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Glasshole.sh : Datenschutzsoftware wirft Google Glass aus den Netzwerken

  • -Aktualisiert am

Alles im Blick, alles im Netz: Ein Modell trägt ein Google Glass bei einer Googlepräsentation im Mai in Prag. Bild: REUTERS

Viele Menschen sehen sich durch die Datenbrille Google Glass in ihren Persönlichkeitsrechten bedroht. Ein findiger Tüftter macht sich diese Angst zu nutze. Er hat ein Script programmiert, das die Funktionen der Brille einschränkt.

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          Seit dem offiziellen Marktstart im Jahr 2012 ist die Datenbrille Google Glass heftig umstritten. Mit ihr ist es nicht nur möglich, Daten aus dem Internet zu beziehen. Mit Google Glass können auch Bilder und Videos aufgenommen werden und dann über das Internet verbreitet werden. Vielerorts sehen sich Menschen davon bedroht und interpretieren das als einen Eingriff in ihre Privatsphäre und sehen den Datenschutz durch das Produkt gefährdet. Nicht nur das: Es gibt zahlreiche Berichte über handgreifliche Auseinandersetzungen, weil einige Menschen sich nur von der theoretischen Gefahr eines Fotos von sich angegriffen fühlen. Daher haben viele Bars, Restaurants und Kinos an der Westküste der Vereinigten Staaten das Tragen der Googlebrille in ihren Räumen bereits verboten. Andere Gäste sollten sich nicht überwacht fühlen.

          Die Ängste der Menschen machte sich ein findiger Programmierer zu nutze und programmierte Glasshole.sh. Der Name des Skripts ist eine Kombination aus dem Wort „Glass“ und der bekannten englischen Beleidigung. Das Programm soll es dem Computer ermöglichen, eine eventuelle Googlebrille im lokalen Netzwerk zu erkennen, zu orten und hinauszuwerfen. Glasshole.sh ist komplett gratis. Die Datenbrille kann dann zwar weiterhin Bilder und Videos aufnehmen; es ist dem Nutzer aber dann nicht mehr ohne weiteres möglich, diese im Internet zu verteilen oder Informationen darüber bekommen. Es ist nur ein kleines Skript, aber mit hohem Potential.

          Julian Oliver hat Glasshole.sh entworfen. Der gebürtige Neuseeländer lebt zur Zeit in Berlin und bezeichnet sich selbst gern als „kritischen Ingenieur“ und Künstler. Nicht nur wurden seine Kunstwerke schon in einigen Museen ausgestellt, er war auch mehrmals Teilnehmer das Chaos Computer Clubs. Daneben gibt Oliver aber auch Kurse über Datenschutz und Hacken. Auf die Idee für sein neues Produkt kam er, als ein befreundeter Künstler sich über Träger der Brille bei seiner Ausstellung empörte - vor allem, da Außenstehende nicht erkennen können, ob das Gerät gerade aufnimmt.

          Dieser Kontrollverlust über die eigenen Daten, ob in der digitalen oder analogen Welt, war für Oliver Anstoß genug, etwas gegen Google Glass zu unternehmen. Denn niemand sehe gerne ungenehmigte, eventuell unvorteilhafte Fotos von sich im Netz. Zwar gab Google einen Benimmkodex für Nutzer der Datenbrille heraus. Dieser besagt unter anderem, man solle nett und freundlich sein, andere über Aufnahmen informieren und das Gerät erklären. Oliver hat dies offenbar nicht gereicht, denn Missbrauch ist weiterhin möglich. Außerdem habe jeder das Recht, nicht aufgenommen zu werden. Dem Benimmkodex wurde also ein Tool entgegengesetzt.

          Das Programm ist noch verbesserungswürdig

          Glasshole.sh kann die Brillen durch deren MAC-ID erkennen. Diese ID ist eine Erkennungsnummer der Geräte. Das Glasshole nutzt die Aircrack-NG, um sich gegenüber entdeckten Geräten als das Netzwerk auszugeben und dann die Google Glasses davon zu trennen. Auch könne das Programm die Präsenz des Googlebrille per Piepton signalisieren, berichtet „Wired“. Über erweiterte Rechte oder einen Zugang zum Router muss der Nutzer von Glasshole.sh im WLAN nicht verfügen. Oliver empfiehlt, das Skript auf einen Mini-PC wie den Raspberry Pi zu spielen, einen USB-WLAN-Empfänger anzuschließen und so eine einfache Lösung zu schaffen.

          Dennoch hat Glasshole.sh einige Schwächen, die den Gebrauch der Datenbrille im lokalen Netzwerk weiterhin ermöglichen: Denn das Skript ist bislang nur auf Geräte der sogenannten ersten Google Glass Generation anwendbar. Das sind die Geräte, die vor Oktober 2013 ausgeliefert wurden. Bei den späteren Versionen lässt sich die MAC-Adresse ändern. Dann ist es Nutzern von Google Glass wieder möglich, unbemerkt im Netzwerk weiter zu laufen. Auch ist für den normalen Gebrauch von Glasshole.sh eine Bluetooth-Verbindung zu einem Smartphone nötig. Im Netzwerk ist es daher nur eingeschränkt nutzbar. Denn wenn ein Nutzer die WLAN-Verbindung kappt, kann der Google Glass-User weiterhin auf sein mobiles Datenvolumen zurückgreifen.

          Glasshole.sh ist noch weitgehend ungeprüft. Aber neuere Versionen des Programms sollen über die bisherige Blockademöglichkeit noch hinausgehen: Oliver will künftig auch die Verbindung zwischen Google Glass und dem Smartphone des Brillennutzers trennen. Das würde die Nutzung der Googlebrille sehr erschweren.

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