen Wahlerfolg am Abend dürften gestiegen sein – dank ihres engagierten Auftritts. Eine Analyse.
          Bundeskanzler Konrad Adenauer (links) und Ludwig Erhard im September 1963 in Bonn

          Nachkriegszeit : Als sich die CDU vom Sozialismus abwandte

          Nach dem Krieg forderte die CDU die Verstaatlichung von Schlüsselindustrien. Dann kam Ludwig Erhard – und mit ihm vor genau 70 Jahren die politische Kehrtwende hin zur Marktwirtschaft.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.