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Apple gegen Google : Die strategische Schlacht um das Internet

  • -Aktualisiert am

Im Angesicht der Suchmaschine: Das Logo von Google wird durch ein iPhone von Apple fotografiert Bild: dpa

Die Börse hat ihr Votum abgegeben: Apple ist inzwischen doppelt so hoch bewertet wie Google. Doch im Netz ist die strategische Schlacht der Netz-Giganten noch nicht geschlagen. Die Geschichte spricht für den Suchmaschinenriesen.

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          Apple versus Google - wie der Kampf der Giganten in der Technik-Welt zwischen Apple und Google ausgeht, ist zwar offen. An der Börse ist die Schlacht jedoch geschlagen. Apple ist mit einem Börsenwert von aktuell 293 Milliarden Dollar inzwischen mehr als 100 Milliarden Dollar mehr wert als Google; in Amerika ist derzeit alleine der Ölkonzern Exxon Mobil noch wertvoller mit einer Marktkapitalisierung von mehr als 360 Milliarden Dollar. In den vergangenen zwölf Monaten ist der Aktienkurs von Apple um 50 Prozent gestiegen, während der Google-Kurs gerade erst wieder das Vorjahresniveau erreicht hat.

          Das Votum der Börse hat seinen Grund: Apple hat Google den Rang des innovativsten Unternehmens der Tech-Welt abgelaufen. Innerhalb eines Jahrzehnts hat Apple mit dem iPod die Musikindustrie, mit dem iPhone die Mobilfunkindustrie und jüngst mit dem iPad die Computerindustrie revolutioniert. Apple macht mit den neuen Produkten inzwischen einen Großteil seines Geschäfts - ohne dabei seine Wurzeln, die Mac-Computer, zu vernachlässigen. Wie kein anderes großes Unternehmen treibt Apple sein Geschäft mit Innovationen voran. Wie kein anderes großes Unternehmen ist Apple aber auch davon abhängig, Produkte produzieren zu müssen, die durchschlagenden Erfolg haben. Als Steve Jobs das iPad präsentierte, sackte der Aktienkurs zunächst ab, weil die technischen Details nicht überzeugten. Erst als Jobs den - unerwartet niedrigen - Preis für den Tablet-Computer nannte, schnellte der Kurs wieder hoch.

          Google abzuschreiben wäre voreilig

          Was Apple scheinbar spielend gelingt, bereitet Google Mühe. Zwar funktioniert das Modell, Werbung passend zu Suchanfragen der Nutzer einzublenden, seit acht Jahren hervorragend. Da das Internet wächst, kann auch Google mit einem Produkt sein Wachstumstempo hochhalten. Aber ein neues Modell, das den nächsten Wachstumsschub nicht nur bei den Nutzern, sondern auch in der Bilanz auslöst, hat Google lange Zeit nicht gefunden.

          Der Google-Vorstandschef Eric Schmidt musste sich noch im Sommer auf den Vorwurf, Google sei ein "One Trick Pony", also ein Unternehmen, das nur auf ein Pferd setze, sogar mit der Aussage helfen, dass andere Unternehmen dieses Pferd gerne hätten. Schlimmer noch: Investoren vergleichen Google schon mit dem Softwaregiganten Microsoft, der eine Milliarde nach der anderen investiert, um profitable Sparten neben Windows und Office aufzubauen - bisher ohne durchschlagenden Erfolg. "Der Markt scheint zu glauben, Google könnte Microsoft Version zwei sein", sagte Mark Mahaney, Analyst der Citigroup.

          Dass Google hohe Halteprämien zahlt, um nicht noch mehr Ingenieure an das soziale Netzwerk Facebook zu verlieren, stärkt den Nimbus der ersten Adresse im Silicon Valley ebenso wenig wie Fehlschläge à la Google TV. Google abzuschreiben wäre allerdings voreilig, denn die "strategische Schlacht" zwischen dem geschlossenen Apple-System, das nicht mit der Technik anderer Anbieter kompatibel ist, und dem offenen Google-System ist noch nicht geschlagen.

          Google hat den Sprung in den Display-Markt geschafft

          Die Geschichte spricht hier für Google. Geschlossene Systeme haben im Netz bisher nicht überlebt; offene Systeme haben sich im Internet bisher immer durchgesetzt. "Wir haben eine große Wette laufen, dass offene Systeme gewinnen", sagte Eric Schmidt dieser Zeitung. Und tatsächlich beginnen die Investitionen in die neuen Geschäftsmodelle graphische Werbung (Display) und mobiles Internet für Google nun sich auszuzahlen.

          In der graphischen Werbung mit Bannern oder Videos wird Google nach eigenen Angaben in diesem Jahr 2,5 Milliarden Dollar Umsatz erzielen und im mobilen Geschäft eine Milliarde Dollar. Google hat also den Sprung in den bereits bestehenden Display-Markt geschafft und partizipiert mit seinem Betriebssystem Android zunehmend am mobilen Internet - einem Multi-Milliarden-Dollar-Markt, der schon in wenigen Jahren größer als das stationäre Internet sein wird. Googles härtester Konkurrent verdient dort schon seit Jahren gutes Geld. Der Konkurrent heißt Apple.

          Die beim Finanzdatenportal Bloomberg registrierten Analysten sagen für beide Aktien Kursgewinne voraus: Der Google-Kurs werde sich von aktuell rund 590 Dollar auf 680 Dollar erhöhen, derjenige der Apfel-Aktie von 320 Dollar auf 377 Dollar. In beiden Fällen raten mehr als 85 Prozent der professionellen Beobachter zum Kauf.

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