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Youtube-Chefin Wojcicki : Die Frau mit der Garage

Susan Wojcicki Bild: action press

Youtube wird zehn Jahre alt, die Gründer spielen heute keine Rolle mehr. Das Portal wird von der Google-Managerin Susan Wojcicki geführt. Sie ist die Frau, die einst ihre Garage an die Google-Gründer vermietet hatte.

          Das erste Video hieß „Me at the Zoo“ - „Ich im Zoo“. Jawed Karim, der deutschstämmige Mitgründer der Videoseite Youtube, steht vor einer Gruppe von Elefanten und erzählt, wie „cool“ er deren „sehr, sehr, sehr lange Rüssel“ findet. Dieser 18 Sekunden lange Clip, der bis heute mehr als 17 Millionen Mal angesehen wurde, startete eine Revolution. Es war der Beginn einer Plattform, auf der Musikvideos und andere professionelle Inhalte zu sehen waren, gleichzeitig aber auch Amateuraufnahmen hochgeladen werden konnten.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Auf einmal gab es einen ganz neuen Weg, Kuriositäten mit dem Rest der Welt zu teilen, ob es nun tanzende Babys, schreiende Ziegen oder singende Nonnen waren. Und es wurde das Zeitalter der Internetphänomene eingeläutet, vom „Harlem Shake“ über „Gangnam Style“ bis zur „Ice Bucket Challenge“. Jetzt feiert der Videodienst Geburtstag: Am Samstag vor genau zehn Jahren haben die Gründer die Internetseite für Youtube registriert. Youtube war aus dem Stand so erfolgreich, dass der Internetkonzern Google keine zwei Jahre nach der Gründung 1,6 Milliarden Dollar für die Seite zahlte.

          Die Gründer spielen heute keine Rolle mehr. Seit vergangenem Jahr wird Youtube von Susan Wojcicki geführt, einer altgedienten und hochrespektierten Google-Managerin. Es ist ihre Aufgabe, aus Youtube mehr Kapital zu schlagen. Denn so populär die Seite auch ist: Verglichen mit dem wichtigsten Geschäft von Google mit Anzeigen in seinem Suchdienst, nehmen sich die Umsätze von Youtube bislang noch sehr bescheiden aus.

          Wojcicki war Googles sechzehnte Mitarbeiterin

          Die 46 Jahre alte Wojcicki gehört zu den bekanntesten weiblichen Führungskräften in der amerikanischen Technologieindustrie. Die Zeitschrift „Forbes“ setzte sie auf der von Angela Merkel angeführten Liste der mächtigsten Frauen der Welt auf den zwölften Platz, nur drei Ränge hinter Sheryl Sandberg, der Geschäftsführerin des sozialen Netzwerks Facebook, die früher auch einmal bei Google war.

          Anders als Sandberg hat Wojcicki Google die Treue gehalten, und sie ist auch schon seit den Anfangstagen dabei. Sie war die sechzehnte Mitarbeiterin und stieg im Lauf der Jahre zur höchstrangigen Frau im Unternehmen auf. Sie hat auch eine prominente Rolle in der Gründungsgeschichte: Im Jahr 1998 vermietete sie die Garage und ein paar Zimmer in ihrem Haus in Menlo Park im Silicon Valley an Larry Page und Sergey Brin, die beiden Google-Gründer. Es war die erste Zentrale von Google, von hier aus begann der Aufstieg des Unternehmens zum Internetimperium. Wojcicki hat noch eine andere Verbindung zu Google: Ihre Schwester Anne ist mit Sergey Brin verheiratet und hat zwei Kinder mit ihm. Das Paar hat sich 2013 getrennt.

          Google-Gründer Sergey Brin mit Ehefrau Anne Wojcicki, der Schwester von Susan Wojcicki

          Wojcicki ist im Silicon Valley aufgewachsen, aber ihr Weg in die Technologiebranche war nicht vorgezeichnet. Ihr Vater war Physikprofessor an der dortigen Stanford-Universität, ihre Mutter Lehrerin, sie selbst studierte zunächst Geschichte und Literatur an der Eliteuniversität Harvard. Später ließ sie zwei Abschlüsse in Wirtschaftswissenschaften folgen. Bei Google war sie lange Zeit für das Werbegeschäft zuständig und half mit, es zu der sprudelnden Geldquelle zu machen, die es heute ist.

          Schon vor ihrer Berufung zur Youtube-Chefin hatte Wojcicki Berührungspunkte mit dem Videodienst. Sie soll zu den treibenden Kräften gehört haben, als Google die Seite 2006 übernahm. Der Preis galt damals als sehr hoch, heute gilt die Übernahme als Glücksgriff. Google veröffentlicht für Youtube keine separaten Zahlen, aber das Marktforschungsinstitut Emarketer schätzt, dass die Seite dem Unternehmen 2013 einen Umsatz von rund 2 Milliarden Dollar eingebracht hat. Das ist zwar ein stattlicher Betrag, entspricht aber weniger als 4 Prozent des damaligen Konzernumsatzes.

          Wojcicki muss nun versuchen, mehr Werbeumsätze auf die Seite zu holen, zum Beispiel mit mehr professionell gemachten Videoinhalten. Neben Werbung versucht sich Youtube auch an Abonnementmodellen und hat zum Beispiel im vergangenen Jahr einen gebührenpflichtigen Musikdienst gestartet.

          Ebenso wie Sheryl Sandberg, die vor zwei Jahren mit ihrem Buch „Lean In“ für Furore gesorgt hat, schaltet sich auch Wojcicki in öffentliche Diskussionen um Karrierefragen ein, die Frauen betreffen. So hat sie im Dezember in einem Gastbeitrag im „Wall Street Journal“ darauf hingewiesen, dass die Vereinigten Staaten das einzige Industrieland ohne gesetzlich vorgeschriebenen Mutterschutz seien – ein Umstand, den auch der Präsident Barack Obama kürzlich in seiner Rede zur Lage der Nation erwähnte. Google gewährt seinen Mitarbeiterinnen bezahlten Mutterschutz, und Wojcicki war die erste Frau, die dies in Anspruch genommen hat. In ihrem Gastbeitrag kündigte sie an, sich bald wieder in Mutterschutz zu verabschieden – für ihr mittlerweile fünftes Kind.

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