https://www.faz.net/-gqe-83vps

Entwicklerkonferenz : Wie Google die Welt weiter vernetzen will

Google-Manager Sundar Pichai bei einer Präsentation im Mai in San Francisco Bild: AP

Google will seine Präsenz im Internet der Dinge ausbauen: In San Francisco stellt der Internetriese ein Betriebssystem für vernetzte Geräte vor. Auch im Programm: eine Kampfansage an den Konkurrenten Apple.

          3 Min.

          Immer mehr Dinge des täglichen Lebens werden mit dem Internet verbunden. Der amerikanische Google-Konzern will für diese Welt der vernetzten Geräte, auch „Internet der Dinge“ genannt, eine neue Softwareplattform bereitstellen. Auf seiner an Softwareentwickler gerichteten Konferenz „Google I/O“ in San Francisco stellte das Unternehmen am Donnerstag „Project Brillo“ vor.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Sundar Pichai, der bei Google als Senior Vice President für Produkte zuständig ist, nannte Brillo ein „Betriebssystem, das dem Internet der Dinge zugrunde liegt“. Es handelt sich dabei um eine abgespeckte Version von Android, der Software, die in mobilen Geräten wie Smartphones oder Tabletcomputern zum Einsatz kommt. Gedacht ist Brillo unter anderen für Produkte im Haushalt, Pichai nannte intelligente Türschlösser als Beispiel.

          Google versucht schon seit einiger Zeit, sich eine Präsenz im Internet der Dinge aufzubauen und hat dabei mit einigen Zukäufen von Hardwareunternehmen aufhorchen lassen. So zahlte das Unternehmen einen Milliardenbetrag für Nest Labs, einen Hersteller von intelligenten Thermostaten und Rauchmeldern. Außerdem kaufte Google Dropcam, einen Anbieter von Überwachungskameras für den Haushalt.

          Dem Rivalen Apple auf den Fersen

          Begleitend zu Brillo stellte Google „Weave“ vor, eine Kommunikationsplattform für das Internet der Dinge. Weave soll es verschiedenen vernetzten Geräten erlauben, miteinander zu arbeiten. Genau dies gilt bislang als ein großes Manko im Internet der Dinge. Google will Softwareentwicklern Brillo und Weave in der zweiten Jahreshälfte zur Verfügung stellen.

          In San Francisco nannte Google auch weitere Details zu seinem neuen Bezahldienst Android Pay, der in die nächste Version des Android-Betriebssystems integriert werden soll. Der Konzern hofft damit, seinem Rivalen Apple Konkurrenz zu machen, der seinerseits im vergangenen Herbst den Bezahldienst Apple Pay gestartet hat. Das Unternehmen hofft außerdem, damit mehr Erfolg zu haben als mit seinem bisherigen Bezahlangebot Google Wallet. Googles Bezahldienst arbeitet ebenso wie Apple Pay mit der Nahfunktechnik NFC, die Smartphones zu digitalen Geldbörsen werden lässt. Und ebenso wie Apple Pay soll auch Android Pay per Fingerabdrucksensor bedient werden können.

          Apple Pay hat dem mobilen Bezahlen einen großen Schub gegeben, wenngleich sich vielen Verbrauchern, die gewöhnliches bargeldloses Zahlen mit der Kreditkarte bequem genug finden, der Nutzen noch nicht erschließt. Der Apple-Vorstandsvorsitzende Tim Cook beschreibt den Bezahldienst in der Öffentlichkeit als großen Erfolg. Er sagte unlängst, das Unternehmen arbeite mittlerweile mit 2500 Banken zusammen, und Apple Pay würde in 700.000 Geschäften akzeptiert. Auch Google reklamiert, dass Android Pay bald in 700.000 Läden funktionieren soll, als Partner wurden unter anderem die Imbisskette McDonald’s und der Lebensmittelhändler Whole Foods genannt.

          Internet : Googles Vision von der totalen Vernetzung

          Der Bezahldienst soll außerdem in mehr als 1000 verschiedenen Android-Anwendungen für Smartphones genutzt werden können, zum Beispiel beim Fahrdienst Uber. Das Marktforschungsinstitut Forrester Research sieht großes Potential und schätzt, dass in diesem Jahr allein in den Vereinigten Staaten das Einkaufsvolumen mit mobilen Bezahlsystemen 67 Milliarden Dollar erreichen wird. Bis 2019 sollen es 142 Milliarden Dollar werden.

          „Android Auto“ für 35 Auto-Modelle

          Google zeigte in San Francisco auch die neue Fotoanwendung „Google Photo“, die Nutzern kostenlosen und unbegrenzten Speicherplatz verspricht und neue Möglichkeiten bietet, Fotos zu organisieren. Wie erwartet wurde auch die nächste Android-Generation für Smartphones und Tablets vorgestellt, die vorläufig den Namen „Android M“ hat. Die neue Software wird nach Google-Angaben unter anderem helfen, die Batterielebensdauer von Geräten zu verlängern. Außerdem wurde die digitale Assistenzfunktion „Google Now“ überarbeitet.

          Android ist heute in rund 80 Prozent aller auf der Welt verkauften Smartphones installiert. Aber Google beschränkt sich mit Android längst nicht mehr nur auf mobile Geräte, sondern hat auch Varianten der Software für andere Produkte entwickelt. So gibt es „Android TV“ für Fernseher und „Android Auto“ für Autos. Google sagte jetzt, bis zum Jahresende werde Android Auto in 35 Modellen vertreten sein.

          „Google I/O“ ist eine Veranstaltung für Softwareentwickler, und diesmal hatte das Unternehmen neben technischen Neuheiten noch eine andere Ankündigung. So will Google künftig sechsmonatige Online-Kurse für Softwareentwickler anbieten, die sich um Android drehen. Dafür arbeitet das Unternehmen mit Udacity zusammen, einem Anbieter von Online-Kursen, der vom Deutschen Sebastian Thrun geführt wird, einem früheren Google-Manager. Der Kurs soll sechs Monate dauern und 200 Dollar im Monat kosten, die Teilnehmer bekommen am Ende ein Zertifikat. Google hat nach den Worten von Sundar Pichai 4 Millionen Dollar in den Kurs investiert.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Kanzlerkandidatin der Grünen: Annalena Baerbock am Montag in Berlin.

          Kanzlerkandidatin Baerbock : Die grüne Zauberin

          Noch ist die erste Kanzlerkandidatur der Grünen ein Anfang, dem ein Zauber innewohnt. Der könnte für Annalena Baerbock schnell zum bloßen Budenzauber werden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.