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Chrome als Betriebssystem : Arbeiten in der Wolke

Typisch amerikanischer Ankündigungs-Jargon: Google-Chef Eric Schmidt Bild: dapd

Noch läuft auf neun von zehn Computern ein Betriebssystem: Windows von Microsoft. Jetzt kommt Googles Chrome OS. Der große Unterschied zu anderen Betriebssystemen: Die Software liegt nicht mehr auf der Festplatte, sondern in der Cloud.

          Das Weihnachtsgeschäft dieses Jahres wird der amerikanische Internetkonzern Google mit seinem neuen Betriebssystem und Windows-Konkurrenten verpassen. Wenn das kostenlose Produkt mit dem Namen Chrome OS 2011 aber schließlich doch auf den ersten Computern auftaucht, handelt es sich dabei um mehr als um einen Angriff auf den unumstritten Marktführer Microsoft. Google geht es darum, Personalcomputer zu Geräten zu machen, die ständig mit der digitalen Datenwolke „Cloud“ verbunden sind und ohne diese nicht mehr vernünftig funktionieren.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Thiemo Heeg

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Denn Computer, die nicht mehr mit Windows, sondern mit dem neuen Chrome-Betriebssystem (OS für Operating System) arbeiten, sind die ganze Zeit mit dem Internet verbunden und damit mit Daten und Programmen, die auf den Netzwerkrechnern (Servern) der Cloud hinterlegt sind. Die Programme werden nicht mehr auf der (in den Geräten auch nicht mehr vorgesehenen) Festplatte des heimischen Computers oder Laptops gespeichert. Sie werden über das Internet, eben die Cloud, bereitgestellt.

          Das Datenkontroll-Dilemma

          Das hat Vorteile: Der Computer braucht nur noch ein paar Wimpernschläge, um „hochzufahren“. Die Zeit des minutenlangen Wartens, die auch die neuesten Windows-Versionen dem Nutzer noch abverlangen, gehört der Vergangenheit an. Das neue Gerät passt sich auch sogleich den zuvor bei Google gespeicherten Vorlieben des Nutzers an. Die mühsame Anpassung der Programme auf einem neuen Computer an die persönlichen Bedürfnisse entfällt. Und die Programme kauft man in einem Internet-Laden für Programme (“Apps“ für „Applications“) ein, so wie Apple ihn mit seinem iPhone und seinem iPad berühmt gemacht hat. 500 Programme sind dort inzwischen vorhanden.

          Das neue Google Chrome in Aktion

          Die Google-Manager, die das neue Betriebssystem und die ersten Laptops, auf denen es funktionsfähig installiert ist, in San Francisco gezeigt haben, versprechen zudem vollständige Sicherheit. In den Rechenzentren von Google sollen alle Programme auf dem neuesten Stand, virenfrei und vor Hackern geschützt sein. Im Gegenzug sind die Daten dafür nicht mehr auf dem Gerät in den eigenen vier Wänden gespeichert, sondern irgendwo in einem großen Rechenzentrum. Damit konfrontiert Google die privaten Computer- und Internetnutzer mit einem Datenkontroll-Dilemma, das auch Unternehmen lösen müssen, wenn sie sich mit den Verlockungen der Cloud befassen.

          „Was ist Google?“

          Für Privatleute verdichtet sich dieses Dilemma im Zusammenhang mit Chrome OS auf die Frage: „Was ist Google?“ Die meisten Menschen halten das Internetunternehmen gewiss noch immer für den Anbieter einer Suchmaschine. Tatsächlich entfernt sich der Konzern aber weiter von diesem Ursprung. Beinahe tägliche Ankündigungen neuer Produkte und Strategien zeugen davon. Nicht alle Ankündigungen werden später auch zu Erfolgen, wie zum Beispiel Google-TV oder der Einstieg in die Kommunikation in sozialen Netzwerken unter dem Stichwort Google Buzz. Auch Chrome OS hatte Google schon im Sommer 2009 angekündigt, erste Geräte sollten noch in diesem Jahr auf den Markt kommen. Tatsächlich nimmt Chrome OS aber erst jetzt Gestalt an. Demnach wird das Betriebssystem zunächst auf Notebooks von Acer und Samsung laufen.

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